Versicherung: „Marktplatz für immer neue Mehrwerte im Makleralltag“

Die Smart Insurtech AG entwickelt ihre webbasierte Versicherungsplattform weiter und hat sich auch personell neu aufgestellt. Im Interview nennt Vorstandschef Matthias Hansen die Essentials der Arbeit seines Hauses.

procontra: Wann bekommen es Versicherungsmakler in ihrem Arbeitsalltag bewusst oder unbewusst mit Ihrem Haus zu tun?

Hansen: Sie kommen mit uns in Berührung, wenn ihr Maklerbüro oder Pool mit unserer Versicherungsplattform Smart Insur arbeitet beziehungsweise einzelne Features der Plattform wie den Vergleichsrechner als Teil der Beratungstechnologie im Einsatz hat.

procontra: Was kann die Plattform „Smart Insur“ schon heute und wo soll die Reise hingehen?

Hansen: Smart Insur bietet schon heute alle für Vermittler notwendigen Services entlang der Wertschöpfungskette. Konkret bedeutet das, dass wir aus einer Hand eine Technologie für Beratung, Analyse und Rating, einen Vergleichsrechner sowie eine am Markt einzigartige qualitative Tarifbewertung nach Verbraucherschutzkriterien, ein Maklerverwaltungsprogramm (On-Premise-Version oder cloudbasiertes MVP) sowie einen vollumfänglichen Dokumentenservice zur Verfügung stellen. Die meisten Services sind schon heute miteinander vernetzt und erleichtern so den Vermittlern die Arbeit im Innendienst - sie gewinnen mehr Zeit für die Beratung. Neben dem Alltagsgeschäft validieren wir seit Anfang 2020 die Bestände angebundener Maklerbüros. Das heißt: Wir gleichen ihre Daten mit den Angaben der Versicherer ab und erhalten so aktuelle und konsistente Daten. So entsteht eine einheitliche Datengrundlage, die Basis für das Heben digitaler Mehrwerte ist und uns den Aufbau einer neuen Technologie aus einem Guss ermöglicht.

procontra: Was darf man sich darunter genauer vorstellen?

Hansen: Wir bezeichnen diese neue Technologie als Marktplatz. Sie ist der virtuelle Raum, in dem sich Makler, Versicherer und Assekuradeure begegnen. Wir stellen Technologie und Infrastruktur für dieses Zusammentreffen bereit. Der Marktplatz liefert das perfekte Match zwischen Angebot der Versicherer und Nachfrage der Makler. Der Marktplatz wird allerdings mehr als ein reiner Transaktionskanal sein, der das passende Versicherungskonzept ermittelt. Er wird durch seine große und konsistente Datenbasis, an welcher wir aktuell noch arbeiten, Innovationen und neue Services ermöglichen. Dazu zählen beispielsweise Produktsimulationen für Versicherer oder auch Robo-Advice-Technologien für Makler, etwa zum Kreieren von Beratungsanlässen. Im Moment sind das alles noch einzelne Komponenten, die jedoch künftig verschmolzen werden. Eine solche Plattform wird wahrscheinlich nie ganz fertig sein, sondern immer neue Mehrwerte hervorbringen.

procontra: Machen andere Servicedienstleister das nicht auch so?

Hansen: Ich sehe momentan keine vergleichbare Marktplatztechnologie, die alle Player der Versicherungsbranche adressiert und vollumfängliche IT-Lösungen aus einer Hand bietet. Auch wenn wir ein relativ junges Unternehmen sind, so können wir mit den sechs akquirierten IT-Firmen (Innosystems, IWM Software, NKK Programm Service, Maklersoftware.com, Volz-Gruppe, 1blick) mehr als 30 Jahre Branchen-knowhow vorweisen. Hinzu kommt, dass wir unabhängig sind und nicht in der Verwertungskette stehen. Diese Unabhängigkeit beruht auch darauf, dass wir eine 100-Prozent-Tochter des MDAX-Unternehmens Hypoport sind und somit einen transparenten, starken finanziellen Background haben.

procontra: Hypoport hat seine Wurzeln aber nicht im Versicherungsgeschäft.

Hansen: Die Hypoport-Gruppe ist ein Netzwerk von Technologiefirmen für die Kredit-, Immobilien- und Versicherungswirtschaft. Mit dem B2B-Kreditmarktplatz Europace, der größten deutschen Plattform für Immobilienfinanzierungen, Bausparprodukte und Ratenkredite, gibt es zudem fundierte langjährige Erfahrung im Plattform-Geschäft. Das erschließen wir zunehmend auch in der Assekuranz.

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procontra: Machen Sie bitte an einem typischen Beispiel im Maklerbüro-Alltag fest, was bei Ihnen besser läuft als im Markt.

