Laut der Studie „Gewerbliches Schaden-/Unfallgeschäft 2022“ bleibt die Bedeutung der Schaden- und Unfallversicherung in Deutschland hoch, aber etwas geringer als im Vorjahr, als es auch schon einen leichten Abwärtstrend gegenüber dem Jahr zuvor gegeben hatte.
In Zahlen: Ihren aktuellen Geschäftsumsatz bestreiten die befragten freien Vermittler zu 19,4 Prozent (Vorjahr: 24,1 Prozent) mit dem gewerblich-industriellen Schaden- und Unfallgeschäft sowie zu 19,8 Prozent (Vorjahr: 18,5 Prozent) mit dem privaten Schaden- und Unfallgeschäft. Das Kfz-Geschäft wurde gesondert erfasst und kommt auf 15,2 Prozent Umsatzanteil.
Stark schwankende Daten innerhalb eines Jahres
Die Daten entstammen der 372-Seiten-Studie der BBG Betriebsberatung, an der sich diesmal nur 219 Makler und Mehrfachagenten beteiligt haben (Vorjahr: 254). Sie unterscheiden sich wie jedes Jahr auch leicht von der BBG-Studie zum privaten Sach- und Unfallgeschäft, an der aber traditionell mehr Vermittler teilnehmen (aktuell: 336). Dort weisen die Makler 37,7 Prozent ihres Umsatzes für das private SHUKR-Geschäft (samt Kfz) aus und 14,6 Prozent für das gewerbliche Geschäft (Vorjahr: 36,9 Prozent für privates und 14,7 Prozent für gewerbliches Geschäft).
Eine „sehr große Relevanz" und „große Relevanz“ der Sach- Haftpflicht, Unfall- und Rechtsschutz-Sparten sehen heute 48,8 Prozent der freien Vermittler (2021: 58 Prozent). Vor fünf Jahren waren es 38,8 Prozent, sagen die Befragten heute (2021: 50,6 Prozent); in fünf Jahren erwarten sie einen Wert von 55,1 Prozent (2021: 69,2 Prozent). Die Gründe für derart hohe Schwankungen werden in der Studie nicht genannt.
Warum das SHUK-Geschäft so wichtig ist
Als wichtigste Gründe für die hohe Relevanz des Gewerbe-Firmenkundengeschäfts nannten die Makler indirekt Umwälzungen der ganzen Versicherungsbranche. Für 41,3 Prozent ist die veränderte Kundennachfrage der wichtigste Grund (Vorjahr: 40,7 Prozent), gefolgt von Bestandssicherung und Bestandsaufbau mit 37 Prozent (Vorjahr: 59 Prozent) sowie Aufnahme der Gewerbeversicherung in Pool-Angebote und veränderte Produkte (je 30,4 Prozent).
Den meisten Umsatz im gewerblichen Schadengeschäft machen Makler mit der Betriebs-/Berufshaftpflicht, sagen fast 94 Prozent der Befragten. Es folgen gewerbliche Sachversicherungen (78 Prozent), die Rechtsschutzversicherung (60 Prozent), Kfz-Flottenversicherungen (52 Prozent) und technische Versicherungen (45 Prozent), wobei Mehrfachnennungen erlaubt waren. Erst mit Abstand folgen Cyberpolicen (34 Prozent), denen aber von 82 Prozent der Befragten in den nächsten drei Jahren der mit Abstand größte Umsatzschub zugetraut wird.
Die Favoriten der Makler in zwei Sparten
Das meiste Geschäft geht laut Studie bei der Betriebs-/Berufshaftpflicht wie im Vorjahr mit weitem Abstand an die VHV, gefolgt von der Allianz und der Axa, die R+V auf Rang 4 verdrängt hat. Auf den Plätzen in der Gunst der Makler: HDI, Rhion, Gothaer, die Haftpflichtkasse, Nürnberger und Ergo.
Bei den gewerblichen Sachversicherungen hat erneut die VHV mit großem Abstand den Spitzenrang erreicht, gefolgt wieder von R+V und Allianz. Auf den Plätzen: Axa, HDI, Rhion, Basler, Gothaer, Mannheimer und Nürnberger. Auffällig in beiden Sparten: Helvetia und Alte Leipziger mussten in der Maklergunst erheblich Federn lassen.
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Die wichtigsten Zielgruppen
Nur 23 Prozent der unabhängigen Vermittler verfolgen im Gewerbegeschäft einen strategischen Branchen- oder Zielgruppenfokus (Vorjahr: 34 Prozent). Laut Studie stehen dabei neuerdings wieder Handwerker (48,6 Prozent) an der Spitze, nachdem diese Zielgruppe 2021 im Vorjahr einen regelrechten Absturz auf 36,1 Prozent erlebt hatte, der nicht näher erklärt wurde, aber mit dem Ärger bei Betriebsschließungsversicherungen zusammenhängen könnte.
Freiberufler (40,5 Prozent nach 47,5 Prozent 2021) und Dienstleister (35,1 Prozent nach 42,6 Prozent 2021) bleiben beliebte Zielgruppen. Handel (35 Prozent) und produzierende Gewerbe (27 Prozent) haben in der Gunst der Makler zugelegt, während Landwirte als Zielgruppe stagnieren (10,8 Prozent nach 13,1 Prozent 2021).
Assekurata registriert mehr Profitabilität trotz Corona
Eine andere Studie dokumentierte kürzlich: Die Schaden- und Unfallversicherer haben 2021 rote Zahlen geschrieben – das erste Mal seit Jahren. Diese Entwicklung könnte sich auch 2022 fortsetzen, glauben Experten der Assekurata-Rating-Agentur und belegen dies anhand ihres „Marktausblicks Schaden-/Unfallversicherung 2022/2023“. „Die Bilanzen wurden 2021 sprichwörtlich verhagelt“, sagt Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden-/Unfallversicherung bei Assekurata und Autor der Untersuchung. Konnte die Branche 2020 noch einen versicherungsgeschäftlichen Gewinn von über sieben Milliarden Euro einfahren, schrieb sie 2021 rote Zahlen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro.
Die hohen Elementarschäden hätten die Versicherer zwar stark belastet, aber nicht überlastet. Aus Ertragssicht dürfte 2022 erneut ein schwieriges Jahr werden. „Die Inflation wird die Schadenkosten unabhängig von der Schadenhäufigkeit deutlich in die Höhe treiben“, prognostiziert Wittkamp. Sollte diese Entwicklung noch auf hohe Elementarschäden im Herbst treffen, könnte der Branche eine schwierige versicherungstechnische Bilanz 2022 ins Haus stehen.
Maklers Lieblinge gesucht
Vor diesem Hintergrund hat procontra die alljährliche – inzwischen neunte - Umfrage „Maklers Lieblinge“ gestartet. Unabhängige Vermittler können bestimmen, wer die besten Produktgeber in der Branche sind und bei welchem Versicherer Makler sich besonders gut aufgehoben fühlen, auch im gewerblichen Schaden- und Unfallbereich.
Der Link zur Umfrage ist freigeschaltet und die Teilnahme bis Ende August möglich. Im Vorjahr gewann in der Betriebs-/Berufshaftpflicht der HDI den Titel vor R+V und VHV sowie Rhion. Bewertet wurden auch sieben andere Teilsparten im Gewerbebereich.
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