Trotz der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie ist die Zahl der Unfälle mit Wildschweinen, Rehen und anderen Wildtieren nur leicht gesunken: Die deutschen Autoversicherer haben im vergangenen Jahr rund 272.000 Wildunfälle registriert. „Rein rechnerisch kollidiert alle zwei Minuten ein kaskoversicherter Pkw mit einem Wildtier“, sagt die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin Anja Käfer-Rohrbach des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
Allerdings sei die Gefahr eines Wildunfalls über das Jahr ungleich verteilt: Demnach sei das Risiko in den Monaten April und Mai und zwischen Oktober bis Dezember besonders hoch. „Gerade in den kommenden Wochen sollten Autofahrer also besonders vorsichtig sein“, so Käfer-Rohrbach. Wildwechsel treten zwar das gesamte Jahr über auf, doch müssen die Tiere auf der Nahrungssuche in den kälteren Monaten weitere Strecken zurücklegen und überqueren deswegen auch häufiger als sonst Straßen. Erschwerend hinzu kommt, dass oft Nebel die Sicht trübt.
Die Daten des GDV zeigen, dass die Kosten für die Reparaturen nach Wildunfällen gestiegen sind: Für einen Unfall zahlten die Versicherer im vergangenen Jahr im Durchschnitt über 3.100 Euro. Das seien rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Grund für den Anstieg: die höhere Preise für Karosserieteile, die nach Wildunfällen häufig ausgetauscht werden müssen. Insgesamt kosteten Wildunfälle die Autoversicherer im vergangenen Jahr rund 853 Millionen Euro.
Haarwild: Voll- bzw. Teilkaskoversicherung
Schäden am eigenen Fahrzeug, die durch Haarwild – wie Rehe und Wildschweine – verursacht werden, sind durch eine Voll- beziehungsweise Teilkaskoversicherung abgedeckt. Einige Versicherer haben ihren Schutz in der Teilkasko zusätzlich auf Unfälle mit bestimmten weiteren Tieren oder sogar Tieren aller Art ausgeweitet. Auf den persönlichen Schadenfreiheitsrabatt habe ein Wildschaden keinen Einfluss, teilt der GDV mit.
Die Versicherer raten Autofahrern, ihre Fahrweise gerade jetzt in der Herbstzeit entsprechend anzupassen. Fahrende sollten besonders entlang von Wiesen, Äckern und Wäldern und während der Dämmerstunden den Fuß vom Gaspedal nehmen. Taucht ein Wildtier auf der Straße oder am Straßenrand auf, sollte zudem das Fernlicht abgeblendet werden.
Von riskanten Ausweichmanövern raten Experten immer wieder ab - gerade weil das Gros der Fahrer meist instinkthaft versucht das jeweilige Hindernis zu umfahren. „Die Kollision mit einem anderen Auto oder einem Baum ist in der Regel gefährlicher als der Zusammenprall mit einem Wildtier“, sagt Käfer-Rohrbach. Fahrschulen bieten hierfür sogar spezielle Trainings an, um Autofahrende für den Worst Case vorzubereiten. „Ist das rechtzeitige Abbremsen nicht mehr möglich, sollten Sie eine kontrollierte Kollision mit dem Wildtier zulassen. Dazu halten Sie das Lenkrad fest mit beiden Händen und bremsen rasch und so stark wie möglich ab“, rät der ADAC auf seiner Website. So sei das Risiko für die Fahrenden am geringsten.
Wichtig zu wissen: Wer eine Kollision mit einem Wildtier nicht der Polizei meldet, verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Dann droht ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro.
Der GDV rät Fahrenden nach einem Wildunfall:
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