„Tesla überflügelt erstmals BMW 3er, Audi A4 und Mercedes C-Klasse“, titelte die Wirtschaftswoche vor wenigen Tagen. Von einer Zeitenwende am Automarkt schrieb das Magazin, weil hierzulande im Monat September mehr Model-3-Elektroautos von Tesla zugelassen wurden als die genannten Verbrenner-Modelle der drei deutschen Autobauer zusammen.
Wenn E-Autos in Deutschland bereits eine so große Rolle spielen, dann nehmen sie auch immer größeren Einfluss auf die Kfz-Versicherung. Unter anderem im Interview mit dem Handelsblatt hatte Klaus-Jürgen Heitmann, Chef des Kfz-Markführers Huk-Coburg, kürzlich betont, dass der fränkische Versicherer ein guter Partner für den E-Auto-Giganten Tesla wäre. Allein in seiner neuen Gigafactory in Brandenburg will Tesla-Chef Elon Musk rund 500.000 Fahrzeuge jährlich bauen lassen.
Höherer Aufwand, gleiche Courtage
Auf diese Entwicklung haben sich zahlreiche Kfz-Versicherer eingestellt und in den vergangenen Wochen ihre Tarifpalette für reine Elektroautos und Hybrid-Fahrzeuge ausgebaut. Im Fokus steht dabei vor allem der Schutz für den Akku, das Herzstück eines jeden elektronisch angetriebenen Autos. Die Updates kommen zeitlich passend, schließlich steht die Kfz-Wechselsaison vor der Tür oder hat für viele Vermittler sogar schon begonnen. Aber wird sich die Beratung in der Kfz-Versicherung für Makler durch ein vermehrtes Aufkommen von E-Autos weitgreifend verändern? Wird die Sparte, die als mehr oder weniger einfach gilt und deshalb immer mehr von Vergleichsportalen beackert wird, für klassische Makler sogar wieder attraktiver? Vielleicht sogar schon in diesem heißen Herbst?
„Die Zahl der Kunden, die ein E-Auto fahren, steigt auch bei mir. In meiner Beratungsarbeit wälzt das aber nichts um“, sagt Christian Albert, Geschäftsführer des Maklerunternehmens Kassekura in Fritzlar. Er relativiert die Euphorie, es könne sich für Makler besonders lohnen, sich jetzt tiefgehend mit der Versicherung von E-Autos zu beschäftigen, vielleicht sogar darauf zu spezialisieren. Zwar sei der Beratungsaufwand für E-Auto-Tarife teilweise höher als der für Verbrenner – neben dem Akku-Schutz beispielsweise auch wegen Themen wie Hacker-Angriffe auf die Fahrzeug-Software oder Diebstahl von Ladekabeln. Die Versicherungsbeiträge wären aber größtenteils gleich hoch und damit auch die sich daraus ergebende Provision.
Laut GDV-Zahlen haben sich die Preise für Pkw-Ersatzteile in den vergangenen neun Jahren um 44 Prozent erhöht – gegenüber einer allgemeinen Erhöhung der Verbraucherpreise um 13 Prozent im selben Zeitraum. Daran haben auch E-Autos ihren Anteil, die bei Schäden oft noch relativ neu sind und viel teure Technik enthalten. Nun gibt es einige E-Autos, die in Folge teurer Schäden relativ hohe Typklassen in der Vollkaskoversicherung aufweisen, deshalb hohe Prämien kosten und somit für Makler wieder interessanter werden. Doch das würde unter dem Strich kaum etwas ausmachen, sagt Albert, der sich mit den Policen für E-Autos gut auskennt. Außerdem habe er noch keinen Neukunden gewonnen, indem er als Einstiegsgeschäft dessen Auto versichert hätte.
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Etwas anders sieht es Versicherungsmakler Peter Bieger aus Recklinghausen. Er hat sich sogar auf den Schutz für E-Autos spezialisiert und könne darauf aufbauend auch das Cross-Selling angehen. Sich über das Thema E-Auto zu positionieren macht aus seiner Sicht aber nur Sinn, wenn man selbst eines fährt und sich gerne viel mit der Thematik beschäftigt. „Wenn jemand bei einem anfragt und man weiß nicht, um was für ein Auto es grad geht, wirkt das eher unqualifiziert“, bemerkt Bieger.
Als relativ wichtigen Aspekt der Deckung für E-Autos erachtet er den Verzicht auf den Abzug „neu für alt“ beim Akku. Bei Neuwagen und damit auch meistens im Leasingbereich sei das meistens kein Problem, da in den ersten zwei bis drei Jahren eigentlich immer Neupreisentschädigung gelte. Bei gebrauchten E-Autos – und deren Anzahl dürfte in Zukunft zunehmen – sollte man aber darauf achten. Denn ein neuer Akku für den Stromer kostet 8.000 bis 10.000 Euro und hält circa zehn Jahre lang. Geht der Akku nach fünf Jahren kaputt, so können demnach etwa 4.000 bis 5.000 Euro Zuzahlung auf den Versicherungsnehmer zukommen, obwohl der Schaden versichert ist.
Beide, Bieger und Albert, sehen bei den Tarifen für E-Autos ein vergleichbares Niveau wie bei denen für Verbrenner-Fahrzeuge. Es gebe Premium-Tarife, die alles mit abdecken würden, beispielsweise auch die Entsorgung eines ausgebrannten Akkus, falls der Hersteller dafür nicht aufkommt. Generell gebe es aber die gleichen Ursachen für enttäuschte Kunden. Etwa wenn diese Billigtarife abgeschlossen haben, die dann keine Folgeschäden von Tierbissen oder Kurzschlüssen mitversichert haben. Um so etwas zu vermeiden, sei gute Beratung das Mittel der Wahl.
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