Trotz zunehmender Infektionszahlen und rollender vierter Welle wirft die sogenannte mittlere Generation Deutschlands einen optimistischeren Blick in die Zukunft als noch vor einem Jahr: Nach einer vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beauftragten Allensbach-Umfrage gaben dies 37 Prozent der 30- bis 59-jährigen Befragten an. Zwar ist dieser Anteil noch weit entfernt vom Niveau vor der Corona-Pandemie – doch im Vergleich zu 2020 eine Steigerung. Damals hatten sich lediglich 22 Prozent als optimistisch bezeichnet. Für die Studie wurden in der ersten Novemberhälfte 1.055 Personen zwischen 30 und 59 Jahren befragt.
Angst vor einer Infektion der Kinder
42 Prozent gaben an, materiell bisher überwiegend gut durch die Pandemie gekommen zu sein. Ihre aktuelle finanzielle Lage bezeichneten 52 Prozent sogar als „gut“ oder „sehr gut“, nur elf Prozent hingegen als „schlecht“. Allerdings hat die Corona-Krise Spuren in der Gemütsverfassung der mittleren Generation hinterlassen. Demnach fühlen sich die Befragten zunehmend gestresst: 2020 hatte jeder Dritte häufig unter Stress gelitten, aktuell liegt der Anteil bei 39 Prozent. Für Verunsicherung sorgt auch der zunehmende Druck auf den Geldbeutel: Zu den größten Sorgen der „Generation Mitte“ gehört mit 72 Prozent das seit Anfang des Jahres stark steigende Preisniveau insbesondere für Energie und Lebensmittel, gleich dahinter folgt mit 61 Prozent die Sorge vor steigenden Steuern und Abgaben. Dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich künftig größer werden, befürchten 59 Prozent. Auch die Sorge, das Coronavirus nicht richtig in den Griff zu bekommen, ist weit verbreitet (56 Prozent).
Die Angst, sich persönlich mit dem Virus zu infizieren, ist durch die Impfungen allerdings zurückgegangen: Von 41 Prozent im vergangenen Jahr auf jetzt 26 Prozent. Dagegen befürchten 31 Prozent der Eltern nun eine Infektion ihrer Kinder. Wie Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher bei der Vorstellung der Studie in Berlin sagte, treffe die vierte Corona-Welle die Generation Mitte in ihrer „enormen Intensität“ unerwartet. „Die Pandemie und die stark steigenden Preise belasten die Menschen und ziehen zurzeit auch die Aufmerksamkeit von den großen langfristigen Herausforderungen ab, wie beispielsweise der Bewältigung des Klimawandels.“
Neue Regierung verbreitet keine Aufbruchstimmung
Dabei vermittelt die neue Bundesregierung bei den Befragten offenbar keine Aufbruchstimmung: Zwar setzen 40 Prozent Hoffnung in die Regierungsarbeit des Ampelbündnisses, 44 Prozent sind jedoch skeptisch oder haben sogar Befürchtungen. Diejenigen, die sich Sorgen wegen des Klimawandels machen, urteilen positiver: 54 Prozent von ihnen blicken der neuen Regierung mit Hoffnung entgegen.
Skepsis herrscht vor allem in puncto Modernisierung und Digitalisierung. „Lediglich jeder Fünfte rechnet damit, dass die Modernisierung des Landes rasch angepackt wird“, erklärte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Die 30- bis 59-Jährigen würden unter anderem wegen des Corona-Krisenmanagements beim Staat und seinen Institutionen im Vergleich zur Wirtschaft erhebliche Effizienzdefizite sehen. „Auch bei der Digitalisierung geht es aus Sicht der ‚Generation Mitte‘ vor allem in vom Staat verantworteten Bereichen langsam voran.“ Dies gelte insbesondere für die kommunale Verwaltung (78 Prozent), für Schulen (76 Prozent) und Ämter und Behörden (73 Prozent). Auch sind lediglich 30 Prozent der Eltern von Schulkindern der Ansicht, dass sich die digitale Ausstattung der Schulen im Laufe der Corona-Krise verbessert habe.
Klimawandel ist eine ferne Bedrohung
Durch den Klimawandel fühlen sich die 30- bis 59-Jährigen überraschenderweise wenig bedroht. Nur 42 Prozent machen sich „große Sorgen“ und nur 26 Prozent fühlen sich persönlich bedroht. Und das, obwohl die Flutkatastrophe dieses Sommers die Zunahme von derartigen Gefahren drastisch vor Augen geführt hat. 76 Prozent davon aber davon aus, dass es in Zukunft häufiger zu katastrophalen Überschwemmungen kommt und 75 Prozent sind der Ansicht, dass Deutschland mehr für den Klimaschutz tun muss. Vor allem Personen aus Risikogebieten fühlen sich unzureichend über mögliche Naturgefahren in ihrer Region informiert.
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