Dass die Schlagerszene in erster Linie eine Traumwelt ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Gute Laune statt gute Stimme, lautet hier die weitverbreitete Losung. Wer das nicht glaubt, dem sei ein Auftritt des Schmuseschunklers Semino Rossi in der ZDF-Sendung „Schlager, Stars & Sterne“ ans Herz gelegt.
Der Austro-Argentinier setzte, umringt von Meerjungfrauen, gerade zur Intonation eines seiner Lieder an, als die Playback-Maschinerie nach wenigen Takten bereits den Geist aufgab. Hilflos sich umblickend stand Rossi allein auf seiner Bühne im Bergsee, als Moderator Florian Silbereisen halb helfend, halb frotzelnd „Semino, geht es gleich los“ zu ihm herüberschalmeite. „Live ist live“, kontert Rossi daraufhin. Ähmmmm…..naja.
Vorwurf gegen Heino
Dass im Schlager-Business vorwiegend auf Playback gesetzt wird, dürfte die wenigsten überraschen. Ärgerlich wird es nur, wenn – wie beim Rossi-Reinfall – anschließend per halbseidenem Schmierentheater das Gegenteil behauptet wird. Oder aber, wenn vorher getätigte Absprachen nicht eingehalten werden.
Mit einem solchen Vorwurf sieht sich derzeit Deutschlands wohl berühmtester Enzian-Euphorist Heino konfrontiert, der trotz seiner mittlerweile 83 Jahre immer noch für Auftritte gebucht werden kann.
Genau das hatte der Freizeit- und Erholungsverein Walheim im vergangenen Sommer getan, wie er in einem aktuellen Facebook-Beitrag schreibt. „Blau blüht der Enzian“, Wir lagen vor Madagaskar" oder „Carmaba, Caracho ein Whiskey“ sollte den Besuchern von Heino gesungen werden – und zwar per Halbplayback. Hierbei wird nur ein Teil der Musik vom Band abgespielt, während der andere Teil live performt wird.
Stattdessen gab es – wie der Verein bemängelt – jedoch einen Vollplaybackauftritt. „Dieser zudem aus unserer Sicht und auch aus der Sicht zahlreicher Besucher noch schlecht“, teilt der Verein auf Facebook mit. Bemängelt wird vor allem das akustische Wunder, dass die Besucher bereits Heinos Bariton deutlich vernahmen, obwohl der Künstler noch fernab jedes Mikrophons weilte.
Aufgrund des Vertragsbruchs wolle man nun Klage vor dem Landgericht Köln einreichen, teilt der Verein mit, nachdem eine außergerichtliche Einigung gescheitert sei.
Vorwürfe zurückgewiesen
Das Management von Heino weist die Klage gegenüber der Nachrichtenagentur dpa jedoch zurück. Der 83-Jährige habe jeden vereinbarten Titel gesungen. Die Art der Darbietung obliege allein der Entscheidung des Künstlers. Hinter der Beschwerde des Vereins vermute man rein monetäre Motive – schließlich hätten die Veranstalter bereits im Vorfeld aufgrund der Corona-Lage um eine Reduktion der Gage gebeten.
Welcher Künstler beim nächsten Sommerfest in Weinheim auftritt, steht noch nicht fest. Vielleicht wäre ein Interpret jenseits der Schlager-Szene eine nachdenkenswerte Idee.
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