Die Lage der jungen Erwachsenen in Deutschland am Ende des zweiten Pandemiejahres ist durchwachsen. Darauf deuten erste Ergebnisse der Studie „Jugend, Vorsorge, Finanzen“ hin, die das Versorgungswerk Metallrente vorgelegt hat. Die vollständige Fassung wird erst im Mai publiziert. Sie ist die fünfte Auflage dieser größten repräsentativen Langzeituntersuchung zur Vorsorge junger Menschen in Deutschland.
Im Abstand von drei Jahren werden für die Studie rund 2.500 junge Erwachsene im Alter zwischen 17 und 27 Jahren zu ihren Vorstellungen für die persönliche Zukunft, zu ihrem Sparverhalten, ihren finanziellen Kenntnissen sowie zu ihren Einstellungen und persönlichen Strategien zur Altersvorsorge befragt. Erhebung und Auswertung der Daten erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Kantar Public.
Berufliche Zukunft und finanzielle Lage
Vier von zehn Befragten (42 Prozent) geben an, dass sich ihre persönliche Situation in Schule, Studium oder Beruf durch die Pandemie verschlechtert hat. Doch nur etwa ein Drittel rechnet auch langfristig mit pandemiebedingt verschlechterten persönlichen Berufsaussichten. Die Mehrheit von 56 Prozent erwartet hingegen keine Veränderungen zum Status quo.
Mehr als die Hälfte der jungen Erwachsenen (51 Prozent) spürt bislang keine finanziellen Einbußen durch Corona. 16 Prozent konstatieren sogar eine bessere finanzielle Lage durch die Pandemie – vermutlich wegen weniger Freizeit- und Reisemöglichkeiten. Ein Drittel jedoch gibt an, finanziell schlechter dazustehen als vor der Pandemie, bei Teilzeitbeschäftigten 43 Prozent, bei Arbeitslosen gar 56 Prozent.
Mehrheit spart trotz Krise weiter
Über die Hälfte der befragten Jugendlichen gibt an, dass sich Corona bisher nicht auf ihr Sparverhalten ausgewirkt hat. Doch gerade für diejenigen, deren finanzielle Lage ohnehin schon angespannt ist, wird Vorsorge immer schwieriger: Fast ein Drittel dieser Gruppe (30 Prozent) könne jetzt weniger Geld zur Seite legen als vor der Pandemie, heißt es in der Studie. Eine andere Studie bescheinigte unter diesen Vorzeichen jedoch der betrieblichen Altersversorgung eine gute Perspektive bei jungen Leuten.
Umgekehrt gibt es bei den finanziell besser gestellten jungen Deutschen die Tendenz, mehr Geld für später zurückzulegen. Hier spart jeder Vierte (27 Prozent) laut Studie sogar mehr als vor der Pandemie. Sechs von zehn Befragten sind optimistisch, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Insgesamt dürfte sich die Aussicht, fürs Alter vorzusorgen, durch die Pandemie allerdings etwas verschlechtern – siehe Grafik.
„Das Sparverhalten junger Leute ist durch Corona stabil geblieben und teilweise sogar besser geworden“, sagt Heribert Karch. "Dies ist aber keineswegs beruhigend, denn die soziale Schere geht weiter auseinander“, so der Geschäftsführer von Metallrente weiter. Unter den jungen Menschen mit kleinem Einkommen oder jungen Arbeitslosen verfestige sich das Gefühl, abgehängt zu werden.
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Finanzielle Unsicherheit und abnehmendes Staatsvertrauen
„Unsicherheiten über berufliche und finanzielle Zukunft korrelieren mit abnehmendem Vertrauen in den Staat“, lenkt Karch die Aufmerksamkeit auf einen weiteren wichtigen Punkt der Studie. Zwei Drittel der Befragten konstatieren ein verschlechtertes Vertrauen in die staatliche Handlungsfähigkeit infolge von Corona.
„Jungen Menschen wird in der Pandemie extrem viel abverlangt“, sagt Jugendforscher Klaus Hurrelmann, einer der Herausgeber der Studie. „Die jungen Frauen sollen Ausbildung und Beruf unter Corona-Bedingungen meistern, fühlen sich aber gleichzeitig im Vergleich zu den jungen Männern viel stärker dafür verantwortlich, die Gründung einer eigenen Familie vorzubereiten. Dabei sehen sie sich offensichtlich vom Staat in Stich gelassen“, so Hurrelmann. Andererseits gab es bereits bei der Vorgänger-Studie die Erkenntnis, dass zur DNA dieser Generation gehört, dass nichts kalkulierbar ist.
Angedeuteter Generationenkonflikt
Vier von fünf jungen Deutschen sehen ihre Bedürfnisse bei politischen Entscheidungen nicht ausreichend berücksichtigt. Vor allem Studenten (88 Prozent) und junge Arbeitslose (80 Prozent) fühlen sich von der Politik nicht ausreichend ernst genommen. Die Ergebnisse schließen einen Generationenkonflikt nicht ganz aus: 57 Prozent haben großes Verständnis für den besonderen Schutz der Älteren in der Pandemie, während den restlichen 43 Prozent die Rücksicht auf die Bedürfnisse der Älteren zu weit geht. In der Rentenpolitik zeichnet sich dagegen noch kein Generationenkonflikt ab.
Beim Thema Freiheitsrechte sind die Meinungen gespalten: Für die Hälfte der Befragten nimmt die Politik in der Pandemie zu wenig Rücksicht auf die im Grundgesetz garantierten Freiheitsrechte. Details nennt die Vorveröffentlichung der Studienergebnisse bisher nicht. Dies soll laut Metallrente im Mai 2022 erfolgen.
Zur Einordnung der Metallrente
Das Versorgungswerk war 2001 als gemeinsame Einrichtung der Tarifvertragsparteien Gesamtmetall und IG Metall gegründet worden und stellt Angebote für die betriebliche und private Altersvorsorge sowie die Absicherung von Berufs-, Erwerbsunfähigkeit, Grundfähigkeiten, Pflege und Hinterbliebenen bereit. Neben der Metall- und Elektroindustrie haben sich auch die Branchen Stahl, Textil und Bekleidung, IT sowie Holz und Kunststoff angeschlossen.
Die Metallrente gilt heute als größtes Branchenversorgungswerk der Republik und arbeitet mit einem Konsortium an Versicherern zusammen. Die Bestände werden von Allianz, R+V, Swiss Life, Ergo und Versicherungskammer Bayern (VKB) gemäß ihrer jeweiligen Beteiligung gemeinschaftlich getragen (VKB ist bislang nur für die Arbeitskraftabsicherung dabei, nicht für bAV und Riester). In der Regel gehen bei bAV/Riester 60 Prozent der Verträge an die Allianz, dann folgen R+V, Ergo und Swiss Life.
Auch den Vertrieb (Makler bekommen die im Kollektivgeschäft üblichen Vergütungen) und den überwiegenden Teil der Kapitalanlage übernehmen die Konsorten. Innerhalb der Kapitalanlage gibt es aber auch ein exklusiv für Metallrente von Allianz Global Investors aufgelegtes und verwaltetes Metallrente-Fondsportfolio.
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