Kreditvergabe: Verbraucherzentralen fordern schärfere Regeln

Eine aktuelle Erhebung offenbart deutliche Mängel bei der Bonitätsprüfung durch Banken und andere Kreditgeber. Entweder kam es gar nicht erst zu einer Überprüfung oder sie war nur unzureichend.

Kredite waren wahrscheinlich selten zu derart günstigen Konditionen zu bekommen – Niedrigzins sei Dank. Doch nicht jede Kreditvergabe ist für jeden Verbraucher auch sinnvoll, in manchen Fällen folgt auf die Kreditvergabe sogar die Insolvenz. „Teure, unflexible und nicht zur wirtschaftlichen Situation passende Kredite schaden: Monat für Monat müssen Haushalte relativ zu ihrem Einkommen hohe Summen aufbringen, um die Schuldenlast zu stemmen“, warnt Dorothea Mohn, Leiterin Team Finanzmarkt beim Bundesverband Verbraucherzentralen (vzbv).

Eine europaweite Studie der Nicht-Regierungsorganisation Finance Watch macht aktuell auf die Mängel bei der Bonitätsprüfung durch Banken und andere Kreditgeber aufmerksam. Das erschreckende Ergebnis der Untersuchung: In 37 Prozent der untersuchten Fälle wurde keine Prüfung der Kreditwürdigkeit vorgenommen, in 62 Prozent der tatsächlich erfolgten Prüfungen wurden keine Daten zur Höhe der Einnahmen und Ausgaben der Haushalte erhoben. Die Folge: Verbraucher, die einen Kredit kaum abbezahlen können, bekommen ihn dennoch.

Ein weiteres Problem sind die sogenannten buy-now-pay-later-Angebote: Auch hier wurde in 43 Prozent der Fälle nicht überprüft, ob der jeweilige Kunde kreditwürdig ist. Auch die Informationen zur Finanzierung seitens der Unternehmen, die die Angebote unterbreiten, waren nur unzureichend. Das bedeutet im Umkehrschluss: Verbraucher können die Folgen der Finanzierung selbst kaum abschätzen, wie der vzbv eindringlich warnt.

Die Finance-Watch-Studie offenbare, dass Verbraucher europaweit nur lückenhaft bei der Aufnahme von Krediten geschützt seien. „Es ist wichtig zu erreichen, dass künftig für die Kreditwürdigkeitsprüfung hohe Anforderungen gelten - und zwar für alle Kredite, egal, ob sie im Handel oder im E-Commerce, durch Banken oder Fintechs vermittelt werden", so Mohn. Aktuell werde die Verbraucherkreditrichtlinie zwar auf EU-Ebene überprüft, indessen bestehe die Gefahr, dass der EU-Rat die Vorschläge verwässere, „nicht zuletzt auch durch die Haltung der Bundesregierung“, mahnt die Verbraucherschützerin. Es müsse alles dafür getan werden, dass Kredite nur mit größter Sorgfalt vergeben werden. Eine individuelle Haushaltsanalyse sei dafür unerlässlich.

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