BU-Versicherungen: 4 Ansätze für nachhaltigere Produkte

Nachhaltige Versicherungsprodukte sind im Kommen, doch im Bereich der Arbeitskraftabsicherung noch rar gesät. Welche Ansätze bieten sich hier überhaupt an? Dieser Frage widmet sich nun eine neue Umfrage von Franke und Bornberg.

Nachhaltigkeit ist auch in der Versicherungsbranche ein gewichtiger Faktor geworden – viele Versicherer haben mehr oder weniger „grüne“ Policen in ihr Angebot gehoben, die das Geld ihrer Kunden nach nachhaltigen Kriterien anlegen, Mehrleistungen beim Kauf nachhaltiger Produkte versprechen oder für jede verkaufte Police einen Baum zu pflanzen.  

Doch wie lässt sich – abgesehen von den oben genannten Ansätzen – auch die Arbeitskraftabsicherung nachhaltig gestalten? Dieser Frage ist das Hannoveraner Ratinghaus Franke & Bornberg nachgegangen und hat dafür im Dezember vergangenen Jahres rund 200 Vermittler nach ihren Ideen, Wünschen und Vorschlägen befragt. 104 von diesen schickten die Fragebögen vollständig ausgefüllt zurück. Der Nachhaltigkeitsaspekt beschränkt sich dabei nicht auf die Beachtung der sogenannten ESG-Kriterien, sondern ist durch den Einschluss von Kriterien wie Transparenz, Flexibilität oder Vorbeugemaßnahmen definiert. Insgesamt vier mögliche Ansätze haben die Analysten von Franke und Bornberg dabei entwickelt.

1.)   Transparenz  

Versicherungsbedingungen sind nicht nur für den Endkunden oftmals ein Buch mit 7 Siegeln – auch für so manchen Experten ist das Fachchinesisch der Versicherer häufig nur schwer nachzuvollziehen. 2016 hatte eine Verständlichkeitsstudie von AMC in Zusammenarbeit mit Communication Lab den Versicherern ein schlechtes Zeugnis ausgestellt – seitdem hat sich offenbar nur wenig verbessert.  

So auch die von Franke und Bornberg befragten Vermittler: Beinahe drei Viertel der Befragten (72 Prozent) bewerteten die Bedingungswerke als nicht transparent. Insbesondere bei der Verständlichkeit scheint es oftmals zu haben – fast 80 Prozent sahen hier Verbesserungspotenzial.  

Damit einher dürfte auch die Verwendung leichterer Sprache gehen, gut 65 Prozent der Vermittler sahen hier noch Luft nach oben. Zu häufig bedienen sich die Versicherer offenbar noch an Bandwurmsätzen und Fachbegriffen. Doch auch mittels Formalia wie einer größeren Schrift lässt sich aus Sicht der Vermittler die Transparenz bereits erhöhen.  

Allerdings wurden auch einzelne Versicherer genannt, bei denen die AVB positiv hervorgehoben wurden, darunter jedoch auch einige Anbieter, die keine BU-Produkte im Portfolio haben. Genannt wurden:

2.)   Vorbeugemaßnahmen  

Der beste BU-Schutz ist der, mit dem die Berufsunfähigkeit überhaupt erst verhindert wird – erste Versicherer haben sich mit Pilotprojekten hier vorgewagt. Ein Ansatz, der aus Maklersicht durchaus interessant ist. „Wenn die Versicherer einen Präventionsbaustein in Produkte für bestimmte Zielgruppen einbauen, zu denen dieser Gedanke auch passt, dann kann es sehr interessant für die Zielgruppenberatung werden“, erklärte der auf Berufsunfähigkeitsversicherungen spezialisierte Makler Guido Lehberg im Gespräch mit procontra.  

Erfolgsversprechend wären aus Sicht der von Franke und Bornberg befragten Vermittler aber vor allem kostenlose Gesundheitschecks des Versicherers. Knapp 60 Prozent der Befragten glauben, dass kostenlose, alle fünf Jahre durchgeführte Gesundheitschecks am ehesten von Kundenseite akzeptiert werden würden. Auch kostenlose Gesundheits- beziehungsweise Fitnessapps sind aus Sicht vieler Vermittler zielführend, ebenso wie kostenloses Rückentraining (jeweils 46,15 Prozent).    

Seite 1: Mehr Transparenz und PräventionSeite 2: Mehr Flexibilität bei den Leistungen

3.)   Reaktivierung  

Die meisten Versicherer dürften die eigene Berufsunfähigkeit wohl als unfreiwillige Zwangspause empfinden. Die Rückkehr ins Berufsleben wird dabei nicht nur persönlich angestrebt, sondern ist auch aus gesellschaftlicher Perspektive zu begrüßen. Die Mehrzahl der befragten Vermittler begrüßt es daher, wenn sich die Versicherer in diesem Bereich stärker engagieren – zwei Drittel der Befragten signalisierten hier volle beziehungsweise eingeschränkte Zustimmung, nur rund 20 Prozent zeigten sich ablehnend.  

Wünschenswert und zweckdienlich ist aus Sicht der Vermittler, wenn der Versicherer die berufliche Umorientierung des berufsunfähigen Versicherungsnehmers finanziell oder aber beratend unterstützt. Dass der Versicherer seinen Kunden bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, beispielsweise dem Lebenslauf unterstützt, findet hingegen keinerlei Unterstützung. „Dabei gäbe es sicherlich in den Personalabteilungen der Häuser hoch qualifizierte Expert:innen zu diesem Thema“, bemerkt Franke und Bornberg.    

4.)   Flexible Leistungen  

Wer berufsunfähig wird, bekommt vom Versicherer eine Berufsunfähigkeitsrente ausgezahlt. Aber muss das so sein? Denkbar wären schließlich auch einmalige Kapitalleistungen oder eine Mischung aus Rente und Kapital.  

Mehr als zwei Drittel der Befragten heißen eine solche Flexibilität gut – schließlich haben sie Kunden, für die solche Leistungen in Betracht kommen. Attraktiv wäre ein solches Modell vor allem für Selbstständige und Freiberufler oder für Menschen, die vor dem Erwerb oder dem Bau einer eigenen Immobilie stehen.  

Nach Auffassung von Franke und Bornberg gibt es somit genügend Ansatzpunkte für die Versicherer, ihre Arbeitskraftprodukte nachhaltiger zu gestalten, insbesondere auch in der Leistungsphase. Ratsam ist es aus Sicht des Analysehauses, Vermittler in die Produktgestaltung mit einzubeziehen.  

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!

Seite 1: Mehr Transparenz und PräventionSeite 2: Mehr Flexibilität bei den Leistungen