Kein Tabuthema: Deutsche Paare sprechen gerne über Geld

Nach einer aktuellen Umfrage wollen die meisten Menschen über die monatlichen Fixkosten ihres Partners informiert werden, auch Gespräche über Kredite und Schulden scheuen viele Paare nicht. Doch es gibt auch gute Gründe, das Thema Finanzen in einer Beziehung zu meiden.

Das Thema Geld ist in Deutschland offenbar alles andere als ein Beziehungskiller: 88 Prozent der Menschen sind hierzulande davon überzeugt, dass Finanzen kein Tabuthema in einer Partnerschaft sein sollten. Dabei finden 39 Prozent, dass über Geldthemen in Beziehungen explizit gesprochen werden sollte – wenn es um den Bereich Vorsorge geht, sei jedoch jeder für sich selbst verantwortlich. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage des Finanzberatungsunternehmens Swiss Life, an der im März rund 2.000 Menschen teilgenommen haben.   

Jeder Zweite will über Schulden sprechen

Den größten Gesprächsbedarf in puncto Finanzen äußerten die Befragten bei den monatlichen Fixkosten. So wollen sich 61 Prozent mit dem Partner oder der Partnerin darüber austauschen. Jeder Zweite will dabei auch das Thema Kredite und Schulden nicht außen vorlassen. Klarheit über das monatlich verfügbare Nettoeinkommen des Partners wünschen sich 44 Prozent der Befragten und rund ein Drittel (36 Prozent) möchte genau wissen, welcher Betrag auf dem Girokonto des anderen liegt. Für die Altersvorsorge ihres Partners interessieren sich hingegen nur wenige Deutsche: Lediglich 31 Prozent gaben an, dass sie über Maßnahmen in diesem Punkt konkret informiert werden wollen.

„Natürlich muss man selbst entscheiden, wie transparent man über Finanzen und Vorsorge sprechen möchte. Doch wer darüber regelmäßig spricht, bekommt auch selbst ein Bewusstsein für den eigenen Vorsorgebedarf und handelt“, sagt Swiss Life-Geschäftsführer Stefan Kuehl. Dabei habe die Vorsorge fürs Alter häufig eine viel größere Bedeutung als die aktuelle Finanzlage. Wenn es um Vorsorge und Absicherung geht, stehen bei den Befragten vor allem die Bereiche Immobilien und Sachwerte im Fokus. Dabei möchten 27 Prozent wissen, welche Kapitalanlagen der Partner oder die Partnerin besitzt, über Erbschaften wollen 15 Prozent informiert werden. Und für fondsbasierte Rentenversicherungen, Investments in ETF-Sparpläne und Aktien des Partners interessieren sich 18 Prozent der Befragten. Für 21 Prozent sind Risikoversicherungen, beispielsweise BU-Policen, ebenfalls ein Gesprächsthema in der Beziehung.

Werden Unterhaltungen über Finanzen in einer Beziehung gemieden, ist häufig Angst vor Streit der Grund: So fürchten 16 Prozent, dass dadurch Zwist entstehen könnte. Aus Unkenntnis sprechen neun Prozent nicht darüber und sechs Prozent haben schlicht keine Lust auf das Thema. Ebenso viele fürchten, danach womöglich ihre Finanzen teilen zu müssen und infolgedessen über weniger finanzielle Mittel zu verfügen. Fünf Prozent vermeiden das Thema aus Sorge vor Neid oder wollen sich nicht bloßstellen, weil sie vermeintlich weniger Finanzwissen aufweisen als der Partner oder die Partnerin.

Die Finanzen zusammenlegen wollen die meisten Deutschen dann, wenn ein Kind da ist (22 Prozent). Für 20 Prozent ist eine gemeinsame Wohnung der Grund, 18 Prozent sehen eine Verlobung als den ausschlaggebenden Faktor.