Verletzungen von Fußballprofis sind teuer, aber versicherbar

Sportverletzungen sind ein weit verbreitetes Übel. Freizeitsportlern hilft eine private Unfallversicherung. Für Profis ist weitergehender Schutz nötig, wie die Studie eines britischen Maklers zu Verletzungen zeigt. Was Spezialmakler raten.

Die Zahl der verletzten Spieler in den fünf großen europäischen Ligen ist drastisch angestiegen. Das kostet die Vereine extrem viel Geld. Welche betriebswirtschaftliche Bedeutung Verletzungen für Vereine haben, hat der britische Versicherungsmakler Howden untersucht. Ergebnis der Studie, die der Redaktion trotz Nachfrage nicht zur Verfügung gestellt wurde: Verletzungen haben die Vereine der fünf großen europäischen Fußballligen 610 Millionen Euro gekostet – allein in der Saison 2021/22 (+ 29 Prozent gegenüber der Vorsaison).

Der Rekordwert wirft die Frage auf, wie ökonomisch sinnvoll der vorherrschende Ansatz ist, höhere Gewinne durch mehr Spiele zu erzielen. Errechnet wird der sogenannte „Football Injury Index“, in dem die täglichen Kosten eines Spielers mit der Anzahl der Tage, an denen er nicht zur Verfügung stand, multipliziert werden. Er liegt 2022 ein Fünftel höher als im Vorjahr. Die Bundesliga belegt in dieser Statistik mit 1.205 Ausfällen den zweiten Platz dicht hinter der englischen Premier League (1.231) und vor der spanischen La Liga (848).

BVB und Bayern besonders betroffen

Unfreiwilliger Erster in der Kategorie ist Paris St. Germain. Der französische Meister zahlte 41 Millionen Euro an verletzte Spieler. Dahinter liegen die spanischen Rivalen Real Madrid und FC Barcelona. In der Bundesliga ist Borussia Dortmund (BVB) aktuell mit sieben Ausfällen am hartnäckigsten vom Verletzungspech verfolgt gewesen. Auch aktuell zählt das Bundesliga-Lazarett insgesamt wieder über 55 Spieler – das entspricht mehr als zwei kompletten Kadern.

Howden erklärt die Befunde mit dem intensiven Spielstil der englischen und deutschen Klubs und dem Erreichen der letzten Runden der kontinentalen Turniere in der vergangenen Saison. In Deutschland war der FC Bayern München mit 97 Ausfällen am stärksten betroffen. Hauptursache für die vielen Verletzungen sind fehlende Regenerationspausen. Beispiel: Sadio Mané, heute bei Bayern München, bestritt für seinen vormaligen Arbeitgeber FC Liverpool in der vergangenen Saison 70 Spiele. Hinzu kommen rund 90.000 Reisekilometer. Die internationale Spielervertretung fordert, dass Spieler pro Saison maximal 55 Spiele bestreiten sollten.

Sportinvaliditäts-Absicherung zwingend

Eine elementare Konsequenz aus der Howden-Studie: Jeder Profi braucht angesichts der Dauerbelastung privaten Invaliditätsschutz. „Für einen 25-jährigen Fußballer mit 250.000 Euro Jahreseinkommen kostet die Police für 1,25 Millionen Euro Deckungsschutz und 350 Euro Krankentagegeld ab dem 43. Tag rund 22.000 Euro Jahresbeitrag, weiß Claus Wunderlich, Geschäftsführer von Die Sport-Assekuranz Financial & Insurance Broker in Pfullingen, der schon seit 1989 Policen für Fußballprofis vermittelt. Die gesetzliche Unfallversicherung zahle längst nicht immer.

„Sportunfähigkeits-Policen bieten nur wenige Versicherer, insbesondere aktuell Lloyd’s Insurance Company oder SwissRe“, berichtet Wunderlich, der inzwischen mit der zusätzlichen Firma Wunderlich Cover Solutions auch als Assekuradeur und damit als „Großhändler“ für Makler aktiv ist. „Wir haben die passenden Produkte, der Berater die Kunden – das bringen wir mit unserer langjährigen Expertise zusammen“, betont der Experte.

