Grund erwartet steigende Prämien

Die hohe Inflation lässt die Schadenaufwendungen der Versicherer in die Höhe schnellen. Auf ein schnelles Abflauen der Geldentwertung dürften die Unternehmen nicht setzen, mahnt die BaFin.

Frank Grund Bild: Bernd Roselieb/BaFin

Droht Versicherern mit einem Verbot des Neugeschäfts: BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund. Bild: Bernd Roselieb/BaFin

Die hohe Inflation macht sich zunehmend auch bei den Versicherern bemerkbar – insbesondere bei den Schadenaufwendungen. Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungen bei der BaFin, rechnet aus diesem Grund mit steigenden Prämien für Versicherungsnehmer, insbesondere in der Schaden- und Unfallversicherung.  

„Durch die höhere Inflation steigen die Schadenaufwendungen signifikant, insbesondere dort, wo Reparaturleistungen anfallen oder Neuwertersatz vereinbart ist“, schreibt Grund in einem aktuellen Kommentar für das hauseigene BaFin-Journal.  

Entsprechend müssten die Versicherer ihre bestehenden Rückstellungen erhöhen, gegebenenfalls bereits in diesem Jahr. „Es ist daher unvermeidlich, dass die gestiegene Inflation im Jahr 2023 höhere Beiträge in der Schaden- und Unfallversicherung nach sich zieht“, führt Grund aus. Dies gelte sowohl fürs Neugeschäft als auch für den Bestand.  

BaFin erwartet anhaltende hohe Inflation

Aus Sicht der BaFin sei es nicht akzeptabel, wenn die Versicherer Preissteigerungen vermeiden und stattdessen ihre Reserven aufbrauchen, in der Hoffnung, dass die Inflation schnell wieder abflaut. Denn nach Auffassung der BaFin dürfte mit einer Entspannung nicht so schnell gerechnet werden. „Versicherer müssen sich auf längerfristig höhere Inflationsraten einstellen“, so Grund. Auch die Bundesbank hatte vor Kurzem ihre Inflationsprognose für das kommende Jahr erhöht: Mittlerweile geht sie davon aus, dass die Teuerung 2023 im Durchschnitt noch bei über sieben Prozent liegen wird.  

Etwas anders sieht die Situation laut Grund bei den deutschen Krankenversicherern aus. Hier sei derzeit noch keine besondere medizinische Inflation registrierbar. Dies könne sich aber schnell ändern, wenn die Aufwendungen für die Versicherer steigen, beispielsweise durch höhere Preise für Medikamente und Sachmittel. „Die Branche wird dies sicherlich durch Beitragsanpassungen an ihre Kunden weitergeben können beziehungsweise müssen, aber erst mit der üblichen Zeitverzögerung“, so Grund. Laut Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung, werden sich die inflationsbedingten Kostensteigerungen flächendeckend erst 2024 in den PKV-Beitragsanpassungen niederschlagen.