BaFin sieht hohe Abschlussprovisionen als Risikofaktor

Auch wenn das Thema Provisionsrichtwert erstmal vom Tisch ist, lässt die Finanzaufsicht beim Thema Abschlusskosten nicht nach. In einem neuen Merkblatt erläutert sie ihre Pläne und drängt darauf, dass die Kosten vieler Lebensversicherungen sinken müssen.

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Die BaFin erläutert in einem neuen Merkblatt, wie sie die aus ihrer Sicht hohen Kosten bei Fondspolicen künftig senken will. Bild: BaFin

Der von der BaFin geplante Provisionsrichtwert ist vom Tisch. Dies berichtete Im Oktober das Portal „kapitalmarkt-intern“ und berief sich dabei auf Aussagen des BaFin-Referatsleiters Dieter Feldmann, der die Einführung eines Provisionsdeckels bzw. -richtwerts ausschloss und einen „Angriff auf den provisionsbasierten Vertrieb“ seitens der BaFin ausschloss.

In Vermittlerkreisen reagierte man erfreut auf diese Nachricht. Schließlich war seitens vieler Branchenverbände heftige Kritik an den Plänen geäußert worden. „Das ist ordnungspolitisch fragwürdig und angesichts der üblichen Provisionshöhen völlig unangemessen“, sagte beispielsweise Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). Zudem war seitens der Kritiker stets in Zweifel gezogen worden, ob die Finanzaufsicht überhaupt die Befugnis zur Einführung eines Richtwerts habe.  

Risikoorientierter Aufsichtsansatz

Doch das Thema Abschlussprovisionen ist für die Finanzaufsicht damit noch lange nicht vom Tisch. Das wurde am Montag deutlich, als die Behörde einen Entwurf für ihr „Merkblatt zur wohlverhaltensaufsichtlichen Aspekten bei kapitalbildenden Lebensversicherungsprodukten“ veröffentlichte. Diese weisen nach Aufsicht der BaFin zu hohe Kosten auf – ein Vorwurf, der in der Vergangenheit bereits häufiger geäußert worden war.  

In ihrem Merkblatt skizziert die BaFin nun, wie sie zukünftig eine Senkung der Kosten bewirken beziehungsweise sicherstellen will. Der Entwurf enthält zwar nicht wie befürchtet den kritisierten Provisionsrichtwert. Wohl aber die Ankündigung, dass die Finanzaufsicht die gezahlten Abschlussprovisionen genau im Blick behalten wird. Und zwar im Rahmen ihres „risikoorientierten Aufsichtsansatzes“.  

Zur Erläuterung: Um niedrigere Kosten bei Lebensversicherungsprodukten sicherzustellen, werde die BaFin künftig verschiedene Risikoindikatoren in den Blick nehmen, darunter die Effektivkosten des jeweiligen Produkts. „Sind die Kosten der fondsgebundenen Produkte eines LVU sehr hoch, ohne dass dies auf Dauer durch eine gute Wertentwicklung der fondsgebundenen Kapitalanlagen kompensiert wird, so deutet dies darauf hin, dass die zur Verfügung gestellten Anlagestrategien der Fonds möglicher Weise wenig geeignet sind, um eine hohe Rendite zu erzielen (…)“, heißt es hierzu im Merkblatt.  

Untersucht werden vor allem die Produkte, deren Effektivkosten im obersten Viertel der Branche angesiedelt sind. Bei der Überprüfung wolle die BaFin dann auch auf weitere Risikoindikatoren zurückgreifen, wie beispielsweise die Zu- und Abgänge im Verhältnis zur Zahl der Verträge und Versicherungssumme. Gewinnt ein Versicherer sehr viele Verträge hinzu, könne dies „Ausdruck einer aggressiven Verkaufspraxis sein, bei der im Interesse des Absatzerfolges keine interessengerechte Beratung stattfindet“. Das gleiche gilt für eine hohe Stornoquote.  

Die teuersten 25 Prozent im Fokus

Auch die Abschlusskosten kommen an dieser Stelle ins Spiel. Hierunter versteht die BaFin in erster Linie die Höhe der Abschlussprovisionen. „Mit der Zahlung hoher Abschlussprovisionen wird gegebenenfalls ein (Fehl-)Anreiz für eine aggressive Verkaufspraxis durch die Versicherungsvermittler gesetzt, bei der im Interesse des Absatzerfolges keine interessengerechte Beratung stattfindet“, heißt es entsprechend. Auch hier wolle man die 25 Prozent der Versicherer in den Blick nehmen, die im Branchenvergleich die höchsten Abschlusskosten zahlen.  

Unterschieden wird hier von Produkt zu Produkt. Um zumindest für Fondspolicen eine Orientierung zu bekommen, lohnt ein Blick in das BaFin-Journal vom März dieses Jahres. Darin hieß es, dass bei 75 Prozent aller Fondspolicen die Effektivkosten unter 2,35 Prozent lagen. Nimmt man diese Zahlen als Grundlage, dürfte die Aufsicht zukünftig alle Produkte mit Effektivkosten über 2,35 Prozent in den Blick nehmen.  

Auch die Versicherer selbst sollen in Zukunft stärker bei der Produktgestaltung den Kundennutzen im Blick haben: So sollen die Versicherer bei der Auflage neuer Produkte sicherstellen, dass die Produkte einen angemessenen Kundennutzen aufweisen. Bei Produkten der privaten Altersvorsorge heißt das, „dass die Produkte mit hinreichender Wahrscheinlichkeit eine Rendite nach Kosten erzielen, die über einer langfristigen Inflationserwartung liegt“. Also Richtwert werden hier zwei Prozent genannt.  

Die Versicherer haben jetzt bis zum 15. Januar des nächsten Jahres Zeit, zu dem Entwurf der BaFin Stellung zu nehmen.