Die gute Nachricht zuerst: Versicherungsmakler sind beim Vertrieb von Lebensversicherungen noch immer der zweitwichtigste Vertriebskanal. Laut der aktuellen Vertriebswege-Statistik, die der GDV an diesem Montag veröffentlichte, kommen Makler bei Lebensversicherungen auf einen Neugeschäftsanteil von 26,2 Prozent. Das sind allerdings über zwei Prozentpunkte weniger als noch 2020, als auf Makler 28,6 Prozent des Leben-Neugeschäfts entfiel. Einen so geringen Anteil am Neugeschäft hatten Makler zuletzt 2014 verbucht (26,1 Prozent).
Als großer Gewinner des vergangenen Jahres gehen die Banken hervor. Ihr Anteil am Neugeschäft mit Lebens- und Rentenversicherungen stieg um fast zwei Prozent auf 20,9 Prozent, im Vorjahr waren es noch 20,1 Prozent.
Direktvertrieb bei Lebensversicherungen spielt keine Rolle
Leicht verloren hat auch der Vertriebs-Primus, die Einfirmenvertreter. 38,5 Prozent des Leben-Neugeschäfts entfiel auf sie – das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als noch im Jahr zuvor. Obwohl sich die Zahl der Versicherungsvertreter 2021 stark rückläufig entwickelte und in manchen Quartalen regelrecht einbrach, sind sie weiterhin mit Abstand der bedeutendste Vertriebskanal.
Der Direktvertrieb beziehungsweise der Abschluss über Vergleichsportale spielt im beratungsintensiven Geschäft mit Lebensversicherungen weiterhin kaum eine Rolle. Ihr Anteil am Neugeschäft liegt mit 3,3 Prozent ungefähr auf Vorjahresniveau (3,4 Prozent).
Dabei wird mittlerweile knapp jede sechste Schaden-/ Unfall- und Haftpflichtversicherung (16,4 Prozent) via Webseite oder App abgeschlossen. Im Vergleich zu den Vorjahren (2020: 14,6 Prozent, 2019: 9,4 Prozent) gewinnt der digitale Abschluss zumindest in diesem Segment rasant an Bedeutung. Bei Kfz-Versicherungen liegt der Anteil mit 24 Prozent noch einmal deutlich höher.
Einer der Gründe für den starken Anstieg ist laut Angaben des GDV, dass viele Versicherungen mittlerweile zusammen mit anderen Produkten gekauft werden. Wer ein Fahrrad online kauft, bekommt häufig auch gleich den Versicherungsschutz dazu angeboten.
Doch auch Makler und Vertreter setzen immer häufiger auf einen digitalen Abschluss. Insbesondere bei Rechtsschutz- und Schaden-/Unfallversicherungen registrierte der GDV, dass diese wesentlich häufiger als in früheren Jahren digital bei Maklern oder Vertretern abgeschlossen werden.
Da die Digitalisierung praktisch in jedem Vertriebsweg Einzug erhalten hat, fallen die Auswirkungen auf die Marktanteile der einzelnen Vertriebswege gering aus. Der Anteil des Direktvertriebs (inklusive Vergleichsportale) bleibt weiter konstant. Am stärksten ist er im Bereich der Kfz-Versicherungen (19,4 Prozent), bei Rechtsschutz-Policen (7,6 Prozent) und bei Krankenversicherungen (7,5), bei Sach-/Unfall- und Haftpflichtpolicen (2,8) und bei Lebensversicherungen (3,3) spielt der Direktvertrieb hingegen kaum eine Rolle.
Sach: Makler bauen Marktanteil aus
Makler konnten im Bereich der Sachversicherungen (inklusive Kfz und Rechtsschutz) ihren Marktanteil gegenüber dem Vorjahr ausbauen – hier kamen sie 2021 beim Neugeschäft auf einen Anteil von 29,5 Prozent. Damit konnten Makler ihre Position gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozentpunkte ausbauen. Weniger erfreulich ist hingegen der Blick auf die private Krankenversicherung. Mit einem Anteil am Neugeschäft von 24,3 Prozent lag der Makleranteil deutlich unter dem Niveau der Vorjahre. 2020 verzeichneten Makler hier noch einen Anteil von 26,8 Prozent, in den Jahren zuvor lag der Anteil ungefähr auf demselben Niveau.
Den größten Anteil im Bereich der privaten Krankenversicherungen haben trotz deutlicher Verluste (49,4 statt 56,4 Prozent im Jahr 2020) nach wie vor die Einfirmenvertreter. Auf sie entfällt beinahe jede zweite neu abgeschlossene private Krankenversicherung. Deutlich zulegen konnte im Vergleich zum Vorjahr der Vertriebskanal „Sonstige". Unklar bleibt allerdings, was die Versicherer unter diesem verstehen. Die Vertriebswegestatistik des GDV basiert auf einer Umfrage der Mitgliedsunternehmen – diese können "Sonstige" wählen, wenn die übrigen vorgegebenen Vertriebswege nicht passen.

