Die Risiko-Lebensversicherung steht meist im Schatten der privaten Rentenversicherung, die die Versorgungslücke im Alter aufzufüllen hilft. Doch wenn ein Ernährer der Familie vorzeitig stirbt, bietet die gesetzliche Hinterbliebenenabsicherung nur rudimentären Schutz. Daher gehört eine Risiko-Lebensversicherung zum unbedingten Muss für alle, die Partner und Kinder haben. Der Überlebende muss mit einem Einkommen für Konsum, Vorsorge und Ausbildung der Kinder über die Runden kommen.
Paaren rät Finanzanalytiker und FAZ-Kolumnist Volker Looman zu zwei Risiko-Lebensversicherungen „über Kreuz“. „Im ersten Vertrag ist der Mann Versicherungsnehmer und die Frau die Versicherte, im zweiten Vertrag ist es genau umgekehrt“, schlägt der Finanzanalytiker vor. Das erspare im Fall der Fälle viel Steuern, weil die Versicherungsleistung nicht in die Erbmasse fällt, und sei für unverheiratete Paare sogar ein Muss, weil bei Erbschaften gerade mal 20.000 Euro Freibetrag eingeräumt werden.
Die wichtigsten Anbieter
Im weiter anhaltenden Immobilien-Boom wird der klassische Todesfallschutz weiterhin relativ stark nachgefragt, um den oft langlaufenden Hauskredit abzusichern. VEMA-Makler empfehlen ihren Kunden am meisten diese Anbieter: Allianz, Dialog, Hannoversche, DELA und Europa. In der Trends-Studie III/21 der BBG Betriebsberatung gelten von den Serviceversicherern neben Dialog und Allianz auch Basler, Deutsche Leben, Zurich Life (Eagle Star) und Interrisk als Favoriten der Makler.
Ausführlich hat sich das VersicherungsJournal in einem Extrablatt mit dem Thema beschäftigt (kann hier als kostenloses E-Paper heruntergeladen werden). Ein Ergebnis: Mit rund 4,4 Milliarden Euro laufendem Bruttobeitrag macht die Risiko-Lebensversicherung gut acht Prozent des gesamten Geschäfts der Lebensversicherer aus.
Laut Kölner Institut für Versicherungsinformation und Wirtschaftsdienste (Kivi) bieten zwar 73 Gesellschaften diesen Schutz an. Mehr als die Hälfte entfällt aber auf die sieben größten Anbieter, darunter mit Cosmos, Hannoversche und Europa gleich drei Direktversicherer.
Steigende Beiträge 2022?
Ein weiteres Ergebnis: Die Risiko-Lebensversicherung wird im nächsten Jahr deutlich teurer, heißt es im Extrablatt. Dabei spiele aber die Corona-Pandemie so gut wie keine Rolle. Ursache sei vielmehr die Absenkung des Höchstrechnungszinses. Daher lohnt der Abschluss bei Bedarf – ähnlich wie bei BU-Policen – noch in diesem Jahr.
„Immer wieder brechen neue, recht unbekannte Gesellschaften mit Kampfangeboten in den deutschen Markt ein“, hat Finanzsachverständiger Yan C. Steinschen beobachtet. „Wer tatsächlich dort einen Antrag stellt, muss feststellen, dass die Annahmerichtlinien von überirdisch Gesunden ausgehen“, schreibt das Gründungsmitglied des Bundesverbandes Finanz-Planer im Extrablatt.
Doch es gebe auch Ausnahmen, insbesondere die Dela Lebensversicherungen N.V., so Steinschen. Er zeigt im Extrablatt die Vielfältigkeit der Deckung auf: „Wie hoch“ und „wie lange“ versichert „wer“ „wen“ und in „welcher Form“ „bei wem“.
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Auf Unterschied von netto und brutto hinweisen
Die Risiko-Leben kann für den Vermittler ein wichtiger Baustein in der Ansprache einer spezifischen Zielgruppe sein. Justus Lücke, Geschäftsführer der Versicherungsforen Leipzig, nennt für die Kundenansprache im Extrablatt vor allem diese Gruppen: Familiengründer beziehungsweise junge Eltern, Bauherren oder Käufer von selbstgenutztem Wohneigentum auf Kredit sowie Unternehmer mit hoher Verantwortung für das eigene Unternehmen.
Ob man als Vermittler dabei eher auf die Brutto- oder die Nettoprämie abstellen sollte und wie die Beitragsspreizung überhaupt zustande kommt, kommentiert Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg. Im Extrablatt schreibt er: Noch stärker als beim Gehalt liegen bei Risiko-Policen oft Welten zwischen brutto und netto. „Der Spread beträgt im Durchschnitt 64 Prozent, die Bandbreite reicht von zehn bis 150 Prozent.“
Je größer der Spread, umso höher das Risiko steigender Zahlbeträge, weiß Franke. Wird der Bestandsvertrag teurer, stecken Versicherte oft in der Klemme: Sie sind älter als bei Abschluss des Vertrages und vielleicht auch weniger gesund als damals. Ein Wechsel des Versicherers scheidet praktisch immer aus. „Kunden auf die Gefahr einer Beitragserhöhung bei großem Spread nicht hinzuweisen, wäre höchst fahrlässig“, so der Experte. Noch wichtiger als der Preis seien aber Stabilität des Versicherers und Produktqualität.
Die richtige Versicherungssumme
Übrigens: Nach einer allgemein anerkannten Faustregel sollte die Versicherungssumme das Drei- bis Fünffache des Jahresbruttoeinkommens des Versicherten betragen. Wer kleine Kinder hat, sollte mindestens das Fünffache für die Versicherungssumme ansetzen. Bei einem deutschen Durchschnittverdiener mit 35.000 Euro Jahresbrutto wären dies also 105.000 bis 175.000 Euro.
Das kann aber nur eine Überschlagsrechnung sein, der Berater sollte mit beiden Ehepartnern genau berechnen, wie hoch der Verdienstausfall ist, wenn ein Partner stirbt, welche finanziellen Verpflichtungen dann noch bestehen, wie hoch die Ausgaben sind, welche Vermögenswerte ansonsten vorhanden sind und auch, wie das Kapital unter den gegebenen Marktbedingungen angelegt werden kann, rät Finanzanalytiker Looman. „Ausreichenden Risikoschutz kann sich eigentlich jeder leisten“, so Looman.
Wichtige Preis-Komponenten
Längst richtet sich der Preis nicht mehr nur nach dem Alter und dem Beruf des Versicherten. Bereits seit vielen Jahren ist die Unterscheidung zwischen Rauchern und Nichtrauchern üblich. Immer länger werden die Fragenkataloge zum Gesundheitszustand, von dem die Versicherer die Annahme beziehungsweise die Höhe der Zuschläge abhängig machen. Auch das Thema Berufsgruppen wird für die Tarifierung von Risikolebensversicherungen immer wichtiger.
Immer öfter unterscheiden die Anbieter auch nach Normal- und Premiumtarifen: Bei den Premiumtarifen bestehen in der Regel Nachversicherungsgarantien. Dabei können die Kunden – meist aus definierten Anlässen wie Hochzeit oder Geburt eines Kindes – die Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen. Allerdings sind diese Erhöhungsoptionen oft summenmäßig begrenzt.
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