Die Mehrheit der Anbieter (47 Prozent) und Spezialvermittler (78 Prozent) von Cyberversicherungen in Deutschland (68 Prozent) bewertet die aktuelle Marktlage als „eher stark“. Vor zwei Jahren hatten 68 Prozent die Lage noch als schwach eingeschätzt. Mittelfristig erwarten 64 Prozent der Versicherer und 100 Prozent der Großmakler eine starke oder sehr starke Marktentwicklung.
Dies ist ein Ergebnis der gemeinsamen Studie „Quo vadis Cyber-Insurance 2021?“ des Analysehauses Assekurata und der Kommunikationsberatung Instinctif Partners nach Anfrage bei aktuell 40 Anbietern von Cyberdeckungen (Erst- und Rückversicherer) sowie 19 Groß- beziehungsweise Spezialmaklern, von denen insgesamt 26 geantwortet haben.
Es ist die zweite Umfrage beider Firmen nach 2019 zur Entwicklung des Marktes von Cyberversicherungen. Im Fokus standen weniger Produktfeatures, sondern Fragen zur Marktentwicklung und wesentlichen Einflussfaktoren für eine erfolgreiche Marktpositionierung. „Auf Goldgräberstimmung folgt Professionalisierung“, sagte Hubert Becker von Instinctif Partners in einem virtuellen Fachgespräch zur Vorstellung der Ergebnisse am Montag.
Wenig harte Fakten zum Cybermarkt
Im Markt werden aktuell 42 Versicherer mit Cyberangebot ausgemacht. Das Prämienvolumen 2020 lag bei rund 110 Millionen Euro (GDV-Schätzung). Von Marktdurchdringung kann noch keine Rede sein, obwohl laut Studie etwa 64 Prozent der Unternehmen eine Cyberdeckung besitzen. Die Zahl der Verträge (Industrie, Gewerbe und Privatkunden) stieg von 50.000 im Jahr 2018 auf geschätzte 125.000 im Jahr 2020.
Dass die Erwartungen von Versicherern vorsichtiger als die von Spezialmaklern sind, mag an den Unwägbarkeiten der noch jungen Cybersparte liegen. Während die Nachfrage weiter steigt, sind die Kapazitäten insbesondere im Bereich der Industrie schon von ersten Engpässen geprägt. Hintergrund: Derzeit bewerten nur rund 40 Prozent der Erst- und Rückversicherer die Profitabilität als gut oder sehr gut, weitere 40 Prozent als befriedigend, aber 13 Prozent auch mangelhaft.
Fast vier von fünf Versicherern (79 Prozent) beobachten steigende Schadenzahlen. Eine mittelfristige Erhöhung der Beiträge wird dadurch immer wahrscheinlicher. Hielten 2019 noch 44 Prozent der befragten Anbieter die Beiträge für langfristig auskömmlich, sind es jetzt nur noch 14 Prozent.
Steigende Nachfrage, steigende Preise?
Die Nachfrage nach Cyberdeckungen ist seit 2019 vor allem im Industriesegment gestiegen. Hier sehen 80 Prozent der Anbieter eine steigende Nachfrage; im Bereich KMU/Gewerbe sind es 54 Prozent, im Privatsektor nur 20 Prozent. „Da das Gefahrenpotential nicht schrumpft, kann sich das Angebot an verfügbarer Deckungskapazität vor allem für Industrierisiken als Engpass herausstellen“, prognostiziert Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.
„Die größten Motivatoren für den Abschluss einer Cyberdeckung sind weiterhin konkrete Schadenerfahrungen (86 Prozent), inzwischen gefolgt von der öffentlichen Berichterstattung über Cybervorfälle (81 Prozent)“, sagt Becker. 2019 lagen diese Werte noch bei 63 beziehungsweise 41 Prozent.
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IT-Forensik als wichtigste Assistance-Leistung
Generell sind Assistance-Leistungen – also die technische und rechtliche Unterstützung sowie das Krisenmanagement und die Krisenkommunikation – bei Cybervorfällen ebenfalls ein wichtiger Treiber für Cyberschutz, sagen 62 Prozent der Befragten (2019: 56 Prozent). Die wichtigste Unterstützungsleistung ist dabei laut Studie die IT-Forensik. Bei den meisten Befragten werden diese Leistungen in 42 Prozent der Versicherungsfälle in Anspruch genommen.
Deutlichen Einfluss auf die Nachfrage hat laut Studie auch die Corona-Pandemie. Der Digitalisierungsschub und Ausbau mobilen Arbeitens dürften dafür verantwortlich sein. In vielen Branchen steigt hierdurch die Risikoexposition, was sich positiv auf den Absatz von Cyberschutz auswirkt. So gehen 76 Prozent der Versicherer und 89 Prozent der Vermittler davon aus, dass die Nachfrage durch die Pandemie gestiegen ist.
Was auf Vermittler zukommt
Vermittler sind mit Hilfe von Versicherern verstärkt gefragt, gemeinsam mit ihren Firmenkunden geeignete Lösungen für das Risikomanagement aufzubauen. Die Mehrzahl der Versicherer (71 Prozent) sieht spezialisierte Vertriebe im Vorteil, die tief in die Fachlichkeit der Problemstellung und der AVB einsteigen. Weitere Details nennt die Studie, die gratis bei Assekurata bestellbar ist.
Allerdings glauben nur 36 Prozent der Anbieter, dass ihre Standard-Vertriebswege über ausreichendes Know-how verfügen, um Cyberpolicen vermitteln zu können. Insgesamt folgten die Vertriebswege von Cyberversicherungen den „klassischen“ Strukturen: Im Privatkunden-Segment dominiert der Vertriebsweg Ausschließlichkeit, gefolgt vom Maklervertrieb, im Segment KMU/Gewerbe liegen Ausschließlichkeit und Maklervertrieb in etwa gleichauf und in der Industrie dominiert der Maklervertrieb.
Was andere Untersuchungen zeigen
Laut der BBG-Studie „Gewerbliches Schaden-/Unfallgeschäft 2020“ bleibt die Bedeutung der Schaden- und Unfallversicherung in Deutschland überproportional hoch. Dabei scheinen gewerbliche Cyberpolicen an Bedeutung zuzulegen (von 27,5 Prozent 2019 auf 34,1 Prozent 2020). Vier von fünf Maklern haben bereits Cyberpolicen vermittelt (2019: 71 Prozent).
Nach Angaben der Gothaer KMU-Studie 2021 haben allerdings erst 16 Prozent der Unternehmen eine Cyberversicherung. Dabei sind Hackerangriffe weiter die größte Sorge der für Versicherungen zuständigen Mitarbeiter in den KMU. 46 Prozent der Befragten sehen in einem Angriff auf die Firmen-IT das meistgefürchtete Szenario (Vorjahr: 44 Prozent). Größer könnte der Widerspruch zwischen Angst und Absicherung beinahe nicht sein.
Kürzlich hatte Assekurata gewerbliche Cybertarife untersucht. Von elf Angeboten schnitten drei Tarife sehr gut ab (Cogitanda, Hiscox und Allianz). Die Gothaer wurde nicht untersucht. Ein weiteres Ergebnis: Beim Versicherungsschutz müssen Makler bei Absicherung privater IT im Homeoffice-Einsatz ganz genau hinsehen. „Ein Angriff auf einen Firmenlaptop ist bei der gewerblichen Cyberpolice abgesichert, bei privaten Geräten muss allerdings auf die Bedingungen geachtet werden“, warnt Assekurata.
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