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Die passende Versicherungssumme

Abhängig vom Vermögen rät Wunderlich, maximal das fünffache Jahreseinkommen gegen Sportinvalidität abzusichern, und zwar für jeden Fußball-Profi: „Der Schaden ohne Versicherungsschutz lässt sich im Berufsleben nach dem Sport nicht mehr aufholen.“ Zudem sei häufig auch eine Krankentagegeldversicherung nötig, weil bei temporärem Verletzungsausfall die gesetzliche Unfallversicherung nur bis zur BBG und abdem  43. Tag gar nicht mehr zahlt (außer bei Arbeitsunfall).

Für Amateursportler empfiehlt sich überwiegend eine private Unfallversicherung angesichts von über 1,5 Millionen Sportunfällen in Deutschland pro Jahr. Als besonders verletzungsanfällige Sportart gilt Fußball, wo es zu mehr als jeder dritten Verletzung kommt. Auch privates Skifahren (21 Prozent) und Handball (14 Prozent) sind unfallträchtig, vor allem Sprunggelenk, Kreuzband und Meniskus.

Grenzen der gesetzlichen Unfallversicherung

Nach einer Erhebung der „Apotheken-Umschau“ müssen 83 Prozent der Sportverletzungen vom Arzt behandelt werden. Behandlungskosten: rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Viele Sportvereine versichern ihre Mitglieder für diesen Fall. Denn die die gesetzliche Unfallversicherung hilft lediglich Schülern beim Schulsport (auch Sport-Arbeitsgemeinschaften), im Schwimmunterricht und bei Wettkämpfen für die Schule. Ebenso sind Studenten beim Studentensport und Erwachsene beim Betriebssport (als Mitglied eines Vereins, den der Arbeitgeber fördert) abgesichert.

In der Freizeit ist man zunächst unversichert. Immerhin besitzt jeder Sportverein, der einem Landessportbund/Landessportverband (LSB/LSV) angehört, über einen Gruppenvertrag eine so genannte Sportversicherung. Dazu gehört neben dem Haftpflicht-Schutz auch eine Vereins-Unfallversicherung. Das ist eine private Gruppenunfallversicherung mit etwas abgespeckter Leistung, deren Kosten in der Regel automatisch im Vereinsbeitrag enthalten sind. Gezahlt wird meist erst ab 20 Prozent Invalidität.

Chancen und Risiken einer Vereins-Unfallversicherung

Da ist eine private Unfallversicherung besser – sie zahlt auch schon bei einem Prozent Invalidität und bei Verletzungen durch jede private Sportaktivität. Die Grundsumme bei Invalidität sollte mindestens das Zwei- bis Dreifache des Bruttoverdienstes betragen, rät das Maklerportal Check24. „Eine Grundsumme von mindestens 100.000 Euro sowie eine 500er-Progression sind bei Invalidität zu empfehlen“, ergänzt Philipp Schneckmann von der Defendo Assekuranzmakler GmbH.

„Habe ich eine private Unfallversicherung und erleide im Verein einen Sportunfall, so wird die Vereinsunfallpolice im versicherten Umfang leisten und die private Unfallpolice ebenfalls“, sagt Schneckmann. Manche Extremsportler benötigten speziellen Unfallschutz. Unabhängig von den Sportaktivitäten sollten Makler jedoch den weitergehenden Schutz gegen Berufsunfähigkeit beraten, so der Makler. Denn im BU-Fall werde nicht nur bei schwerer Verletzung oder Unfall gezahlt, sondern auch bei schwerer Krankheit.

Übrigens: In der privaten Unfallversicherung liegt die Haftpflichtkasse mit 17 Prozent der Nennungen in der Gunst der Makler vorn, ergab die procontra-Umfrage zu Maklers Lieblingen unter 462 Teilnehmern. Es folgen als Favoriten der Makler die Interrisk (16,6 Prozent), Basler (13,4), VHV (9,1) und Bayerische (5).

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