Hansen: Wir können alle Aktivitäten eines Maklerbüro-Alltags zusammenfassen und sagen: Wir sind nicht in jeder Einzelanwendung besser als andere, aber dabei, dass alle relevanten Anwendungen aus einer Hand kommen. Wir bieten dem Makler ein System aus Komponenten, das die Beratungs- und Administrationsprozesse abdeckt und immer mehr zusammenwächst und so den Arbeitsalltag im Maklerbüro revolutioniert. Darüber hinaus können wir auch sämtliche IT, die nicht spezifisch für Maklerbüros ist, über unseren Smart Cloud-Service abdecken, etwa Webseitenhosting.

procontra: Smart Insurtech ist aus der Verschmelzung von anderen Hypoport-Töchtern hervorgegangen. Wer steht als nächster auf der Liste der Akquisitionen?

Hansen: Wir sind anorganisch entstanden aus einer Hypoport-Einheit und den genannten IT-Firmen aus dem Versicherungsumfeld. Diese Heterogenität bringt einige Herausforderungen mit sich – nicht nur technischer, sondern auch kultureller Natur. Mittlerweile sind wir mit rund 300 Mitarbeitern an elf Standorten präsent. Unser Fokus liegt aktuell auf Konsolidierung, Schaffung einheitlicher Prozesse sowie unserem Datenvalidierungsprojekt und der darauf aufbauenden Marktplatz-Technologie. Es sind vorerst keine Akquisitionen geplant.

procontra: Sie sehen Smart Insurtech in der Transformation zu einem Produkthaus. Was darf man sich darunter aus Sicht von Maklern vorstellen?

Hansen: Produkthaus bedeutet, dass wir sukzessive aus der Rolle des IT-Dienstleistungsanbieters schlüpfen und Produkte entwickeln, die den generellen Bedarf unserer Kunden sehr gut abdecken, aber eben nicht mehr jeden individuellen Bedarf. Die durch unsere Historie bedingten heterogenen – wenn auch miteinander verzahnten – Produktkomponenten werden durch eine standardisierte moderne Cloud-Technologie aus einem Guss und effiziente Prozesse abgelöst. Allerdings ermöglichen Schnittstellen individuelle Lösungen.

procontra: Wie viele Versicherer, Vermittler und Endkunden der Assekuranz erreichen Sie?

Hansen: Aktuell sind an die Versicherungsplattform über 1.400 Maklerbüros, Versicherer und Assekuradeure angebunden. Damit decken wir rund fünf Prozent des Privatkundengeschäfts - unser Fokus - im deutschen Versicherungsmarkt ab.

procontra: Was kosten die Produkte und Tools den Makler?

Hansen: Wir arbeiten nicht mit einem fixen Preiszettel. Unsere Philosophie ist, gemeinsam mit unseren Kunden zu wachsen. Dafür haben wir ein erfolgsorientiertes Gebührenmodell entwickelt, das sich nach der Intensität der Nutzung unserer Plattformtechnologie richtet. Die Kosten variieren je nach Sparte und beinhalten einen bestimmten Prozentsatz der bei uns verwalteten Jahresnettoprämie. Richtlinie für die Bemessung ist insofern die aktive Bestandsgröße. Ab monatlich 200 Euro ist die Nutzung aller Plattformservices möglich. Das lohnt sich für jeden Makler ab zwei Mitarbeitern aufwärts. Je erfolgreicher ein Makler ist und je intensiver er unsere Technologie einsetzt, desto höher sind die Gebühren, aber eben auch sein Umsatz durch die Technologie. Mit diesem skalierbaren Preismodell fallen für den Makler Anfangsinvestitionen in starre, an die Mitarbeiterzahl gekoppelte Lizenzen, Aufwendungen für Software sowie Update-Kosten weg.

procontra: Sie selbst kamen 2020 von der Fonds Finanz und sind erst im Januar 2021 Vorstandschef geworden, mit Verantwortung für die Ressorts Strategy, Marketing und Sales. Warum kam es jetzt nach nicht mal einem Jahr schon wieder zum Umbau der Chefetage?

Hansen: Mit dem Strategiewechsel vom IT-Dienstleister hin zum Produkthaus gehen neue Vorgehensweisen, die Professionalisierung von Prozessen sowie die weitere personelle Verstärkung einher. Wachstum ist nur durch Veränderung möglich. Diese Phase der Unternehmensentwicklung traf auf persönliche Beweggründe zweier Vorstandsmitglieder, die maßgeblich die Entstehung und Entwicklung unseres Unternehmens geprägt haben. André Männicke wird künftig Projekte für die Muttergesellschaft Hypoport verantworten. Bernd Jakobs wird sich nun als Senior Executive wieder stärker auf die Arbeit mit unseren Kunden konzentrieren und das Unternehmen auch als Prokurist vertreten. Neu in den Vorstand rücken Philipp Gérard und Julian Niederauer, die wertvolle Erfahrungen in Produktentwicklung und mit professionellen Prozessen einbringen.

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