Viele Firmen organisieren die Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter in betrieblichen Versorgungswerken. Häufig geschieht das unter dem Dach eines Tarifvertrages, wo sich auch nichttarifgebundene Arbeitgeber anlehnen können, seit der Staat 2002 die Entgeltumwandlung zu fördern begonnen hat. Zu dieser Zeit entstanden auch die heute großen Branchen-Versorgungswerke wie Metallrente und Klinikrente.
Der Metallrente, bei der die Gewerkschaft IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall gleichberechtigte Alleingesellschafter sind, haben sich auch die Stahlindustrie und die Branchen Textil und Bekleidung, IT sowie Holz und Kunststoff angeschlossen. Seit Jahresbeginn führt eine neue Doppelspitze die Geschäfte: Hansjörg Müllerleile (zuvor: Leiter Bosch Pensionsfonds) und Kerstin Schminke (zuvor: Vorstand der IG Metall für Tarifpolitik und bAV).
Jede zwanzigste Betriebsrente ist eine Metallrente
Die Metallrente hat der Zinskrise noch besser als 2020 getrotzt, wie erste Zahlen für 2021 zeigen. Unter dem Dach von Tarifverträgen organisieren gut 50.000 Firmenkunden (+ 2.400) mit fast 860.000 Verträgen (+ 4,5 Prozent) ihre bAV (Stand Ende 2021). Zum Vergleich: Laut GDV hat die gesamte Lebensversicherungsbranche im selben Zeitraum nur 0,6 Prozent Zuwachs an bAV-Verträgen erreicht. Hinzu kommen bei der Metallrente 139.000 Policen privater Absicherung der Arbeitskraft. Somit ist sie mit 999.000 Versicherten (+ 48.000) „weiterhin das größte Branchenversorgungswerk Deutschlands“, betont Geschäftsführer Müllerleile. Jede zwanzigste Betriebsrente in Deutschland sei eine Metallrente.
Damit die Risiken eines so großen Kollektivs auf mehrere Schultern verteilt werden, arbeitet das Versorgungswerk mit einem Konsortium an Versicherern zusammen. Die Bestände werden von den Konsorten Allianz, R+V, Swiss Life, Ergo und Versicherungskammer Bayern (VKB) gemäß ihrer jeweiligen Beteiligung gemeinschaftlich getragen (VKB bislang nur für Arbeitskraftabsicherung, nicht für bAV). In der Regel gehen bei bAV/Riester 60 Prozent der Verträge an die Allianz, dann folgen R+V, Ergo und Swiss Life.
Vertrieb und Kapitalanlage weitgehend in Regie der Konsorten
Auch den Vertrieb (Makler bekommen die im Kollektivgeschäft üblichen Vergütungen) und den überwiegenden Teil der Kapitalanlage übernehmen die Konsorten. Innerhalb der Kapitalanlage gibt es aber auch ein exklusiv für Metallrente von Allianz Global Investors aufgelegtes und verwaltetes Metallrente-Fondsportfolio. „Über die strategische Kapitalanlage wird zweimal jährlich in unserem Kapitalanlageausschuss, dem auch Vertreter von IG Metall und Gesamtmetall angehören, entschieden“, betont Laura Leithold, Leiterin Konsortialmanagement bei der Metallrente.
Beim sicherheitsorientierten Direktversicherungstarif („Profil“) geht die Kapitalanlage zu 100 Prozent in das Sicherungsvermögen der Versicherungspartner von Metallrente ein. Für 2022 ist eine Gesamtverzinsung von 2,80 Prozent deklariert - samt Beteiligung an den Bewertungsreserven und nicht garantierter Schlussüberschüsse am Ende der Laufzeit (2021: 2,75 Prozent).
Beim kapitalmarktnahen Direktversicherungstarif („Chance“) fließt die Kapitalanlage ins Sicherungsvermögen der Versicherungspartner und bis zu 50 Prozent in Aktien und Anleihen (Metallrente-Fondsportfolio). Hier betrug die Gesamtverzinsung 2021 mindestens 2,55 Prozent. Das Neugeschäft mit „Chance“ wurde aber bis auf weiteres gestoppt, weil wegen der Fokussierung auf die Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) und der Absenkung des Rechnungszinses auf 0,25 Prozent „nicht mehr ausreichend hohe Beitragsanteile renditestark in Sachwerte innerhalb des Metallrente-Fondsportfolios investiert werden können“, sagt Leithold auf Nachfrage.
