Verbessertes Angebot für P&R-Gläubiger

Der Hedgefonds Capital York, der sich auf Insolvenzforderungen spezialisiert hat, bessert sein Angebot an die P&R-Gläubiger nach. Auch die Corona-Krise könnte Einfluss auf deren Entscheidung nehmen.

Welche Auswirkungen wird die Corona-Krise auf das Containergeschäft und damit die P&R-Gläubiger haben?

Welche Auswirkungen wird die Corona-Krise auf das Containergeschäft und damit die P&R-Gläubiger haben? Foto: picture alliance

Der in New York beheimatete Hedgefonds York Capital stockt sein Angebot gegenüber Gläubigern der insolventen P&R-Gruppe auf. Statt 14 Prozent der festgestellten Forderungen bietent der Investor über seine Tochter „Dauerhaft Invest P-und-R Sarl“ Gläubigern nun 16 Prozent. Das heißt für den Anleger: Hat dieser gegenüber der Containergesellschaft Forderungen in Höhe von 1.000 Euro, bekäme von York Capital 160 Euro ausgezahlt.  

Das Kaufangebot beinhaltet außerdem eine Freistellung von eventuellen Ansprüchen des Insolvenzverwalters Michael Jaffé auf Rückzahlung von Mietzahlungen. Solche Forderungen waren in der Vergangenheit überwiegend an Altanleger gestellt worden, deren Investment bereits abgeschlossen war und die keine aktuellen Forderungen gegenüber der insolventen Containergesellschaft haben.

Begründet werden die Rückforderungen damit, dass P&R nach Ansicht des Insolvenzverwalters jahrelang als Schneeballsystem agiert habe: Die Altanleger seien aus dem Geld der neuen Investoren bedient worden. Bei den erhaltenen Zahlungen handele es sich folglich um Scheingewinne, die grundsätzlich anfechtbar sind.  

Nicht betroffen vom York-Capital-Kaufangebot sind hingegen Schadensersatzforderungen der Gläubiger gegenüber dem Wirtschaftsprüfer, den Erben des kürzlich verstorbenen Firmengründers Roth, der Finanzaufsicht BaFin oder Vermittlern, über die die Container-Deals abgewickelt wurden.  

Vermittler in schwieriger Lage

Für die Vermittler ist die Lage besonders bitter. Einerseits gehören sie selbst vielfach zu den Geschädigten, da sie die P&R-Angebote nicht nur vermittelten, sondern selbst in die Frachtcontainer investierten. Zudem ist es fraglich, ob ihre Vermögensschadenshaftpflichtversicherung für den entstandenen Schaden aufkommt. 

„Erst ab der Angebotsreihe 5001 der sogenannten Neuen Welt ab 2017 fielen die P&R-Produkte unter das Vermögensanlagengesetz und waren deswegen vom Pflichtversicherungsumfang der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung gedeckt“, erläuterte Rechtsanwalt Alexander Pfisterer-Junkert (Kanzlei BKL Fischer, Kühne + Partner) auf einer Informationsveranstaltung der Interessengruppe P&R.

Für Produkte, die bis 2016 vertrieben wurden, galt diese Pflichtversicherung hingegen nicht. „Wir haben einige Mandanten, die entweder gar keine Versicherung haben oder deren Versicherung Container-Direktinvestments nicht einschließt“, berichtete Pfisterer-Junkert aus seinem beruflichen Alltag.  Dass das Klageaufkommen durch die Corona-Krise steigen könnte, ist zumindest denkbar. Schon jetzt verweisen Anlegeranwälte auf die aktuell schwierige wirtschaftliche Situation und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Insolvenzquote.  

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Durch die Verwertungserlöse der bestehenden Container will Insolvenzverwalter Michael Jaffé in den kommenden Jahren einen Erlös von über einer Milliarde Euro erwirtschaften. Bei Forderungen in Höhe von 3 bis 3,5 Milliarden Euro ergäbe das eine Quote von rund 30 Prozent. Doch ist diese zu halten angesichts der derzeitigen Krise? 

 „Derzeit lässt sich nicht realistisch abschätzen, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Containerverwertung haben wird, und zwar weder in die eine noch in die andere Richtung“, teilte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Jaffé auf procontra-Nachfrage mit. Indikatoren wie der eingebrochene „Baltic Dry-Index“ (bildet die Preise auf den meistgefahrenen Schifffahrtsrouten ab) oder die abgesackten Aktienkurse führender Container-Leasingunternehmen wie „Triton International“ oder „Textainer“ deuten aber darauf hin, dass die derzeitige Krise am Container-Geschäft nicht spurlos vorbeigehen könnte. 

Für York Capital könnte die aktuelle Krise allerdings bedeuten, dass mehr Gläubiger dazu bereit sind, das vorliegende Angebot anzunehmen. Nach Angaben des Hedgefonds haben dies bislang rund 400 Anleger mit einem Forderungsvolumen in Höhe von 20 Millionen Euro getan.  

Weitere Gläubiger, die schnell Geld brauchen bzw. wollen und nicht bereit sind, die sich derzeit darstellenden Risiken einzugehen, könnten in den kommenden Monaten folgen. Das erhöhte Angebot sei bis auf Widerruf gültig, teilte ein York-Capital-Sprecher mit.

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