Private Equity: Wandel der „gierigen Heuschrecke“

Neue Angebote, Niedrigzinsen und die Inflation rücken die Private-Equity-Anlagen zunehmend in den Fokus von Kleinanlegern. Berater sollten mit ihren Kunden allerdings genau prüfen, ob die Einstiegssummen und Risiken tragbar sind.

Private Equity hatte lange Zeit keinen guten Ruf. Nicht zuletzt, weil der ehemalige SPD-Chef Franz Müntefering Anfang der 2000er-Jahre die gesamte Branche als gierige Finanzinvestoren betitelte, die marode Unternehmen nur flottmachen, um sie möglichst schnell wieder zu verscherbeln. Das Bild der hungrigen Heuschrecke, das Müntefering damals für die Branche schuf, war lange aus den Köpfen nicht mehr wegzudenken.

Heute hat sich das Bild gewandelt. In Zeiten von Inflation und anhaltender Niedrigzinsen sehen viele Investoren in Private-Equity-Investments – zu Deutsch privates Beteiligungskapital – eine echte Alternative zu Aktien oder Fonds. Im Gegensatz zu den krisengebeutelten Anlageklassen versprechen sie sich bei Private Equity noch Renditen im zweistelligen Bereich. Bevor Vermittler allerdings zu einem Investment raten, sollten sie Investoren genauestens über Geschäftsmodell und Risiken aufklären. Denn Private Equity ist riskant und die Einstiegssummen oft hoch. Im schlimmsten Fall können Anleger einen Totalverlust erleiden.

Überdurchschnittliche Renditen und krisenfest

Weit hergeholt ist Münteferings Behauptung nicht. Wer in Private Equity investiert, kauft in der Regel tatsächlich Beteiligungen an Unternehmen, die nicht selten in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. Ziel der Investition ist es, diese Unternehmen wertsteigernd zu sanieren und letztlich gewinnbringend zu verkaufen. Dazu ruft die Private-Equity-Gesellschaft schrittweise das eingesetzte Kapital der Anleger ab. Nach einigen Jahren – wenn die Unternehmen bestenfalls wieder profitabel sind – folgt der Exit: Die Anteile werden dann entweder an andere Investoren verkauft, von dem Unternehmen zurückgekauft oder das Unternehmen geht an die Börse.

Gelingt das, winken überdurchschnittliche Renditen von bis zu 13 Prozent jährlich, wie eine Studie der Unternehmensberatung Bain & Company errechnet hat. Die Private-Equity-Gesellschaft Astorius bescherte seinen Anlegern über die vergangenen Jahre sogar Gewinne von jährlich 20 Prozent. Zum Vergleich: Mit Investments in Aktien erzielen Anleger durchschnittlich Renditen von etwa 8 Prozent pro Jahr.

Darüber hinaus hat die Vergangenheit gezeigt, dass Private-Equity-Investments deutlich krisenresistenter sind als andere Anlageklassen. „Nach Krisen wie der Finanzkrise 2008 erzielten Private-Equity-Investments sehr schnell wieder Wertzuwächse“, bestätigt Alexander Stern. Er ist seit über zehn Jahren Experte für alternative Anlagen bei der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. Der Grund: Private-Equity-Investments sind nicht börsentäglich handelbar und unterliegen dadurch nicht den momentan starken Marktschwankungen.

Exklusiver Markt

Wenn Private-Equity-Investments deutlich besser abschneiden als die meisten anderen Anlageklassen und gleichzeitig krisenfester sind, warum investieren dann nicht alle Anleger? Ein Grund sind die Eintrittsbarrieren. Hohe Mindesteinsätze, die in der Regel bei 200.000 Euro beginnen und bis in die Millionen gehen, machten es gerade für Kleinanleger schier unmöglich, am Private-Equity-Geschehen teilzuhaben.

So erklärt sich auch, warum diese Anlageklasse in Deutschland noch relativ jung ist. Im Jahr 2020 lag der Markt für Private-Equity-Investitionen hierzulande zwar bereits bei 12,6 Milliarden Euro und hat sich damit in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Trotzdem ist gerade im internationalen Vergleich noch viel Luft nach oben: In den USA ist der Trend deutlich stärker. Dort liegen Private-Equity-Investments längst im dreistelligen Milliarden-Bereich.

