Die Tierliebe der Deutschen ist enorm. Inzwischen besitzen in Deutschland 47 Prozent aller Haushalte ein Haustier, schätzt der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands – in der Corona-Krise kamen noch einmal Hunderttausende Hunde, Katzen, Hamster und anderen Haustiere hinzu.
Private Tierhalter haften aufgrund der Gefährlichkeit des Tieres an sich und nicht wegen eines Verschuldens. „Tiere sollten daher auch Gegenstand der Beratung sein – mindestens für die Haftpflicht“, sagt Theo Hölscher, Vorstandschef der Uelzener Allgemeine Versicherung, einem der führenden Spezialversicherer für Tiere in Deutschland. In Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen gelten alle Hunde als gefährlich und der Besitzer muss daher eine Tierhalter-Haftpflichtpolice nachweisen.
Unterschied von globaler Marktlage und lokaler Bedeutung
Die Tierversicherung umfasst neben dem Thema Haftpflicht auch Operationskosten- und Krankenversicherungen. „Eine gute tierärztliche Versorgung ist den meisten Tierhaltern ebenso wichtig wie eine gute Krankenversicherung für sich selbst“, weiß Hölscher. Das Potenzial für Tierkrankenversicherungen ist enorm: 31 Prozent der befragten Vermittler haben es schon jetzt als relevant eingestuft, 45 Prozent tun es für die Zukunft, ergab die Marktstudie „Trends I/2022“ der BBG Betriebsberatung, an der sich 570 Makler und Mehrfachagenten mit einem Durchschnittsalter von 56,5 Jahren beteiligt hatten.
Bezogen auf das eigene Unternehmen fällt die Einschätzung der Makler allerdings deutlich schwächer aus. Gerade einmal 14 Prozent stufen Tierversicherungen für ihr eigenes Unternehmen aktuell als wichtig ein. Für die Zukunft bejahen das immerhin knapp 20 Prozent.
Makler sind selber sehr tierlieb
Dabei besitzen fast 60 Prozent der Vermittler selbst einen Hund, für die in 96 Prozent der Fälle eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung abgeschlossen wurde, und 44 Prozent eine Katze. Zusätzlich besitzen über 41 Prozent eine Tier-OP-Versicherung und 21 Prozent eine Tierkrankenversicherung.
Ihren Kunden vermitteln Makler sehr häufig Tierhalter-Haftpflichtpolicen, sagen 41 Prozent der Befragten. Knapp jeder Vierte vermittelt häufig Tier-OP-Versicherungen und elf Prozent Tierkrankenversicherungen. Im Mittelwert kommen die Befragten dabei auf 19 Abschlüsse pro Jahr bei der Tierhalter-Haftpflicht, sieben bei der Tierkranken- und neun bei der OP-Versicherung.
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Meist Hunde versichert vor Pferden
Am meisten werden Hunde versichert. Bei Tierhalterhaftpflichtversicherungen entfallen 82 Prozent aller Abschlüsse, bei Krankenversicherungen 74 Prozent und bei OP-Versicherungen 71 Prozent auf der Deutschen liebstes Haustier. Mit großem Abstand dahinter liegt die Vermittlung von Policen für Pferde (Haftpflicht: 15 Prozent; Kranken: 17 Prozent; OP: 19 Prozent). Lediglich knapp je neun Prozent der Kranken- und OP-Versicherungen werden für Katzen abgeschlossen (für Schadenersatzfälle genügt die Privathaftpflichtversicherung).
Rund die Hälfte der befragten unabhängigen Vermittler geht von einer steigenden Nachfrage nach Tierversicherungen in den kommenden Jahren aus, vor allem wegen der steigenden Behandlungskosten, meinen 62 Prozent. Rund 61 Prozent sehen zudem die steigende emotionale Tier-Mensch-Bindung als geeignetes Ansprache-Motiv für Kunden an, weil das Haustier als Familienmitglied empfunden wird. Zudem sehen 55 Prozent die Corona-Pandemie als Treiber für die Vermittlung von Tierversicherungen an (Mehrfachnennungen erlaubt) – viele Deutsche hatten sich während der Lockdowns ein Haustier zugelegt.
Die Favoriten der Makler
Die Favoriten der Makler im Einzelnen laut BBG-Umfrage, wobei wieder Mehrfachnennungen erlaubt waren:
Hauptgründe für die Zusammenarbeit mit den meistgenannten Versicherern ist nach Angaben der unabhängigen Vermittler überwiegend ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, gute Produktqualität, die reibungslose Abwicklung des Neugeschäfts sowie eine gute Schadenregulierung. Bei einer Umfrage unter VEMA-Maklern im Vorjahr waren zum Teil auch andere Versicherer positiv genannt worden, etwa die Basler.
Warum Tierversicherungen noch abgelehnt werden
Viele Makler vertreiben jedoch überhaupt keine Tierversicherungen. Die Gründe hierfür spezifiziert die Studie nicht näher, nennt aber zahlreiche mögliche Gründe. Darunter fallen eine Fokussierung auf andere Vertriebsschwerpunkte durch Makler, ein schlechtes Verhältnis von Aufwand und Ertrag, zu wenig Bedarf aus Sicht der Vermittler oder der bislang fehlende Zugang zur Zielgruppe.
Zugleich finden auch die Vorteile von Tierversicherungen Erwähnung: So gaben 37 Prozent der Befragten an, dass Tierversicherungen häufig zu Cross-Selling führen. 36 Prozent halten Tierversicherungen zudem als ein geeignetes Einstiegsprodukt für Neukunden (Mehrfachnennungen erlaubt).
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