Einer Untersuchung zufolge, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) unlängst veröffentlicht hat, machen sich fast 30 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter große Sorgen um ihre Altersversorge. Wenig überraschend: Berufstätige mit bAV-Anwartschaften sind deutlich sorgloser eingestellt. Bei der arbeitgeberfinanzierten bAV übernimmt der Chef die Beiträge zur späteren Rente sogar allein, andere Modelle arbeiten mit Entgeltumwandlung. In beiden Fällen winkt am Ende die Betriebsrente.
Eine immer größere Hürde stellte dabei die vom Gesetzgeber geforderte 100-prozentige Bruttobeitragsgarantie dar – in Zeiten niedriger Zinsen nicht darstellbar. Bereits eine Absenkung des Garantieniveaus auf 70–80 Prozent würde die Absenkung des Höchstrechnungszins realistischer berücksichtigen und den Vermögensverwaltern mehr Freiheiten bei der Asset Allocation in die Hand geben, etwa durch Erhöhung des Aktienanteils im Portfolio. Warum also nicht gleich die Zinsgarantien abschaffen, wie es die damalige Arbeitsministerin Andrea Nahles gefordert hat?
Bundesregierung sollte mutiger agieren
Damals liefen Versicherer noch dagegen Sturm, während sich Arbeitgeberverbände für ein Garantieverbot stark machten. Inzwischen wenden Branchenpioniere wie Talanx das Nahles-Modell im Einvernehmen mit Ver.di für ihre eigenen Arbeitnehmer an. Garantiert wird bei diesem Modell lediglich die Einzahlung der Beiträge. Die Arbeitgeberhaftung entfällt, und es kann mehr Geld in höher rentierliche Anlagen wie Aktien gesteckt werden. Um die Sicherheit muss man sich dabei nicht sorgen, denn mit zunehmender Vertragslaufzeit verringert sich auch das Risiko. Laufzeiten von über 15 Jahren sind in der bAV ohnehin eher die Regel als die Ausnahme.
Klar ist: Im Zeitalter eines sich verschärfenden „war for talents“ stellt auch ein attraktives bAV-Modell einen nicht zu unterschätzenden Faktor dar. Das Beispiel der Talanx zeigt: mit einer zukunftsorientierten baV-Lösung lassen sich zwei wichtige Ziele erreichen: Höhere Rentenauszahlungen und, damit verbunden, größere Attraktivität als Arbeitgeber. Die Bundesregierung sollte mutig sein und dieses Modell auf alle Durchführungswege der BaV ausdehnen. Dies würde nicht zuletzt vor allen Geringverdienern zugutekommen.
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