Altersvorsorge: Lohnen nachhaltige Aktienfonds?

Mit nachhaltigen Aktienfonds fürs Alter vorsorgen – das wollen vor allem Jüngere. Doch nicht nur die Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen beschäftigt die Vermittler, auch das Produktangebot ist in Sachen Nachhaltigkeit noch wenig transparent.

Die Stiftung Warentest untersucht jeden Monat alle rund 22.200 Investmentfonds und ETF, die hierzulande zum Vertrieb zugelassen und mindestens fünf Jahre am Markt tätig sind, darunter auch weltweit anlegende Aktienfonds und-ETF. Im „Produktfinder Fonds“ sind die Fonds nach ihrem Anlageerfolg eingeteilt (Zugriff kostet einmalig 4,90 Euro bzw. als regelmäßige Flatrate 4,99 Euro pro Monat).

Dazu hat Finanztest die besten aktuell weltweit anlegenden Aktienfonds und -ETF mit dem Finanztest-Siegel „1.Wahl“ ausgestattet. Soll heißen: Diese Fonds eignen sich ohne Wenn und Aber als Basisanlage. An anderer Stelle sind auch Aktienfonds und Aktien-ETF mit mindestens mittlerer Nachhaltigkeit aufgelistet. In die Nachhaltigkeitsbewertung fließen insgesamt 29 Ausschlusskriterien ein. Das Angebot nachhaltiger Aktienfonds ist noch dünn und der Anlageerfolg deutlich schlechter als bei den weniger „nachhaltigen“ Fonds.

Kaum nachhaltige Aktienfonds und -ETF

In der November-Ausgabe hat Finanztest eine Auswahl der nachhaltigen Top-Aktienfonds mit Schwerpunkt Welt vorgestellt. „Der Nachhaltigkeitswert grüner Aktienfonds unterscheidet sich“, schreibt Finanztest. Er hänge davon ab, in welche Wertpapiere die Fonds investieren. Bisher haben die Warentester rund 200 Aktienfonds auf Basis von Ausschlusskriterien, der Strenge der Auswahl, der Einbindung eines Nachhaltigkeitsbeirats und der verwendeten Auswahlstrategien bewertet.

Ergebnis: „Wer konsequent Wert auf Nachhaltigkeit legt, müsste einen aktiv gemanagten Fonds wählen“, so Finanztest. Da entscheiden Fondsmanager, welche Papiere sie ins Portfolio nehmen, und arbeiteten oft mit einem Nachhaltigkeitsbeirat zusammen. „Bei der Wertentwicklung sahen nachhaltige Aktienfonds in den letzten fünf Jahren aber eher schlecht aus“, konstatieren die Tester. Am nachhaltigsten mit akzeptablem Anlageerfolg waren laut Finanztest:

Ideologie statt Analyse: Sparpläne besser?

In einem groben Raster hat Finanztest in diesem Zusammenhang noch die Frage „Sparplan versus Versicherung“ zu beantworten versucht. „Unser Verbraucherschützerherz schlägt eher für Fondssparpläne, sie sind transparenter, kostengünstiger und flexibler“, schreiben die Autoren, ohne stichhaltige Beweise als Vergleich zu nennen.

Der Vergleich unter 29 Fondspolicen-Tarifen von 24 Anbietern, die mit mindestens einem der nachhaltig eingestuften neun Aktienfonds oder -ETF (Welt) bestückt sind, zeigt: Neben oft hohen Gesamtkosten sei die Flexibilität in der Rentenphase verbesserungswürdig. Die Tarifübersichten sind jedoch in vielen Punkten lückenhaft und helfen Beratern wenig bei der Tarifauswahl. Zu Fondspolicen in der Rentenphase hat Finanztest selbst schon bessere Untersuchungen vorgelegt.

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Durch den verengten Blick auf die Kosten überrascht die Wertung nicht: Am günstigsten werden die ETF-Policen von Hannoversche, Europa und Cosmos Direkt beurteilt. Relativ kostengünstig und flexibel gingen die Angebote von Continentale, Volkswohl Bund und WWK durch.

Der Vergleich von Fondspolicen zu Fondssparplänen wird konkret gar nicht geführt. Immerhin erwähnt die Untersuchung, dass Fondspolicen „sich im Einzelfall trotzdem lohnen können“, weil sie mit Steuererleichterungen punkten. Den Vergleich haben Experten wie Finanzanalytiker Volker Looman in der Vergangenheit qualitativ deutlich besser vorgelegt. Im IVFP-Test überzeugten immerhin 27 nachhaltige Fondspolicen.

Nachhaltigkeit bei Vermittlung ausgeblendet

Dass die Nachhaltigkeitsdebatte auch in der Vermittlerbranche selbst angekommen ist, hat Finanztest in diesem Zusammenhang ausgeblendet. Zur Erinnerung: Schon seit dem 10. März 2021 müssen Versicherungsvermittler mit drei und mehr Angestellten angeben, ob die von ihnen vermittelten Versicherungsanlageprodukte Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen und dies auf ihren Websites angeben. Seit dem 2. August 2022 sind alle Versicherungsvermittler verpflichtet, bei der Beratung von Versicherungs- und Kapitalanlageprodukten die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden zu berücksichtigen.

„Was jedoch genau diese Nachhaltigkeitspräferenzen sein sollen und welche Anlageprodukte in Frage kommen, bleibt nach wie vor offen“, sagt Andreas Vollmer, Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). „Zu aller Verwirrung treten die technischen Regulierungsstandards erst im Frühjahr 2023 in Kraft“, so Vollmer weiter.

34f-Vermittler: noch keine Nachhaltigkeitsabfrage 

Fondsvermittler sind im Moment nicht verpflichtet, die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden zu ermitteln, erinnert der BVK mit Verweis auf das Bundeswirtschaftsministerium. „Die Branche steht also vor der absurden Situation, dass 34d-Vermittler verpflichtet sind, Nachhaltigkeitspräferenzen zu ermitteln, sofern sie Versicherungsanlageprodukte anbieten.

Befindet sich aber derselbe Vermittler in der Rolle des 34f-Vermittlers, ist er davon frei, wenn er einen Fondssparplan offeriert“, fasst Vollmer zusammen. Er hat aber „eine begründete Vermutung, dass die Abfragepflicht auch für 34f-Vermittler kommen wird“.

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