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Michael Krautzberger:
procontra
Was sind sinnvolle Strategien, um auf diese und womöglich weitere Einflussfaktoren reagieren zu können?
Krautzberger:
Unter unseren Rentenfonds haben sich insbesondere die „unconstrained“ Strategien gut geschlagen. Sie sind nicht mit festen Vorgaben an einem Marktindex orientiert, sondern können sehr flexibel auch auf überraschende Entwicklungen reagieren, wie etwa auf die überraschend scharfen Zinsanhebungen der EZB um je 75 Prozentpunkte im September und Oktober 2022. Die „traditionellen“ Strategien, die gegen eine klassische Benchmark gemanagt werden, sind aus meiner Sicht nun auch wieder deutlich attraktiver. Selbst Strategien, die etwa in kurzlaufende Euro-Anleihen investieren, wo man vor kurzem noch negative Zinsen als laufende Verzinsung hatte, haben mitunter wieder eine laufende Verzinsung von 3 Prozent.
Krautzberger:
Wir preisen heute ein Zinshoch der EZB von um die 3 Prozent ein, was die Wirtschaft etwas verlangsamen wird. Es ist aus meiner Sicht bereits viel Zinserhöhungphantasie im Markt enthalten – insofern sind wir für Anleihen tendenziell positiv gestimmt. Wir sehen es als eine gute Zeit an, Anleihen näher anzuschauen.
procontra
Welches sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Anleihenmärkte und die Investoren?
Krautzberger:
Eine große Herausforderung ist das Timing. Wie schnell geht die Zinsentwicklung? Wann wird die EZB nicht mehr ganz so aggressiv in der Rhetorik sein? Spannend ist auch, dass am US-Markt wieder Zinssenkungen erwartet werden. Wir selbst preisen dort heute über einen Zeithorizont von drei Jahren Absenkungen von 150 Basispunkten ein, aber noch 50 Basispunkte Zinserhöhung in der Eurozone.

