In einem Wald wütet ein Brand. Auch ein benachbartes Haus wird Opfer der Flammen. Doch der Waldbrand hat mit dem zerstörten Haus zu tun – es wurde vom Besitzer, der es auf die Versicherungssumme abgesehen hatte, selbst angezündet. Dabei war er jedoch von einer Drohne gefilmt worden – der Betrugsversuch flog auf.
„Wir wissen alle, dass sich Betrugsfälle gerade angesichts von Katastrophen extrem häufen“, schreibt Andrew Enochs vom niederländischen Betrugserkennungsspezialisten Friss in einer aktuellen Meldung des Unternehmens. Demzufolge war allgemein auch angenommen worden, dass während der Corona-Pandemie die Zahl der Versicherungsbetrugsfälle nach oben geht.
Weniger Betrugsfälle in der Pandemie
Doch diese Erwartung lässt sich laut Enochs aus den Unternehmensdaten von Friss der letzten zwei Jahre nicht bestätigen. Stattdessen sei ein Rückgang der weltweit bearbeiteten Schadenfälle zu beobachten gewesen. „Analog dazu war auch die Anzahl der Betrugsfälle rückläufig“, so Enochs.
Während die Welt Stück für Stück in den Normalzustand zurückkehrte, stieg auch die Zahl der Schadenfälle wieder. Die Zahl der Betrugsfälle sank jedoch, „und zwar auf ein Niveau, das unter dem Niveau vor und während der Pandemie liegt“, beobachtet Enochs.
Wie der Rückgang der Betrugsversuche zu erklären ist, lässt sich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Enochs liefert allerdings zwei Erklärungsansätze:
So sei es denkbar, dass die Betrüger ihren Fokus verschoben hätten. „Gelegenheit macht Diebe“, heißt es salopp im Volksmund. Das gleiche gilt auch für Betrüger. „Betrüger wählen immer den Weg, der die beste Gelegenheit und das geringste Risiko bietet“, bemerkt Enochs und vermutet, dass während der Pandemie Betrügereien mit der Abrechnung von Covid-19-Tests schlicht und einfacher attraktiver gewesen sei könnten.
Werden Betrugsfälle seltener erkannt?
Ein weiterer Erklärungsansatz geht davon aus, dass viele Betrugsfälle nicht erkannt worden sind. So hätten viele Versicherer während der Pandemie ihre Arbeitsabläufe umgestellt und digitalisiert – auch die der Sonderermittlungseinheiten. Es sei denkbar, dass auf diese Weise weniger Betrugsfälle aufgeklärt werden hätten können. „Natürlich ist es immer noch etwas anderes, einem Anspruchsteller, der seinen Schadenfall nicht wahrheitsgemäß gemeldet hat, persönlich gegenüberzustehen. Bei der persönlichen Konfrontation gerät das Gegenüber automatisch stärker unter Druck als durch eine virtuelle Ermittlung.“
Spannend bleibt auch zu sehen, ob durch die steigende Inflation der vergangenen Monate die Zahl der Betrugsfälle wieder steigen wird. Über einen deutlichen Anstieg hatte zuletzt die Zurich UK berichtet. In Deutschland sei eine solche Entwicklung bislang aber nicht feststellbar, bemerkte der Branchenverband GDV auf procontra-Nachfrage.

