Versicherungsverkauf statt Bargeld

Die Deutsche Bank will die Ausgabe von Bargeld in ihren Filialen deutlich einschränken. Zukünftig soll der Fokus auf dem Verkauf von Anlagen, Hypotheken und Versicherungen liegen.

Für Bankkunden ist es zuletzt nicht nur deutlich schwieriger geworden, größere Barbeträge aufs eigene Konto zu transferieren. Auch das Abheben von Scheinen wird tückischer – zumindest für Kunden der Deutschen Bank.  

So soll es in den meisten Filialen mittelfristig nicht mehr möglich sein, Bargeld am Schalter zu erhalten. Das berichten mehrere Medien und berufen sich auf Aussagen von Lars Stoy, Chef des heimischen Privatkundengeschäfts. Grund für die Maßnahme seien Kosteneinsparungen.  

„Die Hauptaufgabe der Filiale ist der Verkauf“, zitieren mehrere Medien Aussagen von Stoy, die dieser auf einer nicht-öffentlichen Investorenkonferenz getätigt haben soll. Und weiter: „Die Beratung der Kunden bei Anlagen, Hypotheken, bis zu einem gewissen Grad bei Konsumkrediten und Versicherungen. Dann werden Filialen auch wieder profitabel sein.“  

Die Pläne spiegelten laut Stoy das sich veränderte Kundenverhalten wider. Allerdings wird dieses maßgeblich von den Banken mitbeeinflusst. Zwar ist die Nutzung von Bargeld in den vergangenen Pandemiejahren deutlich zurückgegangen, allerdings wollen die meisten Deutschen (drei Viertel) Scheine und Münze als Zahloption nicht missen. Das ergab Ende vergangenen Jahres eine Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).  

Allerdings haben immer mehr Deutsche Probleme – wenn auch nur gelegentlich – an Bargeld zu kommen. „Kreditkartenanbieter, Digitalkonzerne, Banken und Teile des Handels treiben bargeldloses Zahlen voran – zulasten des Bargelds", kritisierte damals Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt beim vzbv, gegenüber der dpa.  

So ist es wenig überraschend, dass Mohn die Ankündigung der Bank als „klaren Rückschritt für die Verbraucher“ bezeichnete. Diese sollen zukünftig Bargeld bei der Deutschen Bank nur noch über Bankautomaten beziehen können, beziehungsweise können es an der Tank- oder Supermarktkasse abheben. 

Mit ihrer Ankündigung bestätigte die Deutsche Bank, dem Vertrieb von Versicherungen in Zukunft ein höheres Gewicht beimessen zu wollen. Stark sind die Banken insbesondere im Vertrieb von Lebensversicherungsprodukten. Laut aktuellen Branchenzahlen entfällt knapp ein Fünftel am Leben-Neugeschäft auf Kreditinstitute – damit liegen sie jedoch deutlich hinter Versicherungsvertretern (knapp 40 Prozent) und Maklern (knapp 30 Prozent).  

Beim Vertrieb von Krankenversicherungen sowie Schaden-Unfallversicherungen hinken die Banken der Konkurrenz jedoch hinterher. Um das zu ändern hatte die Deutsche Bank 2020 einen digitalen Versicherungsmanager veröffentlicht, mit dem Kunden ihre Versicherungen nicht nur besser verwalten, sondern auch neu abschließen können.

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