Altersvorsorge: Doppeltes Raster für Fondspolicen

Von 444 Tarifen sind 40 Prozent spitze, ergab ein neues Altersvorsorge-Rating des Analysehauses Franke und Bornberg. Auch bei reinen Fondspolicen ist die Spitze breit. Doch das Rating lässt Fragen offen. procontra hat nachgehakt.

Der Markt an Produkten zur privaten Altersvorsorge schrumpft: Hatte das Analysehaus Franke und Bornberg (F&B) im Vorjahr noch 650 Tarife in seiner Rating-Bewertung, so sind es 2022 nur noch 444 für private Rentenversicherungen. Allein in der dritten Schicht bekamen 38 Prozent der 272 Rententarife die Bestnote (hervorragend) im Altersvorsorge-Rating 2022.

„Am breitesten ist die Leistungsspitze bei Fondsrenten“, konstatiert F&B-Geschäftsführer Michael Franke. Allerdings macht es die geänderte Rating-Methodik nicht leicht, überhaupt die besten Fondspolicen zu identifizieren. Denn unter den sechs aufgeführten Produktkategorien sind gleich drei, bei denen der Beitrag in Fonds fließt:

Berater müssen für Auswahl tief ins Rating eintauchen

Streng genommen bleibt nur die letzte Kategorie für Berater, deren Kunden sich für eine Fondspolice entscheiden wollen. Die Ergebnisse für fondsgebundene Privatrenten der dritten Schicht gibt es hier (fondsgebundene Basisrente wird gesondert hier bewertet). Ergebnis: Von 111 Tarifen bekamen 50 die Bestnote (hervorragend) und weitere 36 eine sehr gute Note.

Auf dieses Raster können sich Vermittler in der individuellen Beratung jedoch bei der Produktempfehlung nicht verlassen. Sie müssen tiefer gehen, etwa den Kundenwunsch abfragen, ob es eine Fondspolice mit oder ohne Garantie sein soll. Dies wird im Rating-Ergebnis bei F&B jedoch anhand der reinen Tarifbezeichnung oft überhaupt nicht deutlich.

Fondsprodukte doppelt bewertet

procontra hat nachgehakt: Warum wurde die Unterscheidung nach Fondspolicen mit und ohne Garantien nicht gemacht? „Die Unterscheidung haben wir sehr wohl gemacht“, so Franke auf Nachfrage. Des Rätsels Lösung: „Fondsprodukte, die neben der reinen Fondsanlage auch die Möglichkeit einer Garantievereinbarung bieten, haben wir separat noch einmal in einer der beiden Hybrid-Kategorien untersucht.“ Das Produkt werde also doppelt bewertet. „Wir schaffen damit die Transparenz, die von den Versicherern nicht geboten wird“, so Franke.

Der Hintergrund: Viele Tarife kann man mit oder ohne Garantien abschließen – ohne dass sich dadurch die Produktbezeichnung ändert. „Wir machen uns daher den Aufwand und bewerten solche Tarife in den verschiedenen Ausprägungen“, betont Franke. „Es gilt darauf zu achten, ob im vorgeschlagenen Tarif Garantien gegeben werden oder nicht“, erklärt Franke. Bei einem Tarif ohne Garantien könne man das Ergebnis aus der Kategorie „Fonds“ heranziehen, sobald eine Garantie vereinbart wird, muss man sich an die Kategorien „beitragsorientierter Hybrid“ oder „garantieorientierter Hybrid“ halten. Im Zweifel könne der Berater in der Bewertungsrichtlinie nachschauen, welche Kriterien einfließen. „Am besten kann man die Ergebnisse in unserer Angebots- und Vergleichssoftware ‚fb>xpert‘ einsehen“, rät Franke.

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Faire Kalkulation meist nicht erkennbar

Welche fünf Angebote bei Fondsrentenpolicen mit und ohne Garantie hervorstechen, wollte Franke nicht konkret sagen. Das Rating basiere auf den Bedingungswerken und zeichnet damit die transparentesten, flexibelsten und kundenfreundlichsten Tarife aus. „Tarife, die hier die Höchstnote erhalten, stechen per se bereits durch die genannten Eigenschaften hervor“, sagt Franke.

Beobachtet F&B bei Fondspolicen eine faire Kalkulation? Die BaFin hatte ja zuletzt hohe Effektivkosten und Kickbacks bei einigen Angeboten bemängelt. „Zur grundsätzlichen Kalkulation der einzelnen Angebote können wir nicht direkt etwas sagen, da diese immer auch von den im Produkt enthaltenen Features abhängt“, antwortet Franke. Die häufig gezahlten Kickbacks sieht er ebenfalls kritisch, da sie falsche Anreize im Vertrieb schaffen und dem Kunden diese Summen in der Überschussbeteiligung fehlen. Darüber hinaus bestehe genereller Nachholbedarf bei der Offenlegung der Kosten. „Aktuell ist eine Vergleichbarkeit der Produkte so nur schwer möglich“, stellt Franke klar.

Möglichkeiten und Grenzen von Ratings

„Altersvorsorge ist in Krisenzeiten kein Selbstläufer“, warnt Franke. Versicherer müssten mit innovativen Produkten und fairer Kalkulation um Beiträge für ihre Rententarife kämpfen. „Deren hohe Tarifqualität sorgt aber, objektiv betrachtet, für eine gute Ausgangsposition“, so der F&B-Chef. Die Ergebnisse des Ratings erleichterten dafür die Übersicht, lieferten aber stets nur Momentaufnahmen und würden laufend aktualisiert und ergänzt.

Was sind aktuell die Favoriten der freien Vermittler in der privaten Altersvorsorge? Am häufigsten werden Fondspolicen ohne Garantien vermittelt, sagen 57 Prozent der Befragten der Markstudie „Private Vorsorge 2022“ der BBG Betriebsberatung, an der sich 422 Makler und Mehrfachagenten mit beteiligt hatten. Mit Abstand dahinter folgen Fondspolicen mit Garantien mit 44 Prozent der Nennungen. With-Profit- und Unitised-With-Profit-Produkte (24 Prozent) haben indexgebundene Policen überholt (22 Prozent).

Die Top-Anbieter aus Maklersicht

Bei den Top-Anbietern, die nur in drei Produktkategorien ermittelt wurden, zeigt erneut die Allianz ihre Dominanz. Bei Fondspolicen ohne Garantien sind es in dieser Reihenfolge Allianz, Alte Leipziger und Volkswohl Bund, bei Fondspolicen mit Garantien Allianz, Volkswohl Bund und Alte Leipziger.

Die procontra-Umfrage „Maklers Lieblinge 2022“ unter rund 830 Vermittlern ergab: Die unabhängigen Vermittler favorisieren bei Fondspolicen Allianz (9,3 Prozent der Stimmen), LV 1871 (8,5 Prozent) und Volkswohl Bund (7,8 Prozent).

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