Ernährungsfonds – Rendite auf dem Esstisch?!

Während weltweit die großen Börsenindizes abstürzen, befinden sich etliche Agrar-Aktien im Höhenflug. Die entsprechenden Branchenfonds sind auch auf lange Sicht attraktiv.

Die Ukraine gilt als die „Kornkammer Europas“. Das Land zählt zu den größten Weizenexporteur der Welt. Daher überrascht es nicht, wenn wegen des Kriegs der Weizenpreis Anfang März um 65 Prozent in die Höhe geschnellt ist. Welche Folgen die Verteuerung für die Brotpreise in Europa und weltweit haben, bleibt abzuwarten. Erfahrungsgemäß reagieren Landwirte anderswo auf der Welt auf höhere Preise, indem sie ihr Angebot ausweiten, so dass sich die Lage zumindest bei den Preisen wieder entspannt.

Wachsende Weltbevölkerung

Bereits in den vergangenen Jahren sind die Preise für die Grundnahrungsmittel Weizen, Reis und Mais kräftig gestiegen. Experten zufolge liegt das auch an der wachsenden Weltbevölkerung. Gemäß einer Projektion der Vereinten Nationen leben im Jahr 2050 rund zwei Milliarden Menschen mehr auf der Erde. Heute sind es schätzungsweise 7,7 Milliarden Menschen. Enorme Investitionen seien notwendig, um alle Erdenbürger ausreichend, gesund und nachhaltig mit Nahrung zu versorgen. Das dies heute trotz ausreichender Ressourcen nicht gelingt, liege oft an der Verteilung und dem Zugang.

Laut Welternährungsbericht leiden 2,3 Milliarden Menschen an mangelnder beziehungsweise ungesunder Ernährung. Gleichzeitig seien 1,9 Milliarden Menschen übergewichtig oder fettleibig. Zudem beanspruche die Lebensmittelproduktion sehr große Land- und Wasserressourcen. Daher müsse die Produktion von Nahrungsmittel nachhaltiger erfolgen. Kurzum: Das Thema Ernährung ist ein wichtiger Schlüssel zur Lösung der sozialen und ökologischen Herausforderungen. Und Anleger können in diesen Bereich investieren, ohne dabei mit knappen Ressourcen zu spekulieren.

Keine Spekulationsgeschäfte

Auf Letzteres weist Armin Sabeur, Vorstand und Portfoliomanager beim Fondsanbieter Optinova, ausdrücklich hin: „Auf Spekulationsgeschäfte in Nahrungsmitteln verzichten wir aufgrund der sozialen Folgen, die aus Preisschwankungen entstehen können, vollständig.“ Und weiter: „Die Rendite des Optinova Food, Farming & Water soll vielmehr durch erfolgreiche Unternehmen, technische Fortschritte sowie die erfolgreiche Versorgung möglichst vieler Menschen mit Nahrungsmitteln und Wasser getrieben werden.“ Das Sondervermögen wurde erst Anfang November 2021 aufgelegt und ist daher nicht in der nebenstehenden Tabelle aufgeführt.

Sabeur nennt drei Beispiele aus dem Fondsportfolio: Ingredion, ein US-amerikanischer Anbieter von Stärkeprodukten, Süßstoffen, Nahrungsergänzungsmitteln und Biomaterialien. Dann Trimble, ein Hersteller von geodätischen Messinstrumenten unter anderem für die Landwirtschaft. Das Unternehmen sei ein führender Anbieter von Satellitenortungssystemen, wie sie bei der automatischen Steuerung von Traktoren zum Einsatz kämen. Im Bereich Wasser wiederum sei der Fonds in Metawater investiert. Das japanische Unternehmen beschäftige sich hauptsächlich mit Planung, Bau, Reparatur und dem Management von Wasseraufbereitungs- und Kläranlagen. „Insgesamt“, so Sabeur weiter, „versuchen wir den gesamten Ernährungsbereich abzudecken, von traditionellen Lebensmittelherstellern bis zu innovativen Technologieunternehmen.“

Höhere Getreidepreise

Einen ordentlichen Track Record weist der von Stephan Werner gemanagte DWS Invest Global Agribusiness auf. Werner begründet den guten Lauf so: „Die Fundamentaldaten der Agrarwirtschaft haben sich auf ein Niveau verbessert, das in den letzten acht Jahren nicht erreicht wurde. Wir gehen davon aus, dass in dieser Saison Farmer in den USA das stärkste Nettoeinkommen seit 2013 haben werden, was auf höhere Getreidepreise und staatliche Hilfe für US-Landwirte zurückzuführen ist.“ Zudem profitierten die Bauern von einer erhöhten Nachfrage nach Mais und Sojabohnen aus China.

Nach Auffassung von Werner sind die Bewertungen von Agribusiness-Unternehmen auf einem attraktiven Niveau und Agar-Aktien könnten als Inflationsschutz dienen. Im Fondsportfolio befänden sich Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Anbau bis hin zum Produkt im Supermarkt. Idealerweise verfügten die Gesellschaften über einen hohen Marktanteil und eine starke Preissetzungsmacht. Bei einem Blick in die Top-Positionen finden sich die Düngemittelhersteller Nutrien (Kanada) und CF Industries Holdings (USA), der US-amerikanische Nahrungsmittel- und Agrarkonzern Archer-Daniels-Midland, dessen Aktienkurs auf einem Allzeithoch notiert, sowie FMC, ein Hersteller unter anderem von Pflanzenschutzchemikalien und Biokunststoffen.

Notwendiger Wandel

Eine weitere Investmentmöglichkeit ist der Pictet Nutrition. Simon Frank, Senior Investment Advisor bei Pictet Asset Management, geht auf Anfrage auf die oben beschriebenen sozialen und ökologischen Herausforderungen ein. „Unsere Ernährungssysteme müssen den Zugang zu, die Qualität und die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln verbessern und Unternehmen, die in diesen Bereich Lösungen anbieten, sollten von diesem strukturellen Wandel profitieren können.“ Viele Konzepte für den dringend notwendigen Wandel liegen auf dem Tisch – sie müssten nur angewandt werden. Immerhin: Zahlreiche Regulierungen sowie Veränderungen im Konsumentenverhalten zeigten langsam Wirkung, wie zum Beispiel der Boom bei Fleischersatzprodukten belege. Insgesamt könnten Anleger im Bereich Ernährung konservativ in Aktien investieren und aufgrund der stetigen Wachstumsperspektiven positive Renditen erwarten.

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