Im Rahmen eines neuen Geschäftsmodells beabsichtigen die Kölner Pensionskasse und deren Schwester Pensionskasse der Caritas, für andere Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) die Verwaltung der Bestände als Dienstleistung auszubauen. Dies bestätigte Olaf Keese, Liquidator der Kölner Pensionskasse und Vorsitzender des Vorstands der Pensionskasse der Caritas, auf Nachfrage.
Im Markt der Pensionskassen sei dieses Vorgehen ein innovativer und mutiger Schritt, um den steigenden regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden und durch eine kosteneffiziente Verwaltung der Bestände dem zunehmend schwierigen Zins- und Kapitalanlageumfeld bei den EbAV zu begegnen, so Keeses Begründung.
Neues Geschäftsmodell unter den Augen der BaFin
Für Außenstehende kommt dieser Schritt zu einem „neuen Geschäftsmodell“ etwas überraschend, hatte doch die Aufsichtsbehörde BaFin für beide Kassen schon vor längerer Zeit die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts widerrufen. Hat die BaFin nun nichts gegen ein solches Geschäftsmodell?
Keese macht sich da keine Sorgen: „Schon in der Vergangenheit hat die Kölner PK nicht nur Bestände anderer Pensionskassen übernommen (was aufgrund des Liquidations-Status nicht mehr möglich ist), sondern war auch Verwaltungsdienstleister für eine dritte Pensionskasse“, erklärt der Liquididator, ohne den Namen nennen zu wollen. Zudem liefere die kostensparende Zusammenarbeit zwischen der Kölner PK und der PK der Caritas eine Blaupause.
Keese räumt jedoch ein: Wenn eine Pensionskasse unmittelbar für andere Pensionskassen Dienstleistungen erbringen möchte, muss dies von der BaFin genehmigt werden. Zudem muss eine Ausgliederung seitens der auslagernden Pensionskasse der BaFin angezeigt werden, und die dienstleistende Pensionskasse muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dies wird von der BaFin im Einzelfall genau geprüft, sagt Keese. Nach außen hin äußert sich die BaFin grundsätzlich nicht zum laufenden Geschäftsbetrieb konkreter Unternehmen.
Warum beide Kassen kein Neugeschäft mehr zeichnen dürfen
Zur Erinnerung: Durch den Widerruf der BaFin für das Neugeschäft dürfen Kölner und Caritas schon seit Herbst 2018 keine neuen Verträge mehr abschließen. Der Grund: Beide Kassen hatten die Mindestkapitalanforderung nicht mehr erfüllen können und daher je einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, den die BaFin jedoch als unzureichend zurückwies.
Seither dürfen nur noch bestehende Versicherungsverträge verwaltet werden, jedoch weder verlängert noch bei Beitrag oder Leistung erhöht werden („interner Run-off“). Wichtig für Makler: Beide Schwesterkassen zahlen weiter die laufende Courtage an Makler, abhängig von der Höhe der Beiträge.
Keese als Sanierer auch mit Zukunftsvisionen
Ende 2018 war Keese mitten in der Schieflage als Sanierer zum Chef beider Kassen berufen worden. Seither geht es mit den Bilanzen wieder bergauf. Die Geschäftsberichte für 2021 liegen noch nicht vor. Dennoch dürften die Mittel für die geplante externe bAV-Bestandsverwaltung vorhanden und gut angelegtes Geld sein.
Zunächst planen beide Kassen, innerhalb der nächsten zwei Jahre ihre IT gemeinsam grundlegend zu modernisieren und eine neue Software einzuführen. Die bisherige Software der Amakura IT wird Keese zufolge durch eine Standardsoftware der Firma Adesso Insurance Solutions abgelöst, die Bestandsverwaltung, Stammdatenverwaltung, einzelvertragliches Meldewesen und Rentenabrechnung übernimmt.
Dienstleistung für andere Gegenseitigkeitsvereine geplant
„Die Umstellung bringt verschiedene Kosten- und Effizienzvorteile mit sich, aber zu den konkreten Zahlen äußern wir uns ebenso wenig wie zu den Kosten“, sagt Keese auf Nachfrage. Als potenzielle Kunden spreche man „mit anderen Pensionskassen, die als Partner in Frage kommen, also insbesondere Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit“, ergänzt Keese. Auch zu den künftigen Einnahmen für diese Dienstleistung hält er sich bedeckt.
Wächst damit eine neue Konkurrenz für etablierte Portale wie Xempus, ePension, eVorsorge heran? „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz, da die genannten Unternehmen in anderen Geschäftsfeldern unterwegs sind“, betont Keese. Die Pensionskasse der Caritas hieß früher „Selbsthilfe“, das passe als Beschreibung für die gemeinschaftliche interne Verwaltung von Pensionskassen besser, so der Liquididator. Allerdings bieten die genannten anderen Firmen inzwischen für Firmenkunden auch zunehmend die Verwaltung von Fremdverträgen an.
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