Allianz steigt groß ins Leads-Geschäft ein

Die Allianz will ihre Vermittler bald vermehrt mit lukrativen Kundenkontakten versorgen. Dafür ist ein Zukauf in Planung. Außerdem wird eine Ventillösung für ungeliebte Risiken geschaffen. Ein Lichtblick nach der Streichung von Provisionen.

Nach der Ankündigung von Provisionsstreichungen für mehrere tausend Vertreter will die Allianz nun gleich mit zwei Neuerungen für verbesserte Vertriebsbedingungen sorgen.

Nach der Ankündigung von Provisionsstreichungen für mehrere tausend Vertreter will die Allianz nun gleich mit zwei Neuerungen für verbesserte Vertriebsbedingungen sorgen. Bild: Allianz

Der Mutterkonzern Allianz SE hat dieser Tage seine Geschäftszahlen für das erste Quartal 2019 vermeldet. Die Münchener sehen sich auf einem Erfolgskurs, angesichts eines Umsatzwachstums um 9,1 Prozent (auf 40,3 Milliarden Euro) und einer Steigerung des operativen Ergebnisses um 7,5 Prozent (auf 3,0 Milliarden Euro) gegenüber der ersten drei Monate des Jahres 2018. Sowohl im Schaden-/Unfall-Bereich als auch in der Lebens- und Krankenversicherung konnte man sich verbessern. Maßgeblichen Anteil an diesen Zuwächsen hatte jeweils das Geschäft auf dem deutschen Markt.

Damit das auch so bleibt, will die Allianz ihre Vertreter zukünftig vermehrt mit Leads versorgen. Dafür will der Versicherer das Berliner Online-Portal Finanzen.de kaufen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Allianz habe dem Blatt den Deal im Grundsatz bestätigt, auch wenn es auf dem Weg zu dessen Abschluss noch „kleine Unwägbarkeiten“ gebe.

Laut eigenen Angaben vermittelt Finanzen.de monatlich allein in Deutschland bis zu 50.000 Leads, also die Kontakte zu Kunden mit konkretem Interesse am Abschluss bestimmter Versicherungen. Diese sammelt das Unternehmen durch seine angebotenen Tarifvergleichsrechner auf der eigenen und auf fremden Internetseiten. Der Handel mit Leads ist vor allem in größeren Mengen ein lukratives Geschäft. Gerade im PKV-Bereich zahlen Vermittler dafür nicht selten über 100 Euro pro Stück.

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Beim Kauf von Leads gibt es allerdings auch Stolperfallen. So stehen Vermittler beispielsweise selbst in der Haftung, wenn beauftragte Lead-Agenturen beim Sammeln der Kundenkontakte gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen. Auch der Datenschutz ist beim Lead-Kauf ein großes Thema. Denn neben dem Verkauf ihrer Daten müssen die Kunden auch explizit der weiteren vertrieblichen Verwendung zugestimmt haben.

Dem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge, dürfte der Kauf von Finanzden.de der Allianz auch in dieser Hinsicht eine erhöhte Sicherheit bieten. Denn wenn der Lead-Sammler bereits zur eigenen Unternehmensgruppe gehört, wird es wahrscheinlich einfacher sein, die eigenen Datenschutzstandards jederzeit umzusetzen.

Vertriebschancen für Vertreter wieder verbessern

Damit liefert Deutschlands größter Versicherer seinen Vertretern einen Lichtblick in Sachen zukünftige Vertriebschancen. Im vergangenen Oktober hatte die Allianz auf procontra-Nachfrage bestätigt, in den nächsten Jahren die Bestandssicherungsprovision für mehrere tausend ihrer Vertreter streichen zu wollen. Dies hatte unter den Vermittlern für Unzufriedenheit gesorgt. Der Versicherer hatte damals angekündigt, dass die Kostensenkung notwendig sei, damit die Digitalisierung und der Ausbau neuer Angebote vorankommen kann. Gestärkt durch diese Effekte solle es dann den Vermittlern wiederum möglich sein, ihre Umsätze durch steigende Verkäufe wieder zu erhöhen. Eine verstärkte Versorgung mit Leads wäre auf jeden Fall ein Schritt in diese Richtung.

Ein weiterer könnte die Gründung der neuen Maklerfirma Advania sein. Dabei handelt es sich um eine Kooperation mit dem Hamburger Versicherungsmakler Gayen & Berns Homann, worüber ebenfalls die Süddeutsche Zeitung berichtet. Dieser soll als Ventilmakler dienen, über den Allianz-Vertreter Gewerbe- und Industrierisiken eindecken können, die ihre eigene Gesellschaft nicht versichern kann oder will.

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