Die Deutschen warten seit Monaten darauf, dass die Aktienrente ausgearbeitet wird. Bisher war es bei der Ankündigung geblieben, nun tut sich also etwas. Das ist gut. Denn bliebe Berlin untätig, würden die Beitragssätze der deutschen Rentenversicherung ins Unermessliche steigen – von derzeit 18,6 Prozent auf bis zu 23 Prozent im Jahre 2035, so erste Prognosen.
Die Bundesregierung sollte sich allerdings in Erinnerung rufen, dass die Aktienrente nichts bringt, wenn ihre Ausarbeitung nicht ausreichend durchdacht wird. Zum Beispiel dadurch, dass man sie nicht nachhaltig gestaltet. Denn in der Aktienrente liegt die historische Chance, auch beim Klima- und Umweltschutz voranzukommen.
Erstens: Würde gesetzlich verankert, dass ein bestimmter Prozentsatz der vom Staat erworbenen Anteile der Aktienrente in Unternehmen investiert werden muss, die nachweislich nachhaltig wirtschaften, würde die Bundesregierung die Kaufkraft von zig Millionen Deutschen indirekt der Nachhaltigkeit und dem Umweltschutz zugutekommen lassen. “Unsaubere” Betriebe sollten derweil außen vor bleiben.
Zweitens: Deutschland braucht eine lebendige Aktienkultur. Um die zu begründen, sollte nicht nur passiv in Aktien, Fonds und ETFs investiert, sondern auch der Geist von „Active Ownership“ gefördert werden. Das bedeutet etwa, vom Stimmrecht der Aktionär*innen Gebrauch zu machen und den damit verbundenen Einfluss auf die Unternehmen zu nutzen, zum Beispiel zum Wohle der Umwelt.
Fazit: Die Entwicklung und Einführung einer Aktienrente ist überfällig. Angesichts der wachsenden Problemstellungen rund um Ressourcenknappheit und Klimakrise ist es jedoch ratsam, in nachhaltige Unternehmen zu investieren und sich den gestalterischen Möglichkeiten des Active Ownership zu entsinnen.

