Policen für Existenzgründer in unsicheren Zeiten

Die Pandemie ist noch nicht vorbei, Deutschland befindet sich inmitten der vierten Welle. In unsicheren Zeiten ist eine Existenzgründung besonders riskant. Daher rückt eine Absicherung noch stärker in den Fokus. Versicherungsmakler sollten die Gründerszene stärker in den Blick nehmen.

Die große Gefahr für Existenzgründer in der Corona-Krise: Sie geraten an den falschen Berater, der optimale Absicherung als „Vielschutz“ verkauft oder inkompetent ist. Der erste Gedanke in einer neuen Situation geht zum Altbekannten.

Das machten auch Christian Gehring und Florian Rottenberger so. Das Duo machte sich 2020 mit der G&R Heizung Sanitär GmbH aus dem rheinland-pfälzischen Nierstein selbstständig. „Trotz Corona sind wir sehr optimistisch und haben schon etliche Aufträge erhalten“, sagt Florian Rottenberger aus Mainz. Beide Handwerker sind Installateur- und Heizungsbaumeister. Im früheren Studium lernten sie einen „Versicherungsfachmann“ kennen und wandten sich an ihn für den nun anstehenden Firmenschutz.

Maklerin weist auf Lücken hin

Glücklicherweise gingen sie mit dessen Angebot aufgrund einer Empfehlung nochmals zu Versicherungsmaklerin Alexandra Kallmeier (verscare.de). Sie klärte ausführlich über Risiken und die Absicherungsmöglichkeiten auf. Denn die vorliegenden Angebote des „Versicherungsfachmanns“ waren nach der Analyse der Gewerbespezialistin lückenhaft und passten für die Neugründung nicht an allen Stellen.

Erst nach dieser Beratung wurde den Jungunternehmern klar, dass ihr „Berater“ gar nicht auf alle Versicherungen am Markt zugreifen konnte. Ein typischer Fall. Gute Versicherungsberatung dürfte für viele Gründer echte Glücksache sein. „Wir gehen vom Leitbild und der Strategie eines optimalen Versicherungsschutzes aus. Das bedeutet nicht die lückenlose Versicherung aller Risiken, sondern ein sorgfältig abgestimmtes System aus Risikominderung, Versicherung und selbst getragenen Risiken“, erläutern die Versicherungsberater Oskar Durstin und Jürgen Karpf auf ihrer Homepage RiverConsulting.de.

Die Experten für Gewerbeabsicherung wären für Existenzgründer ebenfalls eine gute Adresse. Doch wer die Website der Berater nach „Existenzgründer“ oder „Existenzgründung“ durchsucht wird nicht fündig. Nicht viel besser sieht es aus, wenn man im Netz nach „Existenzgründer Versicherung“ googelt. In der Stichprobe befinden sich unter den ersten zehn Ergebnisse sehr oberflächliche Infos, Links zu Versicherern oder Online-Vergleichsportalen und sachlich sehr umfassende Darstellungen, wie ein PDF der IHK oder ein Beitrag im Auftrag des Softwarehauses Lexware. Gleich zweimal ist der Onlinemakler FinanzChef24 vertreten und nur einmal ein regionaler Versicherungsmakler (Main Finanz/Grafenberg AG).

Bestehende Baustellen

Der alteingesessene Versicherungsmakler Johannes Brück aus Düsseldorf ist an dieser Stelle selbstkritisch: „Internetpräsenz und Suchoptimierung sind sicher Baustellen vieler Kollegen. Manches bleibt im Tagesgeschäft liegen.“ Dabei dürfte die wichtige Existenzberatung zur Versicherung derzeit angeschoben durch die Corona-Pandemie noch digitaler werden. So rechnet etwa Finanzchef24 damit, dass das Gewerbeversicherungsvergleichsportal nun einen Boom erlebt. „Da digitale und onlinefähige Vertriebs- und Produktmodelle sicherlich weiter verstärkt nachgefragt werden“, wie Geschäftsführer Benjamin Papo prognostiziert.

