Einen Monat nach der Flutkatastrophe haben die Versicherer bereits rund 700 Millionen Euro Vorschüsse an ihre Kunden ausgezahlt. „Davon gut 500 Millionen Euro auf Schäden im privaten Bereich wie Wohngebäude, Hausrat und Kraftfahrzeuge“, berichtet GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen in einer Zwischenbilanz zu den Schäden, die das Tiefdruckgebiet „Bernd“, mit Starkregen und Hochwasser vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, aber auch in Bayern und Sachsen, angerichtet hat.
Der Schaden dürfte sich im Bereich von 5,5 Milliarden Euro bewegen, korrigierte Asmussen die ursprüngliche Schätzung nach oben. Den Menschen müsse schnell geholfen werden. Deshalb hätten die Schadenaufnahme und schnelle Erstzahlungen im Moment Vorrang. „Es wird nicht lange nach Rechnungen und Belegen gesucht, stattdessen gibt es pauschale Vorauszahlungen“, verspricht Asmussen. Die Höhe werde aufgrund des Schadenbilds oder der Schadenschilderung ermittelt.
Versicherer mit zeitnahen Vorschüssen, Hilfsfonds und Spenden
„Die Vorschüsse sind bei größeren Schäden in der Regel deutlich fünfstellig“, sagte Asmussen. Darüber hinaus hätten zahlreiche Versicherer Hilfsfonds für die Betroffenen eingerichtet und böten neben der materiellen Hilfe oft auch psychologische Unterstützung an. Insgesamt rechnet der GDV mit 190.000 Schadenfällen, davon 160.000 im privaten Bereich. „Die zeitnah geleistete hohe Summe an Vorschusszahlungen zeigt die Leistungsfähigkeit privater Versicherungen bei solchen Katastrophen“, so Asmussen.
Die Allianz hat ihre Schadenorganisation in einen Sonderstatus versetzt: Gearbeitet werde in Extraschichten, Allianz-Vertreter erhielten umfangreichere Regulierungsvollmachten und die Kraft-Schadenregulierung sei mithilfe von wenigen Bildern möglich. Gleichzeitig engagieren sich Versicherer und Einrichtungen rund um die Assekuranz über die reine Schadenregulierung hinaus für die Flutopfer. Die Allianz unterstützt Rettungsorganisationen mit einer Sofortspende von mehr als einer Million Euro und hat Mitarbeiter für Hilfsdienste bezahlt freigestellt“, berichtet Vorstandschef Klaus-Peter Röhler.
Axa hat für Privatkunden, die nicht gegen Elementarschäden versichert sind und aus eigener finanzieller Kraft keinen Neuanfang schaffen, einen Hilfsfonds über 10 Millionen Euro aufgelegt. Vertriebspartner informieren vor Ort über die Kriterien der Vergabe. Die Vermittler koordinieren die Aktion in den Regionen, „da sie die individuellen Situationen ihrer Kunden am besten einschätzen können und wissen, was jetzt zu tun ist“, sagt Axa-CEO Alexander Vollert.
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Das persönliche Engagement einer bAV-Dozentin
Auch persönliches Engagement kommt vielfach aus den Reihen der Assekuranz. Nur ein Beispiel: Henriette Meissner, Generalbevollmächtigte für bAV der Stuttgarter Lebensversicherung und Dozentin für bAV-Betriebswirte am Campus-Institut, stammt aus der Nähe einer vom Hochwasser betroffenen Region und ist häufig für das Campus-Institut an der Hochschule Koblenz unterwegs, deren Campus Remagen ebenfalls von der Flut in Mitleidenschaft gezogen wurde.
„Als ich in den Medien gesehen habe, wie stark die Schulen und vor allem auch die Schüler betroffen sind, kam mir die Idee, direkt über die Fördervereine der Schulen zu helfen“, sagt Meissner im Gespräch mit procontra. Die Campus-Vorstände Ulrike Hanisch und Nico Auel, der aus Ahrweiler stammt und dort auch im Helfereinsatz war, unterstützen Meissners Idee und starten einen „Spendenaufruf Fluthilfe – Bildung hilft Bildung“.
Spenden direkt an Fördervereine verwüsteter Schulen
Damit kann rund 20 Grund- und Realschulen, Gymnasien und Berufsschulen direkt und unbürokratisch geholfen werden. „Den Spendenaufruf haben wir im ersten Schritt an alle Ehemaligen und Dozenten des Campus-Instituts verschickt, doch jeder andere ist sehr willkommen, mitzuhelfen“, ermuntert Meissner zur Spende. Der Aufbau der Infrastruktur – auch der Bildungseinrichtungen – sei nicht in Tagen oder Wochen getan. „Daher bleibt der Spendenaufruf aktuell“, so die Chefin der Stuttgarter Vorsorge-Management.
Über die Höhe der Spenden kann Meissner noch nichts genaues sagen. Grund: „Jeder kann an eine der Schulen direkt spenden und das Geld ist mit einem Mausklick direkt vor Ort“, sagt die Campus-Dozentin. Das bedeute auch, die Gesamtübersicht über die Spenden nicht unmittelbar nachverfolgen zu können. Und noch immer seien viele Schulen nur schwer erreichbar. „Viele potenzielle Spender, die ich persönlich angesprochen habe, sagten: Wenn ich weiß, wo das ankommt, spende ich gerne“, berichtet Meissner.
Emotionale Reaktionen von betroffenen Schulen
Die Spenden sind dringend nötig, wie Erfahrungsberichte auf den Websites einiger Schulen zeigen. So wurde das Are-Gymnasium in Bad Neuenahr-Ahrweiler in den unteren Geschossen total zerstört, andere Schulen haben Lehrer in den Fluten verloren. Mit einigen wenigen Schulleitungen konnte Meissner telefonisch sprechen: „Es werden Notpakete für Schüler, die alles verloren haben, gepackt. Vor Ort waren teilweise Server unter Wasser. Telefonleitungen mussten erst wiederhergestellt werden. Alle sind sehr beschäftigt, dass überhaupt der Unterricht nach den Ferien wieder beginnen kann.“
„Wir können jede Hilfe gut gebrauchen, weil wir alle unsere Lehrmittel, Kopiervorlagen, Schülerbücher und viele Materialien der Kinder verloren haben – vor den Ferien transportieren wir immer alles in die unteren Klassen zur Verteilung an die nächsthöheren Klassen – somit hat die Flut uns alles genommen, was wir in vielen Jahren angeschafft und sorgsam behütet haben", schreibt die Schulleiterin der Swiftbachschule (Erfttal) an Meissner. Sie plädiert mit Blick auf die Zukunft auch für mehr Investitionen in den Hochwasserschutz. Neben Hilfsfonds rückt nun auch das Thema Pflichtversicherung in den Blick.
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