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Metall-Pensionsfonds hat BZML-Garantie bisher übertroffen
Dafür glänzt die Bilanz des Metall-Pensionsfonds. Seit seinem Start 2003 hat der Pensionsfonds eine durchschnittliche Rendite von 5,9 Prozent pro Jahr erzielt (bis Januar 2022: 5,7 Prozent) und ist 2021 um 12.600 Verträge gewachsen ist (2020: + 11.200). In der Kapitalanlage fährt der Metall-Pensionsfonds drei Strategien: (Dynamik: bis Alter von 57), Balance (bis 60) und Sicherheit (bis Renteneintritt). Dies führte bis Ende Januar 2022 zu Segment-Renditen von 5,7 Prozent (Dynamik), 4,0 Prozent (Dynamik) und 3,0 Prozent (Sicherheit) pro Jahr.
Die Anlage erfolgt im „Metallrente-Fondsportfolio“, in Rentenpapieren und im Sicherungsprodukt der Allianz Leben. Wegen der BZML stehen auch im Pensionsfonds zu Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge nach Kosten zur Verfügung. Die Rentenhöhe wird zu Rentenbeginn ermittelt und dann garantiert. Im Schnitt sparen Arbeitnehmer über die Metallrente, die keinen Geschäftsbericht publiziert, 1.218 Euro pro Jahr für bAV bzw. Riester an (2020: 1.201 Euro).
Metallrente steht zu BZML mit 100 Prozent Garantie
Eine rentierliche bAV lässt sich in einer langfristigen Niedrigzinsphase nicht mehr mit 100 Prozent Beitragsgarantie darstellen. Daher wächst der Druck auf die BZML als Zusageart für neue Arbeitsverhältnisse. Der Gesetzgeber wartet noch ab. Inzwischen hat Metallrente-Konsortialführer Allianz in der bAV den Fokus auf die BoLZ gerichtet, die flexibel verschiedene Garantieniveaus ermöglicht. „Allerdings wird die BZML noch in bestehenden Kundenbeziehungen angeboten“, so ein Allianz-Sprecher.
Derweil beharrt die Metallrente weiter auf der BZML, basierend auf den beiden Flächentarifverträgen von 2001 und 2006. „BoLZ-Angebote mit abgesenkten Garantieniveaus stellen aus unserer Sicht nicht die werthaltigste Zusage dar“, meint Müllerleile. Die BZML biete dagegen „weiterhin Rechtssicherheit, Verlässlichkeit und gute Leistungsniveaus“.
Auch das Versorgungswerk Klinikrente verzeichnete 2021 wieder einen starken Zuwachs, ist aber nach Kundenunternehmen und Vertragsstückzahl nur etwa ein Zehntel so groß wie die Metallrente. Wie schon 2020 kamen erneut rund 14.400 Menschen aus der Gesundheitsbranche hinzu. Insgesamt sind nun 5.200 Krankenhäuser, Reha- und Pflegeeinrichtungen Mitglied im Versorgungswerk sind (+ 438). Ende 2021 wuchs der Bestand auf über 115.700 versicherten Personen (+ 13.000), davon 84.000 in der bAV (+ 8.000).
Klinikrente profitiert bei BZML, setzt ansonsten auf BoLZ
Trotz anhaltender Niedrigzinsen deklariert die Klinikrente in der klassischer Direktversicherung und der U-Kasse auch 2022 eine vergleichsweise gute Gesamtverzinsung „von bis zu 2,9 Prozent“ (2021: bis 3,0 Prozent). Um mehr Rendite zu schaffen, ist „Partizipation an den Kapitalmärkten nötig“, sagt Klinikrente-Geschäftsführer Michael Rabes.
Deshalb biete das Versorgungswerk seit 2022 im Rahmen einer BoLZ im Vorsorgekonzept „Chance“ zeitgemäße Garantieniveaus von wahlweise 90, 80 oder 60 Prozent an. „Die BZML gibt es bei der Klinikrente nur noch im Metall-Pensionsfonds“, bestätigt Friedhelm Gieseler, Mitglied der Geschäftsführung. Hintergrund: Unter dem Namen „Klinikrente im Metall-Pensionsfonds“ können seit 2021 auch Beschäftigte im Gesundheitswesen mit dem Metall-Pensionsfonds vorsorgen.
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