Rente mit 67 befeuert Altersarmut

Als notwendiger Schritt gegen den demografischen Wandel wird die Rente mit 67 gesehen. Doch laut einer Studie bringt der spätere Rentenreintritt auch sozialpolitische Risiken für bestimmte Bevölkerungs- und Berufsgruppen mit sich.

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Es ist auch ein Argument für die betriebliche und private Altersvorsorge: Für bestimmte Bevölkerungsgruppen führt die Rente mit 67 zu hohen Einkommenseinbußen. Wer die höhere Regelaltersgrenze nicht mitgehen könne, der müsse im Durchschnitt noch höhere Abschläge bei der gesetzlichen Rente in Kauf nehmen als vor der stufenweisen Anhebung von 65 auf 67 Jahren.

Zu diesen Ergebnissen kommen Simulationen am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Zwar würde die volle Altersrente mit 67 insgesamt zu einem späteren Erwerbsaustritt führen. Sie habe aber auch sozialpolitische Risiken im Schlepptau.

Erhöhtes Risiko für Handwerker und Co.

Die Forscher rechnen bis zum Jahr 2032 mit einem Anstieg des durchschnittlichen Renteneintrittsalters um 1,2 bis 1,5 Jahre – abhängig von der Entwicklung des Arbeitsmarktes für ältere Menschen. Für höher gebildete Personen liegt die Prognose aber bei 1,6 bis zwei Jahren. Für Personen mit geringer oder mittlerer Bildung wird sich die Erwerbstätigkeit nur um ein bis 1,4 Jahre verlängern. Das bedeutet, dass Menschen mit höherer Bildung häufiger eine abschlagsfreie gesetzliche Rente beziehen werden.

Doch nicht nur die Bildung und die damit verbundene berufliche Tätigkeit sind ein Faktor. „Am besten können sich Menschen anpassen, die in stabilen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, ein hohes Bildungsniveau haben und die sich guter Gesundheit erfreuen“, erklärt DIW-Rentenexperte Johannes Geyer. Wer also beispielsweise in Zukunft seinen körperlich anstrengenden Beruf nicht mehr ausüben kann und vor 67 in Rente gehen muss, hat höhere Abschläge zu verkraften als bei der vollen Rente mit 65.

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Zudem gäbe es, laut der Studie, Phasen der Erwerbslosigkeit häufiger unter Menschen mit geringer oder mittlerer Bildung. Deshalb könnten sie im Schnitt geringere Rentenansprüche sammeln und hätten ohnehin ein erhöhtes Altersarmutsrisiko. „Gerade für Menschen, die ohnehin auf dem Arbeitsmarkt schlecht dastehen, wird es schwierig sein, sich an die neuen Altersgrenzen anzupassen. Die spätere Rente trifft also die Schwächsten am härtesten“, so Geyer.

Die Studienautoren appellieren auch daran, diese schwächeren Bevölkerungsgruppen sozialpolitisch zu unterstützen. „Einerseits muss der Arbeitsmarkt so gestaltet werden, dass es für viele Menschen möglich ist, ihre Erwerbstätigkeit lange auszuüben, zum Beispiel durch die Möglichkeit flexibler Übergänge,“ so Peter Haan, Leiter der Abteilung Staat am DIW Berlin. Auch eine Berücksichtigung von Zeiten der Langzeitarbeitslosigkeit in der Rente hält er für sinnvoll.

Darüber hinaus diskutiert die Politik seit einiger Zeit über die Einführung einer Grundrente für die Bezieher kleiner Renten. Dass der Staat das Risiko der Altersarmut ganz allein beseitigen kann, ist aber eher unwahrscheinlich. Auch Geringverdiener sollten sich zumindest mit den Möglichkeiten der betrieblichen und privaten Altersversorgung auseinandersetzen.

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