Die Corona-Pandemie hatte messbare Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Nach einer aktuellen Analyse der DAK Gesundheit für die Bundesländer Berlin und Brandenburg, stiegen im ersten Corona-Jahr 2020 in der Hauptstadt die Behandlungen von Kindern und Jugendlichen wegen Alkoholmissbrauch rapide an. In Brandenburg waren bei den Jüngsten vor allem Depressionen auf dem Vormarsch: Rund ein Drittel mehr Mädchen und Jungen als im Vorjahr wurden 2020 deswegen behandelt – die meisten von ihnen waren zwischen zehn und 14 Jahre alt. Die DAK wertete für ihren „Kinder- und Jugendreport“ die Abrechnungsdaten von mehr als 41.000 Kindern und Jugendlichen aus Berlin und rund 40.000 aus Brandenburg aus.
Report offenbart dringenden Handlungsbedarf
Eindeutiges Fazit aus beiden Bundesländern: Die psychischen Belastungen sind seit dem ersten Coronajahr 2020 größer geworden. So erhöhte sich die Anzahl der Fünf- bis Neunjährigen, die in Brandenburg erstmals wegen einer Depression behandelt werden mussten, um 30 Prozent; bei den Zehn- bis 14-Jährigen um 33 Prozent. Die Neuerkrankungsquote bei den Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren blieb hingegen unverändert. „Der Report ist ein Alarmsignal und offenbart einen dringenden Handlungsbedarf in vielen Facetten der Kinder- und Jugendgesundheit im Land“, erklärte Anke Grubitz, Leiterin der Landesvertretung Brandenburg, in der Pressemitteilug der DAK.
Die tatsächliche Gesundheitssituation der Kinder und Jugendlichen könnte allerdings sogar noch dramatischer ausfallen, als es der Report offenbart. So sagte die Kinder- und Jugendpsychologin an der Berliner Humboldt-Universität, Julia Asbrand, gegenüber der dpa: Die Dunkelziffer bei psychischen Erkrankungen sei hoch, die Stigmatisierung in Deutschland immer noch „ein ganz großes Problem“. „Da ist noch Luft nach oben, wir müssen ganz viel Aufklärung betreiben.“
Neben psychischen Erkrankungen nahmen in Brandenburg vor allem auch die Adipositas-Fälle zu: 2020 litten 34 Prozent mehr Grundschulkinder unter Übergewicht als 2019. „Wir sehen Kinder und Jugendliche, vor allem aber Kinder, die innerhalb eines Jahres 20 oder 30 Kilo zugenommen haben – zum Beispiel durch Bewegungsarmut und falsche Ernährung", erklärte Detlef Reichel, Landeschef des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendmedizin, im dpa-Gespräch. Nach seiner Einschätzung würden die Zahlen im Zuge der Pandemie noch weiter steigen. Allerdings seien diese Konfliktfelder nicht erst durch Corona entstanden.
Hoher Suchtmittelmissbrauch in Berlin
War der Suchtmittelmissbrauch unter Kindern und Jugendlichen in Brandenburg rückläufig, zeigte sich in der Hauptstadt ein entgegengesetzter Trend: Der Anteil der jungen Menschen zwischen 15 und 17 Jahren, die wegen erheblichem Alkoholkonsum im Krankenhaus behandelt werden mussten, erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent. Bundesweit ging die Behandlungshäufigkeit in dieser Altersgruppe um 28 Prozent zurück.
Auch in puncto Adipositas lag die Hauptstadt über dem Bundesdurchschnitt. Bei den Kindern zwischen fünf und neun Jahren überstieg die Neuerkrankungsrate die des Vorjahres um 21 Prozent. Je älter die Kinder, umso gesünder ernährten sie sich offenbar: Bei den Zehn- bis 14-Jährigen reduzierte sich die Rate um vier Prozent. Dabei litten Jungen deutlich häufiger unter starkem Übergewicht als Mädchen.
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