Das Frankfurter Maklerunternehmen Clark gab am Dienstag bekannt, die Internetplattform finanzen.de erworben zu haben. Diese gehörte bislang zur Venture-Capital-Gesellschaft der Allianz-Gruppe namens Allianz X. Die Übernahme geht mittels eines sogenannten Anteiltauschs über die Bühne: Dadurch wird Allianz X zum größten Minderheitsgesellschafter von Clark, das erst 2015 von Christopher Oster, Chris Lodde und Marco Adelt gegründet wurde.
Auf finanzen.de können sich Kunden über Versicherungsangebote informieren und werden dabei gleichzeitig an Makler und Finanzberater vermittelt. Clark wiederum bietet seinen Kunden die Verwaltung laufender Verträge von über 160 Versicherern an, die das Unternehmen Algorithmen-basiert für die Kundschaft vergleicht und gegebenenfalls Optimierungsvorschläge liefert. Das Insurtech verkauft selbst keine Policen, sondern versteht sich als Plattform, über die Kunden und Anbieter zueinanderfinden sollen.
Clarks Ziel: Die globale Expansion
Während Clark bisher nur in Deutschland und Österreich aktiv ist und laut Eigenangaben über 300.000 Kunden hat (Stand: Januar 2021), bietet finanzen.de sein Angebot in fünf europäischen Ländern an. An dieser Stelle wolle das Insurtech nachziehen im Sinne einer „deutlichen Beschleunigung der internationalen Expansion“, wie Christopher Oster, CEO von Clark, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) angab. Oster begründet die Übernahme auch damit, dass Kunden nicht nach bestimmten Maklern suchen würden, sondern vielmehr nach einer ganz bestimmten Versicherung wie zum Beispiel Auto- oder Haftpflichtversicherungen.
Durch die Übernahme steigt Clark zum Unicorn auf, wird also mit über einer Milliarde Dollar bewertet, ohne dabei aber an der Börse gelistet zu sein. Clarks direkter Konkurrent, das Insurtech Wefox, wird ebenfalls als Einhorn bezeichnet. Die hohe Bewertung der jungen Firmen sorgen bei Frank Grund, zuständig für die Versicherungsaufsicht bei der BaFin, für Irritation: „Es ist ein klein wenig verwunderlich, dass Leute so viel Geld investieren“, bemerkte Grund kürzlich auf einer Konferenz der Nachrichtenagentur Reuters, über die das Handelsblatt berichtete.
Auswirkungen auf das Kundenangebot?
Aber leidet unter der Zusammenführung des Maklerunternehmens mit dem Versicherer nicht im Zweifel die Unabhängigkeit des Angebots, das Clark für seine Kunden erstellt? Christopher Oster betont gegenüber procontra, man bleibe unabhängig: „Allianz X wird ein Minderheitsgesellschafter wie auch unsere anderen Minderheitsgesellschafter - ohne dabei Sonderrechte zu bekommen. Versicherungsangebote der Allianz werden daher auch nicht bevorzugt.“ Inwiefern diese Unabhängigkeit von der Allianz auch vertraglich abgesichert ist, bleibt ein Geheimnis. Über derlei Details habe man Stillschweigen vereinbart, so der Geschäftsführer.
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