Firmen wünschen sich vor allem, ihre bAV einfach und effizient zu verwalten, weiß Stefan Huber. "Grundsätzlich ist die bAV-Einrichtung und -Verwaltung Sache des Arbeitgebers, wobei primär das Arbeitsrecht zu beachten ist“, sagte der Geschäftsführer des Software-Anbieters eVorsorge Systems GmbH vergangene Woche auf der virtuellen 22. bAV-Handelsblatt-Jahrestagung.
Bei den teuren technischen Prozessen im Hintergrund wenden sich Software-Anbieter, Produktgeber und auch große Beratungshäuser wie Aon, Lurse, Willis Towers Watson oder Mercer oft nur an die Arbeitgeber. Der klassische Makler ist nicht selten außen vor. Beispiel: Mit seiner digitalen Administrations-Software vereinfacht Lurse den Verwaltungsaufwand für die bAV auf einer eigenen Plattform. Allerdings ist Lurse kein Software-Lieferant für Makler, sondern bietet Administration für Unternehmen, Versicherer, Fondsgesellschaften und CTA.
Die Suche nach universellen Schnittstellen
bAV-Plattformen, die komplexe Anwendungs-, Beratungs- und Verwaltungssysteme anbieten, ermöglichen Digitalisierung und bauen auf den Vorgaben der Versorgungsordnung auf. „Es geht immer um eine universelle Schnittstelle und medienbruchfreies Arbeiten“, so Huber. Personen- und Vertragsdaten könnten durch den Arbeitgeber via Schnittstelle zum Beispiel in das eVorsorge-Portal eingespielt werden, berichtet Huber.
Tipp für Makler: „Arbeitgeber können selbst auch weitere Benutzer im Portal anlegen und somit beispielsweise spezialisierte Dienstleister, etwa Makler, mit der Pflege und Aktualisierung der Daten oder der Meldung von Änderungen an den jeweiligen Versicherer beauftragen“, weiß der eVorsorge-Chef aus Erfahrung. Dazu startet eVorsorge 2022 eine Kooperation mit der auf bAV spezialisierten Anwaltskanzlei Guse.
Hilfe beim Erstellen der Versorgungsordnung
Dadurch wird auch der Prozess der Erstellung einer bAV-Versorgungsordnung (VO) beim Arbeitgeber in das System verlagert und lückenlos dokumentiert, erklärt Huber. Alle erforderlichen Daten würden künftig bei der Anforderung plausibilisiert abgefragt und sofort an die Kanzlei Guse übermittelt. „Die fertige VO wird über eine Schnittstelle in das eVorsorge-System eingespielt und der Vermittler mittels elektronischen Postfachs und Push-Mail über den Eingang informiert werden“, blickt Huber voraus.
Wie geht es nun weiter in Sachen bAV-Digitalisierung? In Bezug auf versicherungsförmige Lösungen in der Privatwirtschaft haben viele Versicherer Projekte zur Digitalisierung der bAV gestartet, berichtete Huber auf der Fachtagung. „Allerdings wird es noch drei bis vier Jahre dauern, bis die Branche zu 100 Prozent digital zeitgemäß aufgestellt ist“, so der IT-Experte. Bis dahin können bAV-Portallösungen Digitalisierungslücken überbrücken.
Rentencockpit geht weiter als digitale Renteninformation
Ein neues digitales Planungstool für die Altersvorsorgeberatung stellte Christof Quiring, Bereichsleiter Investment- und Pensionslösungen bei Fidelity International, auf der Fachtagung vor. Fidelity-Kunden könnten durch eine Entwicklungskooperation bald vom neuen „Rentencockpit“ der Goethe-Universität Frankfurt/Main (Professor Andreas Hackethal) profitieren. Es sorgt für eine gesamtheitliche Übersicht der Einkommensströme für den Ruhestand.
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Anders als bei der gesetzlichen digitalen Renteninformation werden auch Immobilien erfasst (außer von Selbstnutzern). Eine Konten-Teilung erlaubt auch die Aufnahme der Daten des Partners. Eine direkte Verknüpfung des Cockpits mit dem digitalem bAV-Portal (nicht nur von Fidelity, sofern die Universität dies erlaubt) wird auch die konkrete Erhöhung der Entgeltumwandlung erlauben, direkt und medienbruchfrei. Derzeit arbeite man an der Umsetzung.
Diamond Star Award „bAV 4.0“
Auf der Fachtagung verlieh das Handelsblatt auch seinen „Diamond Star Award 2021“ für wegweisende Innovationen in der Kategorie „bAV 4.0“. Gewonnen hat ein Gemeinschaftsprojekt von Aon, SAP und eVorsorge. Deren digitale Lösung wird den Aufwand für bAV-Verwaltung im Unternehmen um mehr als 50 Prozent reduzieren, heißt es in der Begründung.
Kernstück ist eine Schnittstelle (eingerichtet von eVorsorge), mit der künftig alle bAV-relevanten Personen- und Gehaltsdaten direkt aus dem HR-System an das Portal geliefert werden. Die Weiterverarbeitung erfolgt dann mit Schnittstellenkonformität unter Einbindung der Versicherer. Mitte 2022 soll die Einführung bei SAP starten. „Künftig lässt sich der Datentransfer zwischen dem HR-System und dem jeweiligen Versicherer-System faktisch normieren“, erklärt Huber.
Makler profitieren über Arbeitgeber und Versicherer
In Zukunft dürften damit auch immer mehr klassische bAV-Makler durch Nutzung einer digitalen bAV-Plattform profitieren. Dabei werden alle Beteiligten mit Hilfe der zentralen Technologie-Plattform vernetzt, so dass Information, Beratung, Abschluss, Verwaltung und Überprüfung vereinfacht werden.
Dabei können nun auch die Verträge anderer Versicherer mit verwaltet werden. Beispiel: Versicherer, die ein Modul des eVorsorge-Portals als bAV-Portal für Arbeitgeber nutzen, können dort ein entsprechendes Fremdvertrags- bzw. Fremddatenmodul nutzen – ebenso wie bei Xempus und Allianz Online.
Offene Architektur und zunehmende Portalnutzung
Bekanntlich ist die Aktualisierung der Daten, Hinterlegung von Dokumenten sowie das Handling von Geschäftsvorfällen eine Herausforderung. Das hat der Maklerpool Wifo zu einer automatisch gesteuerten und vollständig digitalisierten bAV-Beratung umgesetzt. „Dabei bleibt der Makler Ansprechpartner in allen Belangen“, versichert Wifo-Geschäftsführer Christian Wetzel.
Laut der Umfrage „Betriebliche Altersversorgung 2021" der BBG Betriebsberatung unter 357 Maklern und Mehrfachagenten kennen 78 Prozent Xempus (früher: xbAV), knapp 50 Prozent Firmen-Online, 19,9 Prozent eVorsorge und 19,4 Prozent ePension. Tatsächlich genutzt werden von den genannten Portalen ganz überwiegend Xempus (60 Prozent) und Firmen-Online (42 Prozent), wobei Mehrfachnennungen erlaubt waren. Allerdings hatten sich zur Portalnutzung weniger als 190 Makler geäußert.
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