Durch die Pandemie kam es in jedem zehnten Betrieb zu schweren Schäden für die bAV, vor allem durch den Niedrigzins, während die meisten Unternehmen wachsenden Bedarf an digitalen Lösungen rund um die bAV anmelden. Gemischt finanzierte Modelle sind weiter im Trend. Die Versicherer behaupten den 1. Platz als bAV-Partner des Mittelstands, während Pensionskassen Marktanteile einbüßen.
Das sind wichtige Ergebnisse der Studie „Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand 2021“ von Generali Deutschland und FAZ Business Media. Basis der Erhebung war eine Forsa-Befragung unter 200 Personalverantwortlichen mit der Zuständigkeit für die bAV aus deutschen mittelständischen Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern.
Digitale Transformation der bAV
In der Corona-Krise haben viele Betriebe die digitale Transformation rasch vorangetrieben. Gut drei Viertel der bAV-Experten nennen mindestens einen digitalen Prozess, den der eigene Betrieb inzwischen nutzt oder benötigt. Lediglich 14 Prozent der Betriebe geben an, keine der vorgegebenen digitalen Lösungen zu brauchen.
„Die Generali arbeitet an standardisierten Schnittstellen (Bipro-Normen), baut aber kein eigenes Portal“, berichtet Nadine Beeckmann, Head of Broker bAV der Generali Deutschland. „Das können andere besser“, sagte Beeckmann kürzlich auf der 22. bAV-Handelsblatt-Jahrestagung. Stattdessen würden externe Lösungen mit eigenen Webservices bestückt, informiert Beeckmann, die zugleich Vorstand Generali Pensionsfonds sowie Generali Pensionskasse ist. Laut Studie legen zwei Drittel der Firmen Wert auf digitale Schnittstellen für die bAV-Administration.
Versicherer und Makler sind gefragte Partner
Die Versicherer sind weiterhin mit Abstand wichtigster Kooperationspartner des Mittelstandes in der bAV. Laut Studie geben das 80 Prozent der bAV-Verantwortlichen an – ein Minus von drei Prozentpunkten gegenüber 2019. An zweiter Stelle liegen Versicherungsmakler mit deutlich verbesserten 43 Prozent (2019: 37 Prozent). Dahinter folgen Pensionskassen, die mit 36 Prozent den schlechtesten Wert seit dem Start dieser Studienreihe 2012 aufweisen (2019: 41 Prozent). Branchen- beziehungsweise tarifvertragliche Versorgungswerke kommen auf 18 Prozent (2019: 19 Prozent) und sind vor allem bei größeren Betrieben zu finden.
Seite 1: Was eine neue Studie zur bAV im Mittelstand offenbart
Seite 2: Warum bAV-Finanzierung über Verbreitung und Mitarbeiterbindung entscheidet
Bei der Finanzierung der bAV bestätigen sich in diesem Jahr die Trends der Vorjahre. So wachsen Modelle, die eine gemischte Finanzierung aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen (Matching) vorsehen, erneut und erreichen mit 80 Prozent der befragten bAV-Experten einen neuen Höchstwert (2011: 55 Prozent).
Die rein arbeitnehmerfinanzierte Entgeltumwandlung legt im Vergleich zur Befragung von 2019 um sechs Prozentpunkte auf 50 Prozent der befragten Betriebe zu. Auch die rein arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente zeigt sich robust mit einem Anteil von 26 Prozent (2019: 29 Prozent).
Direktversicherung und Entgeltumwandlung am verbreitetsten
Die Entgeltumwandlung – sowohl die rein arbeitnehmerfinanzierte Variante als auch Pläne mit Matching-Komponenten – erzielt 99 Prozent und deckt damit quasi alle befragten Betriebe ab. Produktfavorit ist dabei im Mittelstand weiter unangefochten die Direktversicherung mit 82 Prozent (2019: 84 Prozent), gefolgt von der Pensionskasse mit 53 Prozent (2019: 57 Prozent) und der branchen- beziehungsweise tarifvertraglichen Versorgung mit 30 Prozent (2019: 28 Prozent).
Daran schließen sich die Unterstützungskasse und die Direktzusage mit je 27 Prozent an (2019: 32 Prozent). Mit größerem Abstand folgen Pensionsfonds mit stabilen 17 Prozent, die betriebliche Riester-Rente mit 15 Prozent (2019: 9 Prozent) und individuell entwickelte Spezialmodelle (sechs Prozent).
Mitarbeiter mit AG-finanzierter bAV gut gebunden
Firmen wünschen sich vor allem, ihre bAV einfach und effizient zu verwalten. Unterm Strich bleibt die bAV mit einer finanziellen Arbeitgeberbeteiligung auf Platz 2 der HR-Instrumente zur Mitarbeiterbindung, geben 83 Prozent der Entscheider an (2019: 85 Prozent).
Die bAV mit Arbeitgeberbeteiligung schneidet in der Frage nach der Zufriedenheit der bAV-Verantwortlichen sehr gut ab. Mit 82 Prozent für „sehr zufrieden“ beziehungsweise „zufrieden“ liegt sie auf dem vierten Platz bei der Wirkung als HR-Instrument zur Mitarbeiterbindung. Nur flexible Arbeitszeitmodelle (93 Prozent), regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen (87 Prozent) und Home-Office (85 Prozent) erzielen höhere Werte – siehe Grafik.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!
Seite 1: Was eine neue Studie zur bAV im Mittelstand offenbart
Seite 2: Warum bAV-Finanzierung über Verbreitung und Mitarbeiterbindung entscheidet

