Lebensversicherung: Sicherer Hafen mit breiter Streuung

Die Lebensversicherung bleibt ein Hoffnungsträger für die Altersvorsorge. Trotz Niedrigzinsen greifen Kunden weiter zu. Berater müssen jedoch genauer hinsehen, denn der Rechnungszins belastet viele Anbieter.

Die Lebensversicherer stehen seit Jahren unter medialem Beschuss. Trotzdem übertraf die Branche 2020 die Rekordeinnahmen des Jahres zuvor noch einmal. „Die Lebensversicherung gilt für viele Bundesbürger noch immer als sicherer Hafen für ihr Geld“, sagt Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg und Herausgeber vom Map-Report.

Über die gesamte Branche betrachtet variieren die Ergebnisse jedoch gewaltig, zeigt das „Bilanz-Rating deutscher Lebensversicherer 2020“ vom Map-Report. Insgesamt beliefen sich die verdienten Bruttobeiträge auf 98,61 Milliarden Euro (+ 0,35 Prozent). 31 von 75 bewerteten Anbietern (Vorjahr: 23) gelang es nicht, die Beitragseinnahmen zu steigern, sechs Anbieter lagen mit bis zu zwei Prozent knapp über dem Vorjahresniveau und 40 Versicherer bauten die Beitragseinnahmen zwischen drei und über 80 Prozent aus.

Garantien belasten wie nie zuvor 

Rentenversicherungen (ohne Fondsrenten) hatten 2020 mit 21,4 Prozent und 985.700 Verträgen erneut nicht den höchsten Neugeschäftsanteil (- 135.000 Policen). „Sonstige“ Lebensversicherungen, zu denen der Map-Report auch fondsgebundene Verträge zählt, waren der Verkaufsschlager 2020: Insgesamt wurden 1,34 Millionen Versicherungsscheine eingelöst und damit 29 Prozent des LV-Neugeschäftsanteils verbucht (+ 2,5 Prozentpunkte). Am erfolgreichsten: Die Generali mit 243.915 verkauften Verträgen, was 18,2 Prozent des gesamten Neugeschäfts der „Sonstigen“ entspricht.

Die Rechnungszins-Verpflichtungen der Lebensversicherer für Policen mit Garantien stiegen gemäß Angaben in den Mindestzuführungsverordnungen um 2,9 Prozent auf inzwischen 32,58 Milliarden Euro. Bei insgesamt 31 (2019: 22) der 78 untersuchten Gesellschaften waren die Belastungen durch die Rechnungszinsen höher als die anrechnungsfähigen Kapitalerträge. Das bedeutet: „Bei Rechnungszins-Belastungsquoten von über 100 Prozent reichten bei diesen Gesellschaften die anrechenbaren Kapitalerträge des Jahres nicht aus, um die Anforderungen aus dem Rechnungszins im Bestand zu erfüllen“, kommentiert Map-Report-Analyst Reinhard Klages. Der Branchenschnitt der Rechnungszins-Belastungsquote stieg von 87,4 auf 90,61 Prozent.

Wo es die stärksten Belastungen gab

Am stärksten betroffen durch die Rechnungszinsen waren 2020 mit über 100 Prozent Belastungsquote die  noch junge Volkswohlbund-Tochter Dortmunder (4.045 Prozent), der Run-off-Anbieter Skandia (569 Prozent), die Nürnberger Beamten (164 Prozent), Credit Life (134 Prozent) und die Lebensversicherung im Raum der Kirchen (132 Prozent). Doch auch wichtige Anbieter wie HUK-Coburg (123 Prozent), LVM (118 Prozent), Debeka (117 Prozent), Bayern-Versicherung (114 Prozent), R+V (110 Prozent) oder Alte Leipziger (108 Prozent) kämpfen da mit nicht ausreichend anrechenbaren Kapitalerträgen. Sie mussten auf andere Ergebnisquellen wie Eigenmittel oder Risikogewinne zurückgreifen, um die Anforderungen aus dem Rechnungszins zu erfüllen.

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Die Folgen und die Einordnung

Folge für Berater und Kunden: Neue Policen mit Garantien sollten nicht unbedingt dort eingedeckt werden. „Eine einzige Kennzahl sollte jedoch generell nicht isoliert betrachtet oder überbewertet werden“ relativiert Klages. Zudem gelte es immer auf die Zusammenhänge zwischen den Kennzahlen und dem Bestandsmix zu achten. „Hohe Anteile an Risiko- und/oder fondsgebundenen Policen bewirken deutlich andere Ergebnisse als konventionelle Verträge“, so der Analyst. Außerdem sei zu beachten, dass die Rechnungszins-Verpflichtungen bereits die Zuführung zur Zinszusatzreserve (ZZR) beinhalten. Dem zusätzlichen Reservepolster wurden 2020 knapp 10,91 Milliarden Euro zugeführt. Insgesamt standen die marktweiten Reserven Ende 2020 damit bei knapp 85,4 Milliarden Euro.

Unterm Strich schnitten im LV-Bilanzrating 2020 vom Map-Report neun Anbieter exzellent ab: Allianz, Hannoversche, Europa, LV 1871, Condor, Ideal, Ergo Vorsorge, Axa und Dialog. Knapp dahinter folgen sechs weitere Gesellschaften mit hervorragender Bewertung: Swiss Life, Deutsche Ärzte, LVM, Provinzial Hannover, DEVK Eisenbahn und R+V. Selbst die folgenden 18 Versicherer bekamen noch eine sehr gute Bewertung, weitere 14 eine gute Bewertung.

LV-Check 2021 und Maklers Lieblinge

Alternativ bietet der procontraLV-Check 2021“, der von 65 Lebensversicherern mit über 95 Prozent Marktabdeckung jeweils mit mehr als 50 Bilanzkennzahlen aufwartet, eine Spartenanalyse (Kapital-, Risiko-, Renten-, Fonds- und Kollektivgeschäft), analysiert die Kapitalanlagenstruktur der Anbieter, die Zusammensetzung der RfB und auch das Neugeschäft (hier für 48,50 Euro zu bekommen).

Aus Maklersicht favorisieren die unabhängigen Vermittler unter 12 verschiedenen LV-Produkten ganz überwiegend die Allianz, Volkswohlbund, Canada Life, WWK und Stuttgarter, ergab die procontra-Umfrage „Maklers Lieblinge 2021“ unter gut 1.000 Vermittlern. Das meiste Altersvorsorgegeschäft im dritten Quartal 2021 ging in Fondspolicen, sagen knapp 60 Prozent der Makler. Am meisten favorisieren sie dabei Alte Leipziger, Canada Life und Allianz, so das Ergebnis der Umfrage „Trends IV/2021“ der BBG Betriebsberatung, unter 396 Maklern und Mehrfachvermittlern.

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