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Publikumsfonds als Einstieg für Privatanleger

Mittlerweile gibt es auch für Kleinanleger, die nicht so viel Kapital besitzen, einige Optionen, an Private Equity zu partizipieren. Anleger haben prinzipiell zwei Zugänge: Entweder investieren sie direkt in einen Private-Equity-Fonds oder in einen sogenannten Dachfonds. In Publikumsfonds können Investoren bereits mit einem Einsatz ab 20.000 Euro einsteigen. Die RWB Private Capital hat zum Beispiel zwei solcher Publikumsfonds am Markt – den Direct Return III und den International 8.

Das Risiko zu begrenzen ist aufgrund der hohen Summen gerade im Private-Equity-Bereich wichtig. Vermittler sollten Anlegern daher zu sogenannten Dachfonds raten, meint Thomas Weinmann, Private-Equity-Experte bei Astorius. Das sind Fonds, die wiederum in verschiedene Private-Equity-Fonds investieren. Das hat einen Vorteil: „Anleger, die in Dachfonds investieren, können ihr Risiko deutlich stärker streuen“, sagt Weinmann. Ein Beispiel: Angenommen ein Dachfonds investiert im Schnitt in acht bis zehn Private-Equity-Fonds. Da jeder Private-Equity-Fonds wiederum durchschnittlich zehn Unternehmen hält, setzen Anleger mit Dachfonds auf 80 bis 100 Unternehmen.

Eine andere Option sind ETFs auf Private Equity, die auch für recht kleine Anlagebeträge zugänglich sind. Wer sich etwa für einen Sparplan auf einen ETF entscheidet, kann theoretisch ab einem Anlagebetrag von einem Euro monatlich investieren. ETFs setzen allerdings in der Regel weder in direkte Beteiligungen noch in Private-Equity-Fonds, sondern in einen Index auf die Aktien der börsennotierten Private-Equity-Anbieter. Ein Beispiel ist der iShares Listed Private Equity Ucits, der mit einer soliden Rendite auffährt. Über einen Zeitraum von fünf Jahren schaffte der ETF eine Performance von 46,2 Prozent. Ein Manko: „Diese ETFs sind börsengehandelt und daher wiederum volatiler als Direktinvestition in Private-Equity-Fonds“, sagt Stern.

Ein weiteres Geschäftsfeld, das auch für Kleinanleger im Private Equity zugänglich ist, sind sogenannte Spacs, also Special Purpose Acquisition Companies. Spacs sind Unternehmenshüllen ohne eigentliches Geschäft. Ähnlich wie im klassischen Private Equity sammeln ihre Initiatoren Kapital, um damit später junge Unternehmen aufzukaufen und auf sich zu verschmelzen. Während Spacs in den USA allerdings längst boomen, hält sich der deutsche Markt noch zurück. Experten sind sich hierzulande noch uneins, ob die Unternehmenshüllen ein Risiko oder eine Chance für die Private-Equity-Branche sind (siehe auch „Maklers Meinung“).

Risiken nicht außer Acht lassen

Egal auf welche Art sich Anleger am Private-Equity-Markt beteiligen wollen – Vermittler sollten sie bei all den Gewinnaussichten dringend über die Gefahren aufklären, die so ein Investment mit sich bringt. „Mit einem Einstieg gehen Anleger immer auch ein unternehmerisches Risiko ein“, sagt Stern. Gehen die gekauften Unternehmen insolvent, müssen Anleger große Verluste und sogar schlimmstenfalls den Totalverlust ihrer Einlage hinnehmen.

Was in Sachen Stabilität ein Vorteil ist, kann zudem in Notfällen für Anleger zum Problem werden. Da die Umstrukturierung von Unternehmen oft Jahre dauert, müssen Investoren in Kauf nehmen, dass ihr eingesetztes Kapital auch so lange gebunden ist. „Durchschnittlich können Investoren zehn Jahre nicht auf ihre Investition zugreifen“, sagt Stern. „Sie können zwar versuchen, ihre Beteiligungen anderweitig zu verkaufen. Das geht in der Regel aber nur mit hohen Abschlägen.“ Daher rät auch der Private-Equity-Experte Weinmann Anlegern immer, nicht mehr als 15 bis 20 Prozent des eigenen Vermögens in dieser Anlageklasse zu investieren.

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