LV: Was steckt hinter der neuen Nachhaltigkeitsinitiative?

Der Druck auf nachhaltige Produkte und Kapitalanlage steigt insbesondere in der Altersvorsorge. Jetzt hat sich eine Brancheninitiative für die Lebensversicherung konstituiert. Was deren Ziele sind, wer mitmacht und wie auch Makler davon profitieren.

Das Institut für Finanz-Markt-Analyse (Infinma) hat kürzlich die Branchen-Initiative „Nachhaltigkeit in der Lebensversicherung“ ins Leben gerufen. „Mit den anstehenden Änderungen der Versicherungsvertriebsrichtlinie und der Notwendigkeit, künftig auch auf die Nachhaltigkeitspräferenzen der Kunden eingehen zu müssen, wird es auch im Bereich der Altersvorsorge noch einmal einen deutlichen Schub geben“, begründet Infinma-Geschäftsführer Marc Glissmann diesen Schritt.

Da Nachhaltigkeitsrisiken im gesamten Governance-System eines Unternehmens zu berücksichtigen sind, wird der Umgang mit Nachhaltigkeit und einem daraus möglicherweise resultierenden Reputationsrisiko zu einem wesentlichen Wettbewerbsfaktor werden“, ergänzt sein Geschäftsführerkollege Jörg Schulz. Gleichzeitig sei das Know-how rund um Nachhaltigkeit im Versicherungsvertrieb bisher oft nur wenig ausgeprägt. Immer noch werde nachhaltiges Handeln häufig mit der Bekämpfung des Klimawandels und daraus folgend einer CO2-Reduktion gleichgesetzt. Ein erstes ESG-Rating unterstreicht das.

Wer alles mitmachen kann

Die neue Branchen-Initiative soll einerseits die Akteure auf dem Markt der Altersvorsorge bzw. Biometrie zusammenbringen, also Erst- und Rückversicherer, Kapitalanlagegesellschaften und Banken, Makler, Vertriebe und Pools, andererseits auch alle anderen Interessierten, etwa Vereine, Verbände oder auch nichtkommerzielle Organisationen (NGO). Ziel sei es vor allem, Wissen rund um das Thema Nachhaltigkeit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Somit profitieren Produktanbieter, Zulieferer und Vermittler gleichermaßen“, hofft Glissmann.

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Über eine eigene Internetseite soll künftig auch ein ESG-Finder aufgerufen werden können. Mit dieser Online-Anwendung soll der Nutzer gezielt nach Fonds mit nachhaltiger Ausrichtung, nachhaltigen Altersvorsorgeprodukten, aber auch den Fondsangeboten von Investmentgesellschaften suchen können – kostenlos, unverbindlich und ohne Anmeldung.

Die Gründungsmitglieder

Das Echo auf die Gründung der Initiative ist groß, da der Wunsch nach einem zentralen Nachhaltigkeits-Kompetenzzentrum Altersvorsorge den Nerv der Branche trifft. Bisher sind 15 Versicherer und die Großbank BNP Paribas als Gründungsmitglieder beigetreten: Barmenia, Canada Life, Ergo Life, Generali, HDI Leben, Neue Leben, Nürnberger, PB Leben, Signal Iduna, Stuttgarter, Targo Leben, Universa, Volkswohl Bund, WWK und die österreichische Merkur Versicherung.

„Die Transformation der Gesellschaft schafft keiner allein“, begründet Barmenia-Vorstandschef Andreas Eurich den Schritt. Man werde sich in den Wissenstransfer einbringen, um Versicherungslösungen für eine enkelgerechte Zukunft zu schaffen. Dabei könne man auf zahlreiche Basics aufbauen. So habe die Barmenia schon vor 20 Jahren begonnen, Alterungsrückstellungen einer Krankenvollversicherung in ökologische Fonds zu investieren.

Barmenia für enkelgerechte Zukunft

Seit 2010 könnten Barmenia-Kunden Nachhaltigkeitsfonds in der Rentenversicherung wählen. 2014 haben wir die Grundsätze für verantwortungsvolles Investieren der Vereinten Nationen (UNPRI) gezeichnet. So wurden Ausschlusskriterien festgelegt, in welche Staaten und Unternehmen kein Geld angelegt wird. Auch Verstöße gegen die UN Global Compact durch Unternehmen führen bei der Barmenia zum Ausschluss von Investitionen.

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