Der Zinsanstieg und seine Folgen für die Lebensversicherung

Infolge der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges klettert die Inflation sprunghaft auf Rekordwerte. Die Zinsen steigen und auch die Kreditrisikoprämien weiten sich deutlich aus. Damit erhöhen sich die Einstandsrenditen, was zunächst für Lebensversicherer und deren Kunden eine gute Nachricht ist. Allerdings kam der Umschwung sehr rapide. So stieg zum Beispiel die Rendite des 10-jährigen Bundes seit Jahresbeginn um 170 Basispunkte (Stand 30.06.2022). Und die Entwicklung scheint sich fortzusetzen, wollen die Notenbanken doch nach einem eher zögerlichen Vorgehen zu Beginn in diesem Jahr noch weitere Zinsschritte zur Bekämpfung der Inflation folgen lassen.
Für die Lebensversicherer ergeben sich hieraus vielfältige Effekte. Positiv ist die Wirkung auf die Sicherheitslage, denn die Solvenzanforderungen sinken, was bereits heute in steigenden Solvenzquoten zu sehen ist. Diese Entwicklung sollte sich fortsetzen. Bereits auf dem jetzigen Zinsniveau muss die Branche kaum beziehungsweise keine Zuführungen zur Zinszusatzreserve mehr leisten. Vielmehr sind branchenweit schon Entnahmen zu erwarten.
Da der Zinsanstieg aber zu deutlichen stillen Lasten bei den festverzinslichen Wertpapieren führt, sind Hoffnungen auf höhere Überschüsse und Gewinnbeteiligungen verfrüht. Viele Versicherer werden geneigt sein, die Lasten bilanziell eher zu verarbeiten, als Überschüsse an die Kunden auszuschütten. Wachstumsimpulse sind daraus nicht abzuleiten. Zudem dürften Inflation, Pandemie und geopolitisches Umfeld die Absatzchancen trüben. Die Erholung an den Zinsmärkten wird sich somit erst mittelfristig für den Lebensversicherungskunden bezahlt machen.
