Was glauben Sie: Wie alt werden die heute geborenen Mädchen und Jungen in Deutschland? Wenn Sie jetzt eine Zahl zwischen 81 und 85 Jahren angegeben haben, denken Sie wie die meisten Menschen hierzulande und liegen damit: ziemlich daneben. Tatsächlich wurde die eben genannte Höhe der Lebenserwartung bereits in den 1970er Jahren erreicht. Gegenwärtig werden Neugeborene im Durchschnitt zwischen 90 (Jungen) und 93 (Mädchen) Jahre alt. „Die Fortschritte in der Lebenserwartung sind im Bewusstsein vieler Menschen noch nicht angekommen“, sagt Peter Schwark, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Versicherungsverbandes GDV.
Eine aktuelle Umfrage, die im Februar dieses Jahres unter über 1.000 Teilnehmern im Auftrag der GDV-Initiative „7 Jahre länger“ vorgenommen wurde, offenbart die Kluft zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit: Während knapp ein Drittel (29 Prozent) der Befragten glaubt, dass neugeborene Mädchen in Deutschland durchschnittlich 80 bis 85 Jahre alt werden, geht die Mehrheit (42 Prozent) von einem Durchschnittalter von 85 bis 90 Jahren aus. Das sind zwischen dreizehn und drei Jahre zu wenig. Ein gleiches Bild zeigt sich bei den Schätzungen zur Lebenserwartung für neugeborene Jungen: Ein Drittel (33 Prozent) geht davon aus, dass sie den 80. Geburtstag nicht mehr erleben werden, 40 Prozent prognostizieren immerhin ein Alter zwischen 80 und 85 Jahren. Im Mittel geben die Befragten ein Durchschnittalter von 81 Jahren an und liegen damit neun Jahre daneben.
Der Grund: Viele beziehen sich in ihrer Schätzung auf die Erfahrungen, die sie in Bezug auf das erreichte Alter mit ihren Eltern und Großeltern gemacht haben. Sie nehmen also die falschen Bezugsgrößen, denn: Jede Generation lebt im Schnitt circa fünf Jahre länger als die vorherige.
Verkalkuliert und arm im Alter
Der Zugewinn an Lebenszeit wird bereits seit den 1950er Jahren massiv unterschätzt, erklärt der GDV: Dieser liege bezogen auf beide Geschlechter bei rund 16 Jahren. Das können sich aber offenbar nur neun Prozent der Befragten vorstellen. Die meisten gehen von einem Zugewinn der Lebenszeit von sieben bis zwölf Jahren aus. Nur 13 Prozent vermuten, dass die heute geborenen Mädchen einhundert Jahre alt werden. Tatsächlich liegt dieser Wert aber bei 24 Prozent, bei Jungen sind es 17 Prozent, wobei sich das aber nur neun Prozent der Befragten vorstellen können.
Diese konsequente Fehleinschätzung der Lebenserwartung könnte zum Problem werden: Schließlich sollte der Plan zur Altersvorsorge auch vor dem Hintergrund der statistischen Lebenserwartung aufgesetzt werden. Wer aber stets davon ausgeht, früher zu sterben, könnte am Ende zwar alt, aber arm enden. Nicht ohne Grund setzt sich der GDV dafür ein, dass ab 2023 die Renteninformationen auch einen Hinweis auf die individuelle Lebenserwartung, abhängig vom jeweils aktuellen Alter, enthalten. So solle der Gefahr, dass die Deutschen nicht ausreichend für ihren Lebensabend vorsorgen, vorgebeugt werden.
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