Staatsanleihen

Investitionschancen durch Peripherie-Anleihen ausloten

Die Spreads bei vielen europäischen Peripherie-Bonds haben sich deutlich verringert. Diese Neubewertung liefert einen Anknüpfungspunkt, um die Chancen der Assetklasse bei Kunden anzusprechen.

14:07 Uhr | 02. Juli | 2024
Dollar und Prozentzeichen auf einer Waage

Auch wenn Peripherie-Staatsanleihen nicht in konjunkturell schlechten Phasen schützen, weil sie sich wegen ihrer schlechteren Bonität im Vergleich zu Top-Staatsanleihen eher wie Risikoassets verhalten, können Berater die gesunkenen Spreads als Aufhänger nutzen, um Kunden den Mehrwert von Anleihen im Allgemeinen aufzuzeigen.

| Quelle: sommart

Sicherheit hat ihren Preis, auch in der Anleihen-Welt. Dabei gilt: Je größer das Risiko, desto höher der Spread. Während deutsche Bundesanleihen geringe Zinsen bieten, weil sie als ‚Goldstandard‘ der Sicherheit gelten, fallen die Risikoaufschläge bei europäischen Peripherie-Ländern deutlich üppiger aus.

Allerdings haben sich deren Spreads in den letzten Monaten deutlich verringert. „Derzeit bewegen sich die Risikoaufschläge italienischer, griechischer, spanischer und portugiesischer Staatsanleihen mit 10-jährigen Laufzeiten gegenüber deutschen Bundesanleihen am unteren Rand der Spanne der vergangenen 15 Jahre“, sagt Daniel Hartmann, Chefvolkswirt beim Assetmanager Bantleon.

Ökonomische Hausaufgaben gemacht

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen haben sich die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der Volkswirtschaften mit Blick auf Verschuldung und Bruttoinlandsprodukt (BIP) verbessert – auch weil diese von einer anziehenden Nachfrage nach Dienstleistungen profitierten. „Hier konnten Peripherieländer dank ihres größeren Engagements bei Dienstleistungsausgaben stärker punkten als Länder mit einer größeren Produktionspräsenz wie Deutschland“, sagt Ales Koutny, Head of International Rates bei Vanguard.

Zum anderen profitierten südeuropäische Staatsanleihen von einem Goldilocks-Szenario. „Das bedeutet, dass das globale Wachstum robust und die Inflation niedrig ist oder stark fällt, was in den vergangenen Monaten der Fall war“, erklärt Hartmann. „Das hat den Risikoappetit der Investoren erhöht.“ Für weiteren Rückenwind sorgt zudem die Aussicht auf zeitnahe Zinssenkungen, weil sich Investoren im Vorfeld noch die höheren Risikoprämien von Peripherie-Bonds sichern dürften.

Unterschiedliche Risikoprofile

Für Berater kann es sich lohnen, Peripherie-Anleihen in den Blick zu nehmen, um Investitions-Chancen für Kunden auszuloten. Denn es gibt weitere Treiber, die Potenzial versprechen. Dazu zählen Käufe von Euroraum-Bonds durch die Europäische Zentralbank (EZB), stärkere Banken in der Eurozone sowie die Anwendung des Defizitverfahrens im Jahr 2027, das hoch verschuldeten Länder mehr Spielraum bei der Risikokapitalberechnung einräumt. Zudem rücken die einzelnen Länder im EU-Bündnis auch mit Blick auf eine gemeinsame Schuldenaufnahme enger zusammen und verbessern ihre Ratings. Die Risikoprofile und Wachstumsaussichten fallen dabei sehr unterschiedlich aus, was sich in den Spreads widerspiegelt. Den geringsten Risikoaufschlag gibt es für spanische Staatsanleihen, den höchsten für italienische.

Hier sollten Berater genauer hinsehen, rät Bantleon-Chefvolkswirt Hartmann, weil diese gegenüber Bundesanleihen einen attraktiven Renditeaufschlag bieten: „Wer eine 10-jährige italienische Staatsanleihe erwirbt, kann damit aktuell rund 3,8 Prozent jährlichen Zinsertrag vereinnahmen. Bei Bundesanleihen sind es derzeit knapp 2,50 Prozent“, sagt Hartmann.

Zwar ist die italienische Staatsverschuldung sehr hoch, aber ein Ausfall der Anleihen dennoch unwahrscheinlich. „In einer Krise kann Italien auf Unterstützung seiner EU-Partnerländer und der EZB hoffen“, weiß Hartmann. Auch mit Blick auf Liquidität müssen sich Investoren ihm zufolge wenig Sorgen machen: „Mit einem Volumen von über 2,5 Billionen Euro bilden italienische Bonds – zusammen mit Frankreich – den größten Markt für Staatsanleihen der Eurozone.“ Seit dem Regierungswechsel, der Giorgia Meloni an die Spitze brachte, hat Italien zudem politisch an Stabilität gewonnen und bessere Wachstumsaussichten als Deutschland. So rechnet die EU in Italien 2024 mit einem Plus von 0,7 Prozent gegenüber 0,2 Prozent in Deutschland.

Gesunkene Spreads als Aufhänger nutzen

Auch wenn Peripherie-Staatsanleihen nicht in konjunkturell schlechten Phasen schützen, weil sie sich wegen ihrer schlechteren Bonität im Vergleich zu Top-Staatsanleihen eher wie Risikoassets verhalten, können Berater die gesunkenen Spreads als Aufhänger nutzen, um Kunden den Mehrwert von Anleihen im Allgemeinen aufzuzeigen. „Anleihen – speziell hochqualitative Staatsanleihen – sollten in einem Portfolio eine prominente Rolle spielen. Sie bieten in Rezessionszeiten Schutz vor Kapitalverlusten und federn die Verluste anderer Assetklassen ab“, sagt Hartmann. Immer gilt das aber nicht, wie Hartmann betont: „2022 war ein Ausnahmejahr. Der kräftige Anstieg der Inflation hat damals alle Assets unter Druck gesetzt. Mittel- bis langfristig rechnen wir aber mit anhaltend hohen Renditeniveaus an den Anleihen-Märkten.“