Assekurata: Diese Anlagen schließen Versicherer aus

Das Thema Nachhaltigkeit betrifft in der Assekuranz inzwischen maßgeblich auch die Kapitalanlage. Wie die Gesellschaften derzeit mit Ausschlusskriterien umgehen, zeigt eine Umfrage der Assekuranz-Ratingagentur Assekurata.

Einer aktuellen Umfrage des nachhaltigen Versicherungsmaklers Finsurancy zufolge wünschen sich knapp zwölf Prozent der Verbraucher eine nachhaltige Kapitalanlage. Nachhaltige Produkte trauen die Befragten unter zehn zur Auswahl stehenden Versicherern insbesondere der Bayerischen, Nürnberger und Allianz zu.

Dieses grobe Raster taugt wenig zur Analyse des Ist-Zustandes der Kapitalanlage in der Assekuranz. „Die deutschen Versicherer sind mit rund 2,5 Billionen Euro Kapitalanlagen, wenn man bAV einrechnet, entscheidende Player“, sagte BaFin-Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht Frank Grund bereits im Frühjahr.

Nachhaltigkeitsrisiken bedrohen Vermögenswerte

Dazu müssten sich die Versicherer mit relevanten Risikoindikatoren und deren Entwicklung auseinandersetzen. Konkrete Vorschläge dazu enthält das BaFin-Merkblatt zu Nachhaltigkeitsrisiken. Vermögenswerte können von jetzt auf gleich zu „Stranded Assets“ werden, also dramatisch an Wert verlieren, vor allem aufgrund von Nachhaltigkeitsrisiken, so Grund. Er sieht die deutschen Versicherer auf gutem Weg, mit Nachhaltigkeitsrisiken umzugehen. Die Hälfte der Befragten hat ihre Geschäfts- und Risikostrategien bereits angepasst und Nachhaltigkeitsziele formuliert, die übrigen planten dies kurzfristig.

Den größten Einfluss von Nachhaltigkeitsrisiken sehen die Versicherer spartenübergreifend im Bereich der Kapitalanlagen. Dort sind sie auch am weitesten, was die Berücksichtigung der ESG-Faktoren angeht: Gut drei Viertel haben laut BaFin Nachhaltigkeitsrisiken bereits in ihre Kapitalanlageleitlinien und -prozesse integriert.

Bisher kaum Investitionen in nachhaltige Anleihen

Die Branche will Kapitalanlagen insgesamt stärker an Nachhaltigkeitskonzepten ausrichten, wie Ausschlusslisten, Best-in-Class, Engagement und ESG-Integration. Der Anteil dezidiert nachhaltiger Kapitalanlagen ist bei deutschen Versicherern allerdings noch sehr gering: Nur elf Prozent der von der BaFin befragten Versicherer investierten in nachhaltige Anleihen, die erst 1,0 Prozent der gesamten Kapitalanlagen ausmachen.

Die Probe aufs Exempel machte jetzt eine Umfrage der Assekurata Assekuranz-Agentur unter Kapitalanlageverantwortlichen von 32 Versicherern. Ergebnis: 20 Gesellschaften antworteten auch auf die Detailfragen zur Nachhaltigkeit. „Zu den wichtigsten Ausschlusskriterien zählen bei diesen Versicherern solche für umstrittene Waffen, darunter Streubomben, atomare, biologische und chemische Waffen, sowie Menschenrechtsverletzungen“, sagt Assekurata-Analyst Oliver Bentz. „Dabei werden im Regelfall auch keine Umsatzschwellen definiert, so dass diese Sachverhalte rigoros ausgeschlossen werden“, schreibt er in einem Blog-Beitrag.

Heterogenes Bild zur Kohle

Anders sehe es beim dritthäufigsten Ausschluss aus, der Förderung von Kohle bzw. der Energieerzeugung aus Kohle. Dort finden sich bei Umsatzschwellen von 0 bis über 30 Prozent, ehe dieser Bereich von der Kapitalanlage ausgeschlossen wird. Das Meinungsbild der Versicherer hinsichtlich der Bedeutung dieses Energieträgers für die derzeitige Energieversorgung sowie der Dringlichkeit des Ausstieges sei sehr heterogen, meint Bentz.

Wer als Versicherer eine hohe Umsatzschwelle setzt, begleitet den Transformationsprozess bei den Energiekonzernen häufig aktiv und flankiert ihn mit Exit-Plänen, hat Assekurata festgestellt. So werde die Umsatzschwelle des Ausschlusses innerhalb eines festen Zeitrahmens sukzessive gesenkt, um den Unternehmen Zeit für die Umstellung zu geben.

Kontroversen auch zu Gas und Atomkraft

Zu populären Ausschlusskriterien gehören schlechte Corporate Governance, Pornografie, Wetten und Glücksspiel, konventionelle Waffen und Öl. Auch fossiles Gas und Atomkraft spielen trotz der Einstufung innerhalb der EU-Taxonomie als potenziell nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten weiterhin eine größere Rolle.

Auffällig: Innerhalb der vorgegebenen Branchen und Geschäftsaktivitäten haben die Versicherer zu großen Teilen Ausschlüsse definiert, während Screenings seltener zum Einsatz kommen. Letztere werden jedoch häufig im normbasierten Bereich angewandt. So gaben 60 Prozent der Befragten an, ihre Kapitalanlage nach allen zehn Prinzipien des UN Global Compact zu screenen. Weitere 30 Prozent wenden ein Screening nach einzelnen Prinzipien an.

Künftig mehr Staats- und grüne Anleihen

Die Ergebnisse werden durch eine Umfrage des Vermögensverwalters Blackrock unter 370 Managern von global agierenden Versicherern zu deren Investmententscheidungen gestützt. So wollen 46 Prozent der Versicherungsmanager in Europa mehr in Staatsanleihen investieren – 2021 waren es nur 17 Prozent. Besonders gefragt seien in den nächsten ein bis zwei Jahren grüne, soziale oder nachhaltige Anleihen.

Bei den Private Markets fassen 38 Prozent der Anlageentscheider bei Versicherungskonzernen eine höhere Allokation bei Rohstoffen ins Auge. Auch Aktien von Schwellenländern, private Kreditfonds und Unternehmensbeteiligungen via Private-Equity-Fonds stehen global hoch im Kurs. Verstärkt sollen in den kommenden Monaten auch ETF zum Einsatz kommen. Eine Begründung mit Nachhaltigkeitsaspekten gab die Umfrage in diesen Punkten nicht.