Die gute Nachricht: Vom E-Auto zum Solarfahrzeug

Die E-Autobranche boomt - und damit auch die Nachfrage nach Batterien. Doch deren Herstellung ist umweltschädlich, aufwendig und dafür nötige Mineralien werden durch Kinderarbeit abgebaut. Dabei gibt es eine ökologische und sozial-verträgliche Alternative, die an Fahrt gewinnt.

Die gute Nachricht: BaFin erleichtert Kontoeröffnung für ukrainische Geflüchtete Bild: picture alliance/Zoonar DesignIt

Ukrainische Geflüchtete soll der Alltag in Deutschland vereinfacht werden. Eine Hürde bestand bisher in der Eröffnung eines Girokontos. Bild: picture alliance/Zoonar DesignIt

Der Boom um Elektroautos kennt auch hierzulande kein Halten. Erst vor Kurzem vermeldete die R+V einen deutlichen Zuwachs der Kfz-Vertragszahlen von Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen. Um ganze 61 Prozent sei demnach die Nachfrage gestiegen. Rund 100.000 Besitzer von alternativ betriebenen Fahrzeugen haben aktuell bei dem Versicherer einen Vertrag abgeschlossen. „In diesem Jahr ist die Nachfrage in die Höhe geschossen“, sagt Jan Dirk Dallmer, Leiter Kraftfahrtversicherungen bei der R+V. Allein im Oktober 2021 wurden hierzulande 30.560 Pkw mit reinem Elektroantrieb zugelassen. Kurz: E-Autos liegen im Trend. Und das bietet auch für die Versicherungsbranche eine gute Gelegenheit, auf Spezialisierungen zu setzen: „Spezieller Versicherungsschutz für Elektro- und Hybridfahrzeuge wird sich durchsetzen und zu einem wichtigen Qualitätskriterium entwickeln“, sagt Michael Franke, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Ratingagentur Franke und Bornberg.

Einziger Wermutstropfen: die Batterien, mit denen die Autos angetrieben werden. Zum einen stehen sie aus ökologischen Gründen in der Kritik, die Produktion der Lithium-Ionen-Batterien ist aufwendig, umweltschädlich und steht unter dem Vorwurf von Kinderarbeit. Darüber hinaus gibt es auf dem Elektroauto-Markt wahre Stromfresser und auch die Reichweite ist nach wie vor ein Thema. Und: Öffentliche Ladesäulen ermöglichen die Nutzung eines E-Autos vor allem in Großstädten, auf dem Land sieht das noch ganz anders.

Aber wie lassen sich die Probleme lösen? Ganz einfach: indem die Autos den benötigten Strom selbst erzeugen, nämlich durch Photovoltaik-Module. Die Idee stammt bereits aus den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, als der Ingenieur William Cobb ein kleines Modell eines Solarautos präsentierte. Seitdem ist viel passiert. 2011 umrundete ein Team der Hochschule Bochum mit einer solarbetriebenen Limousine die Welt, heißt es in einem Bericht der Tech-Medienplattform 1E9. Knapp 30.000 Kilometer legten die Tüftler dabei zurück.

Das niederländisches Solar Team Eindhoven wiederum präsentierte vor zwei Jahren ein in der Form eines Wassertropfens designtes Familienauto, das letztlich dermaßen viel Strom produzierte, dass es damit sogar andere E-Autos versorgen konnte. 2021 stellten die Vordenker ein 1,7-Tonnen-schweres Haus auf Rädern vor, dessen Dachfläche mit Solarzellen bedeckt war und das dadurch über 700 Kilometer an nur einem Tag zurücklegen konnte. Zum Vergleich: Die größte Reichweite schafft derzeit, laut ADAC, der Ford Mach-E mit maximal 610 Kilometern und einer der größten Batterien auf dem Markt mit 98,7 Kilowattstunden. Allerdings sind diese sehr großen Batterien teuer in der Anschaffung und weisen eine schlechte Ökobilanz auf.

Solarautos in Serie produziert

Immer mehr Start-ups nehmen sich des Themas an: Das Münchener Unternehmen Sono Motors plant, ab 2023 einen sonnenbetriebenen Kleinwagen namens Sion mit integrierten Solarzellen im Dach, auf der Fronthaube, in den Türen, der Heckklappe und an der Seite in Serie produzieren zu können. Damit komme das Solarauto auf 305 Kilometer bei einer Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern. Fährt er allerdings mit Sonnenenergie, schafft der Sion nur maximal 35 Kilometer. Nach Angaben des Unternehmens gebe es jetzt schon über 16.000 angezahlte Reservierungen. Die Produktion von entsprechenden Bussen, Anhängern, Lastwagen, Zügen und Booten stehe ebenfalls auf der Agenda des bereits an der Börse gelisteten Unternehmens. Der vermutete Börsenwert des Start-ups liegt, laut Capital, bei etwa zwei Milliarden Dollar.

Und wen die Optik der Solarzellen stören sollte: Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme forscht derzeit an Solarzellen, die sich nahezu unsichtbar in die Karosserien von Autos einfügen lassen. Andere Forschenden entwickeln derzeit, laut dem Portal 1e9, transparente Solarzellen, die in Front-, Heckscheiben und Seitenfenster integriert werden könnten.

Die neuen Entwicklungen werden nicht von allen Experten euphorisch aufgenommen. Immer wieder gibt es Unkenrufe, solarzellenbetriebene Autos würden ein Nischenprodukt bleiben, so der als „Autopapst“ bekannt gewordene Ferdinand Dudenhöffer gegenüber n-tv, und könnten höchstens die bisherige Technik ergänzen. Doch selbst wenn es letztlich auf eine Kombination aus Batterie- und Photovoltaik-Technik hinauslaufen sollte: Allein die Anzahl der Ladevorgänge können so reduziert werden, was wiederum die Lebensdauer der verbauten Batterien erhöhen würde.

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