Fondsgebühren im Sinkflug

Die Fondsgebühren sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen, zeigt eine aktuelle Studie. Während die Niederlande und Australien besonders anlegerfreundlich sind, schneidet der deutsche Markt nur durchschnittlich ab.

Fondsanleger freuen sich aktuell über sinkende Kosten in vielen Märkten: Besonders anlegerfreundliche Märkte in Bezug auf Gebühren und Kosten sind dabei derzeit Australien, die Niederlande und die USA. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Global Investor Experience“ des Analysehauses Morningstar. In dem Bericht werden die Erfahrungen von Fondsanlegern in 26 Märkten in Nordamerika, Europa, Asien und Afrika hinsichtlich der Gebühren und Kostenquoten bewertet.

Demnach haben die drei genannten Länder sogar zum vierten Mal in Folge am besten abgeschnitten. Pauschalgebühren für Fonds werden in Australien, den Niederlanden und in den USA nicht erhoben, Provisionen sind ebenfalls nicht üblich, wodurch die Kosten für Anleger insgesamt geringer ausfallen. Italien und Taiwan hingegen haben indessen schlechte Noten erhalten, da die Gebühren und Kosten für Anleger besonders hoch sind. Deutschland hat hinsichtlich der Kostenbelastung „durchschnittlich“ abgeschnitten. Hier speisen sich die Kosten für die Anleger aus den Ausgabenaufschlägen und den Bestandsprovisionen. Gerade in Bezug auf Aktienfonds seien die Kosten aber auch hierzulande gesunken.

Der allgemeine Trend ist klar erkennbar: Für Fondsanleger sinken die Gebühren in vielen Märkten und das bereits seit 2019. „Das ist darauf zurückzuführen, dass Gelder in günstigere Fonds fließen und die Preise vorhandener Anlagelösungen überarbeitet werden“, erklärt Grant Kennaway, Head of Manager Selection bei Morningstar und Mitautor der Studie. Der Kampf um die Kunden wird dabei immer härter: Die Gebühren einiger Indexfonds und ETF seien vor diesem Hintergrund bereits komplett weggefallen.

Je nach Vergütung: Aktiv oder passiv?

Wie sich die Nachfrage nach den Produkten entwickelt, hängt auch damit zusammen, wie diese an die Verbraucher gebracht werden: Wo Kunden für die Beratung ein Honorar bezahlen, wie beispielsweise in den USA und Australien, wird verstärkt in kostengünstige Anlagen, beispielsweise ETF, investiert. Berater nehmen hier eher Abstand davon, kostspielige Anteilsklassen zu empfehlen, weil durch sie die Gebühren für Beratung und Vertrieb steigen.

Handelt es sich hingegen um Länder, in denen vorwiegend Banken die Finanzprodukte an die Verbraucher bringen, ist eine Kostensenkung für die Kunden indes nicht zu beobachten. Deswegen werden in Taiwan, aber auch Italien und Hongkong statt günstigerer lokaler Fonds weiterhin eher teure Offshore-Fonds verkauft.

In europäischen und asiatischen Märkten werden darüber hinaus üblicherweise laufende Provisionen verlangt, was zu Fehlanreizen führen könne, „von denen der Vertrieb, vor allem Banken, mehr profitiert als die Anleger“, so Kennaway. Fehlen Vorschriften zur Begrenzung von Ausgabeaufschlägen und Bestandsprovisionen, müssen viele Anleger unter Umständen für eine Beratung zahlen, die sie weder wollen noch erhalten, erklärt das Analysehaus.

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