Die meisten Kunden, die zu dem Onlinemakler kommen, sind Gründer. Damit nimmt der Broker den traditionellen Maklern zwar nicht direkt Kunden ab, doch der Kuchen wird auf die Dauer immer kleiner. Und es gibt Konkurrenz, wie Versicherungswelt24, Finanzchecks.de oder das Portal Gewerbefuchs. Wer als Versicherungsmakler selbst einen Gewerbevergleichsrechner auf seine Homepage integrieren möchte, kann sich an die Thinksurance GmbH wenden. Damit ist auch ein Online-Abschluss für Kunden möglich.

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Demgegenüber favorisiert die bisure GmbH in Kooperation mit dem Maklerpool Blau Direkt die Versicherungsmanager-App simplr. Motto: „Einfacher kannst Du gar nicht im Kopf des Kunden bleiben.“ Doch da muss man als Gründer erst einmal rein. Und das geht nur, indem das Thema Existenzgründer intensiv auf der Homepage behandelt wird. Dabei sollten Basics möglichst kurz aber auf verschiedenen Seiten immer wieder abgehandelt werden. Doch Technik kann auch kontraproduktiv wirken.

So halten Nicole Litau und René Bendgens von der Versicherungsmakler Bendgens GmbH sehr wenig von einem direkten Onlineabschluss. Über den Vergleichsrechner der Nafi-Unternehmensberatung hat der unabhängige Vermittler in den vergangenen Jahren viele Monokunden erhalten, die oft in ganz verschiedenen Regionen in Deutschland ansässig waren. „Wir wollen die Kunden aber ganzheitlich beraten. Daher haben wir den Nafi-Rechner wieder abgeschafft“, sagt René Bendgens. Heute kommen mehr als 95 Prozent seiner Kunden aus einem Radius von 100 Kilometern.

Existenzschutz hat oberste Priorität

Auch Versicherungsmakler Brück ist skeptisch. „Der Versicherungsmakler aus dem 500 Kilometer entfernten München kann niemals so beraten, wie der regionale Makler, der sich notfalls trotz möglicher Videoberatung, dann doch für einen Direktkontakt ins Auto setzt.“ Für den betrieblichen Schutz gilt: nicht von der Stange kaufen, sondern einen passgenauen Versicherungsschutz zu vereinbaren. Wer aus Zeitmangel zur Online-Paketlösung greift, zahlt in der Regel zu viel, weil er Überflüssiges mit einkauft und kann trotzdem eine Versicherungslücke haben, die gefährlich werden kann. Für den Firmenschutz gilt, dass Betriebshaftpflicht, Inhalts- und Betriebsunterbrechungsversicherung auf der Homepage umfassend und einfach als notwendig dargestellt werden sollten.

Für Gründer ist es wichtig, dass sie vor allem ihre Existenz schützen. „Und da gehört die Haftpflichtversicherung für den Betrieb an die erste Stelle“, sagt Jens Stilbauer, Senior Direktor Firmenkunden beim Versicherungsmakler Hoesch & Partner. Für Gründer, die in der Regel über besonders wenige eigene Mittel verfügen, gilt laut Stilbauer: nur notwendige Policen abschließen. „Dabei sollten sie vor allem an ihre Gesundheit denken, denn besonders Selbstständige haben lange und stressige Arbeitszeiten.“ Für den persönlichen Schutz gilt es daher auch, den Existenzgründern die Wichtigkeit der Berufsunfähigkeitsversicherung und des Krankentagegelds zu vermitteln.

Praktische Beispielsrechnungen – die auch auf die Aufstockung der Absicherung hinweisen – gehören daher ins „Online-Schaufenster. Sinnvoll, weil es Seriosität vermittelt, ist es, die Nachteile der Privaten Krankenversicherung für Gründer klar zu benennen. Gleichzeitig könnte die Altersvorsorge zurückgestellt werden. Mehr denn je gilt es aktuell lediglich den existenziellen Grundbedarf zu sichern. Das EWD Expertennetzwerk Deutschland (deutschland-startet.de) rät derzeit dazu, in Branchen mit Konzepten zu gründen, die notgedrungen von der Krise profitieren aber auch außerhalb dieser gut funktionieren. Erfolgreiche Gründer dürften dann bestimmt auf ihren Versicherungs-Erst-Helfer zurückkommen.

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