Für die einen müssen es die Verwendung von klimaneutralen Materialien im Schadenfall und nachhaltige Kapitalanlagen sein, anderen reicht schon ein papierloses Büro im Innendienst. Was genau einen nachhaltigen Versicherer ausmacht, darüber herrscht noch keine Einigkeit unter den Verbrauchern. Fakt ist aber, dass bereits viele von Ihnen dazu bereit sind, mehr Geld für nachhaltige Versicherungen gegenüber herkömmlichen Policen und ihren Anbietern auszugeben. Das wissen die Unternehmen und stellen ihre ESG-konformen Vorzüge bei nahezu jeder Gelegenheit heraus.
Um dabei sowohl als Vermittler als auch als Kunde nicht den Überblick zu verlieren oder gar Green-Washern auf den Leim zu gehen, helfen Nachhaltigkeitsbewertungen der Versicherer. Ein solches Rating hat nun zum ersten Mal das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) durchgeführt. In seinem „Nachhaltigkeits-Kompetenz-Rating 2022“ hat das Analysehaus keine einzelnen Produkte oder Aktivitäten der Unternehmen in den Mittelpunkt gestellt, sondern deren Bestrebungen in puncto Nachhaltigkeit als Ganzes betrachtet. Konzipiert ist das Rating nur für Lebensversicherer.
Nur 17 Teilnehmer
An der Premiere dieses, wie es heißt, „für alle Versicherer offenstehenden und kostenlosen Vergleichs“, nahmen 17 Unternehmen teil. Das ist nur etwa ein Fünftel aller Anbieter am Markt. „Aufgrund der umfangreichen Datenerhebung und damit verbunden hohen internen Aufwänden nehmen in der Regel vorzugsweise jene Gesellschaften teil, die sich Chancen auf eine sehr gute Bewertung ausrechnen, weshalb die Qualität unter allen teilnehmenden Gesellschaften als sehr hoch anzusehen ist“, erklärt man sich beim IVFP die geringe Marktabdeckung.
Die Daten für das Rating wurden überwiegend durch einen Fragenkatalog bei den Unternehmen erhoben. Dabei wurden 34 Einzelkriterien abgeprüft, die sich auf vier unterschiedlich schwer gewichtete Teildimensionen verteilten:
So wurde bewertet
Die hohe Gewichtung der Teildimension Strategie verdeutlicht, laut IVFP-Geschäftsführer Michael Hauer, den zukunftsgewandten Charakter des Ratings. „Die Unternehmen werden nicht für etwaige Altlasten abgestraft, sondern für eine glaubhafte nachhaltige Transformationsstrategie belohnt“, so Hauer.
Da das Rating alle Aspekte eines nachhaltigen Versicherers erfassen will, wurden in der Teildimension Strategie zum Beispiel angefragt, inwiefern Vorstandsgehälter mit dem Erreichen von Nachhaltigkeitszielen verknüpft sind, anhand welcher Kriterien die Lebensversicherer die Nachhaltigkeit ihrer Kapitalanlagen messen und welche konkreten Anreize für ein nachhaltigeres Verhalten den Mitarbeitern gegeben werden.
In der Teildimension Prozesse mussten die Unternehmen unter anderem über die Auswahl ihrer Fonds und die Vermeidung von ESG-Washing in ihren Produkten Auskunft geben. In der Teildimension Produkt & Services ging es zum Beispiel darum, ob intern Spezialisten für Fragen zum Thema Nachhaltigkeit zur Verfügung stehen und ob Vermittler spezialisierten Informationen und Materialien ausgestattet wurden. Bei der Teildimension Kennzahlen rückten dann vor allem der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß pro Mitarbeiter und der Energieverbrauch des Unternehmens in den Mittelpunkt.
Unter dem Strich nennt das IVFP öffentlich nur die Unternehmen, die die Bestnote im Rating (Exzellent) oder die zweitbeste Bewertung (Sehr Gut) erreichen konnten. Laut Hauer würden Unternehmen, die in ihren Nachhaltigkeitsbestrebungen noch nicht so weit sind, die Teilnahme eher noch scheuen. Beim IVFP hält man es aber für wichtig, dass auch diese Unternehmen die Möglichkeit nutzen, sich in Sachen Nachhaltigkeit am Markt einordnen zu lassen. Dies wolle man fördern, indem man auf eine Herausstellung der schlechteren Ergebnisse verzichtet.
Das sind die Testsieger
Offenbar gibt es aber auch bei den bereits sehr nachhaltig ausgerichteten Lebensversicherern noch Luft nach oben. Die Bestnote Exzellent konnte kein einziges der 17 Unternehmen erreichen. Sehr Gut wurde neun Mal vergeben (in alphabetischer Reihenfolge). Die übrigen acht Unternehmen erreichten schlechtere Gesamtnoten:
Alte Leipziger
AXA
HDI
Neue Leben
Signal Iduna
Stuttgarter
Swiss Life
Targo
Zurich Deutscher Herold

