Mit einer cleveren Anlagestrategie und etwas Geduld lässt sich schon mit geringen monatlichen Sparraten ein Vermögen aufbauen. „Das 100.000 Euro Buch“ der Stiftung Warentest lieferte dazu bereits im Vorjahr Anleitungen zum Handeln.
Doch Vorsicht: Im gesamten Buch suchte man Begriffe wie Beratung und Provision vergeblich in Bezug zur Finanzberatung (lediglich die Börsenprovision wird erwähnt). Selbst der Begriff Honorar oder Nettotarif kam nicht vor, obwohl die Warentester sonst gern der Honorarberatung das Wort reden. Offensichtlich richtete sich das Werk an informierte Selbstentscheider, die das Anlagerisiko gut kennen und bereit sind, es unter Aufgabe von Sicherheiten für den Vermögensaufbau bewusst zu nutzen.
Als Basis-Info für 34f-Berater und deren Kunden sinnvoll
Wer als 34f- oder 34d-Berater andere Erfahrungen mit seinen Kunden hat, fand mit dem Inhalt zahlreiche Argumente, warum bei diesem elementaren Finanzthema eben zumeist nicht auf Beratung verzichtet werden sollte. So ist es auch in dem neuen Finanztest-Ratgeber „Vermögen aufbauen ab 30“, der jungen Leuten individuelle Anlagestrategien und Finanztipps liefern will.
Im Buch, das sich vorwiegend an akademische Berufseinsteiger wendet, wird das bewährte „Pantoffel-Portfolio“ von Finanztest zugrunde gelegt, das nur aus zwei Bausteinen besteht: einem für Rendite (Aktienanteil) und einem für Sicherheit (Tagesgeld). Je nach Risikoneigung beträgt der Anteil an Aktien-ETF 25 Prozent (defensiv), 50 Prozent (ausgewogen) oder 75 Prozent (offensiv).
Wie das Pantoffel-Portfolio verwaltet wird
Wegen des langfristigen Anlagehorizonts junger Leute empfiehlt der Ratgeber, mindestens einmal pro Jahr ins Depot zu schauen und zu überprüfen, ob die gewünschte Gewichtung der einzelnen Bausteine noch stimmt. Falls nicht, wird ab zehn Prozent Abweichung eine Umschichtung empfohlen. Bei einem ausgewogenen Portfolio mit ursprünglich 50 Prozent ETF-Anteil sei dies der Fall, wenn der ETF-Anteil am aktuellen Vermögensstand auf unter 40 Prozent sinkt oder auf über 60 Prozent steigt. Die Stiftung Warentest bietet einen kostenlosen Rechner, um dies zu überprüfen.
Auch die praktischen Fragen – das beste Depot finden, die passenden ETF auswählen und kaufen, Gewinne richtig versteuern – werden ausführlich erläutert. Dabei geht es auch um Bankgebühren, den Vorteil von Direktbanken, Online-Broker, Möglichkeiten der Aktien-Apps, Fondsshops und nachhaltige Geldanlagen.
Freiheit in Eigenregie mit Haftung für Leser selbst
„Das Pantoffel-Portfolio ist nicht wie ein Lederstiefel, in den Sie fest eingeschnürt sind“, heißt es. Ändere sich das Leben, könne man jederzeit in einen anderen Pantoffel schlüpfen. Fragt sich nur, ob Laien dazu allein oder nur mit Hilfe solcher Ratgeber in der Lage sind.
Wie gesagt: Der Begriff „Beratung“ wird im Zusammenhang mit der Geldanlage komplett gemieden und kommt nur im Zusammenhang mit der gesetzlichen Rentenversicherung vor und zur Prüfung der Tauglichkeit einer Lebensversicherung, für die dem Leser der Besuch bei der Verbraucherzentrale empfohlen wird.
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Nicht kritiklos das ETF-Loblied mitsingen
Von Einzel-Aktien raten die Warentester ab. Dies sei nichts anderes als Glücksspiel. Auch wenn man da anderer Meinung sein könnte, ist der skizzierter Ausweg für viele sehr vernünftig: Mit Weltindizes kann man Hunderten Aktien auf einmal folgen und „ganz bequem den goldenen Schnitt der Weltbörden kassieren“, sagen beide Finanztest-Ratgeber unisono und werben richtigerweise für Diversifizierung.
Warum aber ausschließlich Aktien-ETF statt aktiv gemanagte Aktienfonds empfohlen werden, erfährt der Leser erst auf Seite 102: der Ausgabeaufschlag von 5,0 Prozent. Dies wird nicht konkret bewertet, aber offenbar als zu teuer eingestuft, denn fortan geht es im Buch nur noch um ETF. Dabei geben die meisten 34f-Berater ihren Kunden Rabatte auf den Ausgabeaufschlag – nicht selten sogar 100 Prozent, weil sie für ihre Dienstleistung von der Managementgebühr profitieren. Zudem gibt es auch bei ETF einige Risiken, die Selbstentscheidern oft überhaupt nicht klar sind. Und die Warentester haften für ihre Ratschläge naturgemäß nicht.
Warnung vor Anfängerfehlern
Immerhin warnt der Ratgeber vor typischen Anfängerfehlern. In Kurzform sind dies:
Tipps für nachhaltige Aktien-ETF und Aktienfonds
Der Ratgeber nennt auch eine Auswahl nachhaltiger Welt-ETF, die allerdings nur drei von fünf möglichen Punkten bei der Nachhaltigkeitsbewertung bekommen haben: Amundi MSCI World SRI, BNP Easy MSCI SRI S-Series 5% Capped, iShares MSCI World SRI, Lyxor MSCI World ESG, UBS MSCI World Socially sowie UBS MSCI ACWI Socially.
Finanztest räumt ein, dass die volle Punktzahl bei Nachhaltigkeit aktuell nur aktiv gemanagte Fonds schaffen, darunter Ökovision Classic, Superior 6 Global Challenges, GLS Bank Aktienfonds und Steyeler Fair Invest.
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