Seit dem Jahr 2010 hat sich die Schaden- und Unfallversicherung (samt Rechtsschutz auch SHUKR abgekürzt) aus Sicht der Anbieter prächtig entwickelt und wuchs um 3,1 Prozentpunkte an den gesamten Erstversicherungsbeiträgen. Der positive Trend setzte sich trotz Pandemie 2020 weiter fort. Die Sparte konnte nicht nur weiterwachsen, sondern trotz der Pandemie auch die Profitabilität steigern, teilte die Rating-Agentur Assekurata heute in einer Web-Pressekonferenz zum „Marktausblick Schaden-/Unfallversicherung 2021/2022“ mit.
Die Einnahmen stiegen 2020 mit 2,1 Prozent etwas weniger stark als im Mittel der vergangenen zehn Jahre (2,9 Prozent). Für 2021 wird eine Steigerung knapp oberhalb von 2,1 Prozent erwartet. Gleichzeitig gingen die Versicherungsleistungen deutlich von 53,3 Milliarden Euro auf 52 Milliarden Euro zurück. Folgerichtig sank auch die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) von 92,8 auf rund 90 Prozent. „Das ist gerade im Vergleich zum Mehrjahresdurchschnitt 2010 bis 2020, der bei 95,7 Prozent liegt, ein sehr guter Wert“, sagt Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden-/Unfallversicherung bei Assekurata und Autor der Untersuchung.
Weniger Schäden könnten Kfz-Policen billiger machen
Pandemiebedingt verringerte sich die Mobilität und führte 2020 zu einem deutlichen Rückgang von Verkehrs-, Sport- und Freizeitunfällen. Zusätzlich haben vergleichsweise geringe Elementarschäden dazu beigetragen, dass der versicherungstechnische Gewinn deutlich von 5,2 auf 7,4 Milliarden Euro angestiegen ist. „In der Kfz-Versicherung eröffnet die Schadenentwicklung wieder Raum für marktweite Beitragssenkungen, ohne die Profitabilität allzu negativ zu beeinflussen“, schätzt Wittkamp.
Dabei erwiesen sich mit Ausnahme der Unfallversicherung erneut alle Zweige als sogenannte „vitale Ertragsträger“. In diese Rubrik fallen Zweige, die eine Combined Ratio unter 100 Prozent aufweisen und zugleich einen Bestandszuwachs an Verträgen zu verzeichnen haben.
Von geringer Schadenbelastung profitierte nicht nur die Kfz-Versicherung, sondern auch die Hausrat-, Haftpflicht- und Unfallversicherung. „Die pandemiebedingten Rückgänge auf der Schadenseite dürften sich auch 2021 weiter fortsetzen und die Ertragssituation der Branche erneut positiv beeinflussen“, prognostiziert Wittkamp.
Wachstumsaussichten weiter gedämpft
Gleichzeitig sei eine gedämpfte Wachstumsdynamik zu erwarten. So stieg der Zahl der Verträge 2020 nur um 0,9 Prozent an, während es im langjährigen Durchschnitt 1,2 Prozent Plus in der Stückzahl pro Jahr sind – siehe auch Grafik.
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Profiteure der Pandemie sind auch Cyberversicherungen, wo das Neugeschäft merklich anzog. „Die stärkere Verbreitung der mobilen Arbeit, aber auch die Zunahme von Schäden haben hier dafür gesorgt, dass sich viele Unternehmen stärker mit ihren IT-Risiken auseinandergesetzt und sich zeitnah um Versicherungsschutz gekümmert haben“, erläutert Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.
Auf der Schadenseite wirkt sich die Pandemie in diesem Zweig aber negativ aus. Zusammen mit der hohen Nachfrage, aber nur leicht wachsenden Kapazitäten am Markt „dürften die Prämien in der Cyberversicherung in diesem Jahr merklich ansteigen“, schätzt Will. Im Vorjahr hatte Assekurata einzig in der Cyber-Versicherung ein erhöhtes Vertriebspotenzial gesehen.
Positive Trends 2021/2022 vor allem bei Privatkunden
Für 2021 sollte sich der positive Schadentrend in der Kraftfahrt-, Hausrat- und Unfallversicherung weiter fortsetzen. Zugleich werden sich die negativen Auswirkungen der Corona-Maßnahmen weiterhin in der Betriebsschließungs- und der Kreditversicherung sowie der Rechtsschutz- und Veranstaltungsausfallversicherung niederschlagen. „Aus diesem Grund ist unverändert der Sparten- und noch viel mehr der Kundenmix entscheidend dafür, wie die einzelnen Anbieter sich 2021 behaupten“, so Wittkamp. Negative Corona-Auswirkungen dürften auch 2021 vor allem Industrie- und Gewerbeversicherer treffen, deutlich weniger das Privatkundengeschäft.
Apropos Privatkundengeschäft: Das Kompositgeschäft mit Privatkunden bleibt für Makler weiter wichtig. Eine „sehr große Relevanz" und „große Relevanz“ dieser Sparten sehen heute 74,4 Prozent der freien Vermittler. Vor fünf Jahren waren es erst 61 Prozent; in fünf Jahren erwarten die Befragten einen Wert von 75 Prozent. Das ergab die Umfrage „Privates Schaden-/Unfallgeschäft 2020“, die von der der BBG Betriebsberatung stammt und deren Neuausgabe im Juni ansteht.
Interessenten können den 47 Folien umfassenden Marktbericht samt einer begleitenden Videopräsentation auf der Assekurata-Website zum Preis von 892,50 Euro erhalten. Im Vorjahr hatte die 39-Seiten-Studie knapp die Hälfte gekostet.
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