Gruppen-Unfall: Weitgehend unter dem Radar

Bei Zusatzleistungen von Arbeitgebern für Mitarbeiter dominieren neben der Betriebsrente vor allem betriebliche Krankenversicherungen. Gruppenunfallpolicen führen noch ein Nischendasein. Dabei passt das Produkt nicht nur für Führungskräfte.

Laut der Studie „Gewerbliches Schaden-/Unfallgeschäft 2021“ bleibt die Bedeutung der Schaden- und Unfallversicherung in Deutschland überproportional hoch. Derzeit vermitteln 91 Prozent der Makler Betriebs-/Berufshaftpflichtpolicen (Vorjahr: 94 Prozent) und 87 Prozent Sachversicherungen (Vorjahr: 85,7 Prozent). Am Ende der Skala rangieren Gruppen-Unfallversicherungen, sagen 23,6 Prozent der Befragten (2020: 26,7 Prozent).

Die Studie stammt von der der BBG Betriebsberatung, an der sich 254 Makler und Mehrfachagenten beteiligt hatten. Das Dasein in der Nische bestätigt auch die Prognose der befragten Makler für die nächsten drei Jahre. Demnach fällt der Umsatztrend, sagen 19,4 Prozent der Befragten. Die BBG-Studie „Trends III/21“ bestätigt das auch für den Moment: In der Produkthitparade für das zweite Quartal 2021 belegt die Gruppen-Unfallversicherung mit 9,9 Prozent Nennungen den 40. und damit letzten Platz.

Markt für betriebliche Unfallpolicen

Gleichwohl gibt es einen Markt für betriebliche Unfallversicherungen. Die Studie „Benefits und Employer Branding“ des HR- und bAV-Lösungsanbieters Lurse von 2019, die alle drei Jahre aufgelegt wird, listet gefragte Zusatzleistungen für Arbeitnehmer auf. Laut Studie bieten über 90 Prozent der mittleren und großen Firmen Gruppen-Unfallpolicen an. Zwei von drei Firmen, die solche Policen offerieren, tun das für alle Mitarbeiter, der Rest nur für Führungskräfte.

Üblich sind dabei Gruppenverträge - entweder als 24-h-Unfallpolice, betriebliche Unfallversicherung oder Reiseunfallversicherung. 13 Prozent der Firmen haben betriebliche Unfallversicherungen. Am weitesten verbreitet sind die Policen in der Geschäftsführung und im Management. In Großunternehmen besitzen 80 Prozent der Führungskräfte und leitenden Angestellten eine 24-h-Unfallpolice.

Umfrage unter Maklern mit Ungenauigkeit

Tarifangestellte bekommen vom Chef laut Lurse im Schnitt 132.000 Euro Invaliditätssumme und 72.000 Euro Todesfallsumme versichert. Bei der Geschäftsführung sind es im Schnitt 682.500 Euro bei Invalidität und 424.000 Euro bei Tod. „In 50 Prozent der Unternehmen, die Gruppen-Unfallversicherungen bieten, ist das Verhältnis der Versicherungssummen von Invalidität zu Tod zwei zu eins“, sagt Philipp Dienstbühl, Senior Consultant bei Lurse.

Favoriten der Makler sind laut mehrerer BBG-Studien insbesondere Gothaer, Zurich und Basler, die 27 Prozent des Umsatzes der Befragten auf sich vereinen. Auf Nachfrage von procontra konnte die Basler ihr gutes BBG-Studienergebnis allerdings nicht bestätigen. Das Gruppen-Unfallgeschäft mache weniger als fünf Prozent des gesamten Unfallgeschäfts aus, heißt es.

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Viel genutztes Instrument der Mitarbeiterbindung

Die Gothaer dagegen, die laut BBG-Studie mit 10,9 Prozent den höchsten Maklerumsatz bei Gruppen-Unfallpolicen auf sich vereint, setzt immerhin 11,6 Prozent der Beitragseinnahmen des gesamten Unfallgeschäfts 2020 für Gruppen-Unfallpolicen um. Das entspricht 137,9 Millionen Euro gebuchten Bruttobeiträgen. Geboten wird im Rahmen der Gewerbepolice („Gothaer Gewerbe Protect“) insbesondere eine 24-Stunden-Deckung.

Dass Gruppen-Unfallversicherungen regelmäßig am Ende der Absatz-Produkthitparade gewerblicher Versicherungen über Makler zu finden sind, liegt auch daran, „dass die Police im Bereich der freiwilligen Sozialleistungen regelmäßig mit der bAV und bKV im Wettbewerb steht, aber dennoch ein sehr geeignetes Instrument zur Mitarbeiterbindung ist“, sagt Thomas Bischof, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Allgemeine.

Ansatzpunkt mit Sonderthemen

Für eine stärkere Nachfrage kommt es laut Bischof neben der Produktqualität auch auf Flexibilität bei Sonderthemen, wie Versicherungsschutz für Corona-Schutzimpfungen oder Arbeiten im Home-Office, sowie begleitende Deckungsinhalte wie ein Reha-Management an. Auch die Schadenregulierung sei für Makler wichtig.

Die Gothaer bietet bereits seit 2014 solche Versicherungen und hat das Angebot 2019 modernisiert. „Wir bieten neben der 24-Stunden-Deckung auch eine Ausschnittdeckung Beruf (mit oder ohne Wegerisiko), mit je drei Produktlinien“, ergänzt Bischof. Eine spezielle betriebliche Reiseunfallversicherung gebe es bei der Gothaer nicht.

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