Geldanlage: Mehr (Infra)Struktur im Depot

Investments in Infrastruktur trotzen der Krise und bringen Eigenschaften mit, die der anhaltenden Inflation stabil entgegenstehen. Entsprechend wachsen auch die Möglichkeiten für Privatanleger.

Es gibt eine Aktiengattung, die allen aktuellen Krisen zum Trotz gut performt: Börsennotierte Infrastrukturwerte. „Sie hatten ein sehr starkes Jahr 2021 und auch im bisherigen Jahresverlauf schnitten sie deutlich besser ab als die breiteren globalen Aktienmärkte“, sagt Bertrand Cliquet, Analyst im Fondsmanagement-Team des Lazard Global Listed Infrastructur Equity Fund, der für die letzten zwölf Monate eine Rendite von rund 10 Prozent aufweist.

Besser als die Indizes

Selbst in diesem Jahr, in dem große Aktienindizes wie der US-amerikanische Dow Jones und der deutsche DAX mit 10 Prozent beziehungsweise 16 Prozent im Minus liegen, schafft der Lazard-Fonds ein Plus von gut 3 Prozent. Andere Infrastrukturfonds zeigen eine noch beeindruckendere Wertenwicklung. So legte der DWS Invest Global Infrastructure seit Januar um mehr als 14 Prozent zu. Ein Grund: In unsicheren Zeiten würden sich die Anleger defensiven Anlagen zuwenden, „insbesondere solchen, die einen gewissen Inflationsschutz bieten können“, erklärt Cliquet die Entwicklung.

Beide Vorzüge – defensive Anlage und Inflationsschutz – müssen erklärt werden. Zunächst einmal gelten Infrastruktur-Investment als defensiv, weil es sich um Produkte handelt, die stets gebraucht werden. Unter die Kategorie fallen die Bereiche Energie, Wasser, Gesundheit, Verkehr, Kommunikation und Bildung. Entsprechend vielfältig sind die konkreten Anlageziele: Stromnetze, Gasleitungen, Wasserversorger, Abwasserentsorger, Krankenhäuser, Kliniken, Mautstraßen, Flughäfen, Schienenwege, Mobilfunkmasten, Glasfasernetze sowie Schulen und Universitäten. „Es handelt sich also um Dienste, die essenziell für die Gesellschaft sind“, betont auch Vinay Sharma, Portfoliomanager von Union Investment.

Schutz vor Inflation

„Gleichzeitig sind Infrastrukturanlagen in einem von Inflation geprägten Marktumfeld besonders gefragt“, ergänzt Jana Rietow, Produktspezialistin beim Fondsanbieter DWS. Ihre Begründung: „Die Erträge dieser Unternehmen sind oftmals an die Inflation gekoppelt. Staatliche Konzessionen oder Leasingverträge erlauben es den Besitzern und Betreibern, die zusätzlichen Kosten, die durch die Inflation entstanden sind, in Form von Preiserhöhungen weiterzugeben, um somit ihre Erträge sicherzustellen.“ Allerdings schützt nicht jede Infrastrukturanlage automatisch vor Inflation. Hierauf weist Cliquet hin. „Von den rund 400 börsennotierten Aktien, die es auf den Infrastrukturmärkten weltweit gibt, bieten weniger als 25 Prozent einen Inflationsschutz.“ Die Auswahl sei daher von entscheidender Bedeutung.

Die Attraktivität von Investments in Infrastruktur hat in den vergangenen Jahren mehrere Fondsanbieter dazu bewogen, neue Produkte aufzulegen. Union Investment zum Beispiel hat am 1. Juni einen Infrastrukturfonds für Privatanleger auf dem Markt gebracht, den UniNachhaltig Aktien Infrastruktur. Bisher hatte das genossenschaftliche Fondshaus nur entsprechende Anlagevehikel für institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen. Eigenen Angaben zufolge schätzen diese Profi-Anleger die stabilen Erträge und hohen Ausschüttungen von Infrastrukturunternehmen, denn oft sind sie in einem geschützten Markt tätig oder sind ein regionaler Monopolist. Bespiele dafür seien Versorger.

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Riesiger Investitionsbedarf

Der weltweite Investitionsbedarf in die Infrastruktur ist riesig. Bis 2040 schätzt der Global Infrastructure Hub das Volumen auf 94 Billionen US-Dollar – nur für die 56 Staaten, für die ausreichend Daten vorliegen. Erst Ende Juni haben die G7-Staaten Infrastruktur-Investitionen im Umfang von insgesamt 600 Milliarden Euro bis 2027 angestoßen. Mit dem Programm „Partnerschaft für Globale Infrastruktur“ sollen Investitionen etwa für Klimaschutz, im Energiesektor und im Gesundheitswesen ermöglicht werden. US-Präsident Joe Biden habe diese Initiative angestoßen, hieß es bei deren Vorstellung auf dem Gipfel in Schloss Elmau in Bayern.

Eine Zeit lang können Regierungen den Ausbau oder die Sanierung der Infrastruktur vernachlässigen. Zugunsten von Wahlversprechen und Sozialausgaben neigen Politiker aller Parteien dazu. Hierauf weisen Ökonomen immer wieder hin. Aber irgendwann würden das Wachstum und die Steuereinnahmen beeinträchtigt. Dann müsse wieder investiert werden. An diesem Punkt seien Deutschland sowie etliche andere westliche Demokratien angekommen.

Tatsächlich denkt man beim Stichwort Investitionsstau in Deutschland unweigerlich an all die maroden Straßen und Brücken, die Schulen im schlechten Zustand und die langsame Internetverbindung in vielen Regionen. Wer mit der Deutschen Bahn reist, weiß, was solch eine Vernachlässigung für Folgen hat. Und wie Capinside berichtet, ist hierzulande inzwischen ein Drittel aller Autobahnbrücken sanierungsbedürftig, nur um ein weiteres Beispiel zu nennen.

Schub durch Nachhaltigkeit

Auch die zahlreichen globalen Nachhaltigkeitsinitiativen zielen auf Infrastrukturvorhaben wie den Ausbau erneuerbarer Energien ab. Die EU will im Rahmen ihres Green Deals gewaltige Geldströme für nachhaltige Investitionen lenken. Ein Großteil des Kapitals dürfte in Erneuerbare Energien wie Solarparks, Windkraftanlagen und Wasserstoff-Erzeugung und Distribution fließen – eben in Infrastruktur. Ähnliches planen die USA.

Erst Anfang August hat das US-Repräsentantenhaus ein 750 Milliarden Dollar schweres Klimagesetz verabschiedet. Es zielt unter anderem darauf ab, bis 2030 die CO2-Emissionen in den Vereinigten Staaten um 40 Prozent unter den Stand von 2005 zu drücken.

Fazit: Infrastruktur ist ein Megatrend. Der Investitionsbedarf ist gewaltig. Ohne Beteiligung privater Investoren lassen sich die ehrgeizigen Auf-, Ausbau- und Modernisierungsprogramme nicht stemmen. Mit dem Kauf von Anteilen an einem Infrastrukturfonds stellen Anleger indirekt Geld zur Verfügung und haben im Gegenzug die Chance auf langfristig attraktive Renditen. Selbst in den aktuell schwierigen Zeiten performt die Aktiengattung gut.

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